06.05.25: La Gutina - ein alternatives Weingut
01.04.26: Perelada - eine Reise durch die Zeit
04.02.26: Katalanische Bilderwelten - Besuch im Museu Perramon (Ventalló) und bei der Malerfamilie Palmero (Saus)
06.05.2026: La Gutina - ein alternatives Weingut
Auf der Fahrt zum Weingut "La Gutina"
Das Weingut "La Gutina" liegt in den "Aspres", einer Niederung vor den Alberes-Bergen. Die Landschaft ist geprägt von Wein- und Getreidefeldern, Olivenhainen, Korkeichenwäldchen, großen Granitblöcken, mediterraner Heide, trockenem Klima und häufigem Tramuntana-Wind. Es ist eine alte Kulturlandschaft, gestaltet vom Wetter, den natürlichen Verhältnissen angepasster menschlicher Nutzung und Weidewirtschaft. Die rund 80 Hektar Fläche des Weingutes liegen in einemgeschützten Gebiet.
Wir fahren auf der "Weinstrasse" des Alt Empordà nach Sant Climent Sescebes. Am Ortsanfang biegen wir rechts ein und gelangen auf ein Sträßchen, das nach Vilartolí führt. Nach einiger Fahrt durch die grüne Landschaft - am Flüsschen Anyet entlang - erreichen wir das altertümliche Gebäude des "Mas Torres".
Der Hof "Mas Torres"
Wir biegen in den Hof ein. Dort empfangen uns "La Bárbara" und "en Joan". Sie sind die Besitzer des Weingutes.
Der Hof wurde vom Großvater Joans erworben, einem Kuba-Rückkehrer. Joan und Barbara haben sich entschlossen, die Weinbautradition fortzuführen. Sie rekultivierten die alten Weinfelder, legten neue an und bemühen sich um Landschaftspflege. Sie stellen streng natürlichen Wein und ebensolches Olivenöl her, mit natürlichen Verfahren, ohne Zusätze und handverarbeitet. So behalten die Weine im Geschmack den Charakter der Landschaft und der Natur.
Ein Spaziergang durch die Landschaft
Bárbara führt uns durch die Umgegend des Hofes. Sie gibt Erklärungen zu Landschaft und zum Weinbau. Die Felder für die verschiedenen Weinlabels - "Ambre", "Idò" usw. - liegen in verschiedenen Bereichen. Die einheimische und hauptsächlich angebaute Rebensorte ist die "Garnatxa", aus der keinesfalls nur süße Weine hergestellt werden.
Die Weinstöcke wachsen inmitten Gras und Blumen. Die Erdkrume wird nur wenig bearbeitet. Die Erdschicht ist dünn und starke Bearbeitung schadet ihr. Die Gräser halten die Feuchtigkeit zurück und die Blumen lenken schädliche Insekten ab.
Derzeit blühen die Reben. Bárbara hofft, dass es nicht regnet, das schadet den Blüten. Sie erzählt uns, dass der Klimawandel mit langen Dürre - und Regenperioden den Weinanbau sehr schwierig mache. Sie hätten deswegen in den letzten Jahre große Verluste gehabt.
Wir kommen an "Barracas" vorbei. Das sind kleine, runde oder längliche Hütten, die ohne Mörtel kunstvoll aus Bruchsteinen aufgefügt wurden (Trockensteinbauweise). In den Barracas suchten die Feldarbeiter Schutz vor Unwettern und bewahrten ihre Geräte auf.
Wir sehen einen Dolmen vor uns, nach dessen Namen das Weingut benannt ist. Der Dolmen "La Gutina" ist einer der ältesten der Alberes, Ende des 6. Jahrtausends v. Chr. errichtet. Das war die Zeit, als Menschen hier zum ersten Mal sesshaft wurden, Landwirtschaft und Viehzucht betrieben. Sie bestatteten in diesen (ursprünglich unter einem Erdhügel liegenden) Steinhaus-Höhlen Knochenteile ihrer Stammesfürsten, legten Opfergaben in die Kultstätten nieder und verehrten die mächtigen Ahnen. Man erwartete von ihnen, dass sie die Fruchtbarkeit von Menschen, Vieh und Feldern sicherten. Die höhlenartigen Gebilde symbolisieren den Geburtskanal und verweisen auf die erhoffte Wiedergeburt.
Die Weinherstellung
Wir kehren zum Hof zurück.
Bárbara zeigt uns die gekühlte Halle, in der die Weine in großen Edelmetallbehältern reifen und spricht über den Prozess der Weinwerdung, von der Ernte, über die Pressung, Vergärung bis zur Reife, Flaschenabfüllung, Lagerung und Verkauf. Da ist zwar manches in diesem Betrieb gegenüber früheren Methoden modernisiert, aber immer noch viel persönliche und händische Arbeit. Es ist klar, auf diese Weise können keine Billig- und Massenweine produziert werden.
Die Verkostung
In einer Halle mit alten Holzfässern erwartet uns eine lange gedeckte Tafel. Zur Weinprobe gibt es Brot, Käse, Wurst und Schinken aus dörflichen Betrieben.
Dann kosten wir verschiedene Weinsorten, einen Weißwein, einen Rosado und zwei Rotweine. Sie haben allesamt einen besonderen und kräftigen Geschmack, besonders die Rotweine haben den Erd- und Blumengeschmack der Felder "verinnerlicht", auf denen sie wuchsen. Es sind schon spezielle Weine, die von gehobenen Restaurants oder Privatkunden mit Vorliebe für die natürlichen hiesigen Weine gekauft werden.
Auch der Traubensaft und das Olivenöl, die wir probieren, schmecken sehr aromatisch.
Es war wieder einmal ein besonderer "Kulturspaziergang" - Wein gehört in diesem Lande zur Kultur. Ein Besuch des Weingutes "La Gutina" mit seiner Landschaft und der besonderen Arbeit, die dort geleistet wird, ist eine Begegnung mit einem wichtigen Teil der Kultur Kataloniens.
Ausführlicher ist ein Bericht im "Celler Can Torres / La Gutina" im Jahre 2014 - unter "Kulturspaziergänge" 2014
WEB: Els vins - Celler La Gutina
Bildergalerie - Spaziergang durch die Umgebung und die Weinfelder
Weinherstellung und -verkostung
01.04.2026: Peralada – eine Reise durch die Zeit
Die Gemeinde Peralada im Alt Empordà ist mit ihren rund 2000 Einwohnern nicht groß. Aber sie war einmal Residenzstadt der Vizegrafen und späteren Grafen Rocabertí. Und in einer Residenzstadt siedeln sich im Gefolge der Grafen andere Adlige, Verwaltungs- und Handelsleute an. So muss es uns nicht verwundern, dass wir in den Gassen und an den Plätzen der Vila Peralada viele sehenswerte Häuser aus verschiedenen Zeiten finden, Kirchen, Klöster und ein Schloss. Für eine kleine Stadt hat Peralada außergewöhnlich viele Attraktionen.
Es gibt viel zu besichtigen in Peralada
Von dem ihm umgebenden Park aus gesehen bildet das Castell der Grafen Rocabertí mit seinen zwei zinnenbewehrten Türmen einen markanten Blickpunkt. Das Schloss geht auf das 14. Jahrhundert zurück, erhielt im 16. Jahrhundert eine Renaissancefront und wurde Ende des 19. Jahrhundert von den letzten gräflichen Geschwistern im französisch-historisierenden Stil innen und außen renoviert. Dabei wurde von dem französischen Landschaftsarchitekten Duvillers ein großer Park angelegt.
Eben diese gräflichen Geschwister haben auch das Schloss Requesens im Alberes Gebirge im historisierenden Stil wieder aufbauen lassen. Über sie und das Schloss:
An das Castell angeschlossen – eine Galeriebrücke verbindet beide Komplexe - ist ein Karmelitenkloster mit gotischer Kirche und Kreuzgang aus dem 14. Jahrhundert. Auch dieses Kloster wurde Ende des 19. Jahrhundert restauriert.
Die Karmeliten sind ein 1150 am Berg Karmel in Palästina gegründeter Armutsorden. Die Schutzpatronin der Karmeliten ist die "Muttergottes vom Karmel" ("Carmen"), deren Verehrung sie in die katholische Welt eingeführt haben.
Im Kloster befindet sich heute ein großes Museum mit verschiedenen Abteilungen, wobei sich schon Kirche und Kreuzgang durch bedeutende Sammlerstücke auszeichnen.
Die Abteilungen enthalten reichhaltige und historische Kollektionen: Es gibt ein Glasmuseum, eine große Bibliothek und das Weinmuseum. Die Sammlungen gehen auf die letzten Grafen und auf die Industriellen und Politiker Damiá Mateu und seinen Sohn Miguel Mateu y Pla zurück. Sie erwarben den gräflichen Bestand 1923.
Schon die Grafen hatten aus dem Schloss ein Zentrum der Kultur gemacht, was die Familie Mateu fortführte. Im Sommer findet seit 1987 das Internationale Festival für Klassische Musik im Park statt.
Auch ein seit 1979 bestehendes Casino im Schloss wird viel besucht.
Bei unserem diesmaligen "Kulturspaziergang" haben wir die Museen nicht besichtigt. Ich hatte mir andere Schwerpunkte vorgenommen und die Besichtigung wäre für unseren Zeitrahmen zu viel gewesen. Die geführte Besichtigung ist aber empfehlenswert!
Die Silhouette des Orts wird von der auf einer Erhebung liegenden Kirche Sant Martí beherrscht. Sie geht auf präromanische und gotische Vorbauten zurück, deren Spuren der massive gotische Glockenturm zeigt. Das klassizistische Kirchenschiff wurde im 18. Jahrhundert errichtet. Im Inneren birgt die Kirche einen romanischen Taufstein und einen Schatz zahlreicher liturgischer Gegenstände der Goldschmiedekunst.

In der Vorgängerkirche spielte sich eine grausame Geschichte ab, die der aus Peralada stammende Geschichtsschreiber Ramon Muntaner in seiner "Chronik" berichtet. Bei der Besetzung Peraladas durch die Franzosen 1285 drangen Soldaten auch in die Kirche ein - ein "böser" Teil von ihnen, so Muntaner. Dorthin hatte sich eine alte Frau geflüchtet, die den Ort nicht verlassen konnte - Na Palomera hieß sie. Sie klammerte sich schutzsuchend an die Marienfigur auf einem Altar. Die Soldaten missachteten die heilige Stätte, hieben die Frau in Stücke und schändeten den Altar..
An einem solchen Ort wie Peralada wurde nicht nur für die religiösen Bedürfnisse der Einwohner eine Gemeindekirche gebaut, sondern es siedelten sich auch Klöster an.
Nördlich an der Seite der Kirche finden wir den früheren Konvent San Bartolomé, in dem Augustinerinnen lebten. Sie kümmerten sich um Kranke und Alte in dem nahegelegenen Hospital. Ein Vizegraf übergab das Gelände der alten Burg, des “Castrum Tolón”, 1390 einer Augustinerinnengemeinschaft aus der Umgegend. Sie ließ darauf ein neues Konventsgebäude errichten. Von dem ursprünglich gotischen Bau ist nur wenig erhalten. Im 18. Jahrhundert wurde das Gebäude renoviert, im 19. Jahrhundert fast völlig neu aufgebaut und erhielt sein jetziges Aussehen. Die Frauen gaben den Konvent 1975 auf. Seitdem beherbergt das Gebäude Wohnungen. An das Konventsgebäude schließt sich die Kapelle der Gemeinschaft und ein Kreuzgang an.


Schon vor der Frauen-Gemeinschaft gab es einen Männer-Konvent derselben Ordens. Ihr Haus wurde wohl im 11. Jahrhundert errichtet und Ende des 12. Jahrhundert nach der Zerstörung Peraladas erneuert. Die Augustiner-Kanoniker - es waren vermutlich wie in Vilabertran monastisch lebende Priester – betrieben vor allem Seelsorge und Predigt. Die Grafen von Peralada hatten anscheinend ein besonderes Verhältnis zu diesem Reformorden. Das zeigt ihre Grablege in einer Kapelle der Augustiner - Canònica in Vilabertran (später fanden sie ihre letzte Ruhe im Karmelitenkloster). Wahrscheinlich wurde das Kloster in Peralada von der Canònica in Vilabetran aus gegründet. Als der Orden 1578 in Spanien aufgelöst wurde, wurde der Konvent in Peralada Dominikanern übergeben. Sie gaben der Anlage den heutigen Namen. Die Konventsgebäude dienten nach der Säkularisation im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts verschiedenen profanen Zwecken. Um 1950 wurden das Kloster niedergerissen. Erhalten blieb der Hof eines romanischen Kreuzgangs, der nun isoliert auf seinem Gelände steht. Wahrscheinlich stammt das Ensemble mit Bögen und skulptierten Kapitellen aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts.
Heute ist der Kreuzgang Bestandteil des Museums des Ortes, das vor allem dem bedeutendsten Sohn Peraladas, dem Geschichtsschreiber Ramon Muntaner (1265-1336), gewidmet ist.
Die Dominikaner sind ein 1215 vom heiligen Dominikus gegründeter Predigerorden. Die Mitglieder lebten wie die Augustiner in Armut nach der Regel des Kirchenvaters Augustinus. Der große Kirchenlehrer hatte seine Regeln 391 in Hippo (Nordafrika) wo er Priester und dann Bischof war, für die "Diener Gottes" - klösterlich lebende Frauen und Männer - entworfen.
Bilder: Am Kreuzgang des ehemaligen Dominikanerklosters in Peralada.
Die nicht immer logisch aufgebaute Folge und unterschiedliche Art der Kapitelldarstellungen, lassen vermuten, dass der Kreuzgang einmal wieder aufgerichtet wurde - möglicherweise nach der Zerstörung Peraladas 1285.

Peralada- eine lange und wechselvolle Geschichte
Eigentlich ist das ganze alte Peralada mit seinem mittelalterlichen Flair eine Attraktion.
An diesem wasserreichen und von fruchtbaren Feldern umgebenen Ort, an der sich zudem wichtige Durchgangswege kreuzten, siedelten sich um 500 v. Chr. Iberer aus dem Stamm der Indiketen an. Sie legten eine ummauerte Ortschaft an, ein “Oppidum”. Archäologische Ausgrabungen haben Reste der Ansiedlung und Funde freigelegt. Einen kleinen Einblick gibt eine Ausgrabungsstätte im Hof des Museums beim Kreuzgang.
Später kamen römische Siedler. Sie gaben dem Ort den Namen: “Petra lata” d. h. ausgedehnter Fels, wohl auf Grund des felsigen Untergrunds des Hügels, auf dem Peralada steht. Auf die Römer folgten Westgoten, dann Araber.
Mit der fränkischen Eroberung des Ampurdan ab 785 wurde die muslimische Anrufung Allahs durch die Verehrung des Heiligen der Franken, Sankt Martin, ersetzt. Es entstand mit den anderen Grafschaften der karolingischen "Marken (Grenzgebiete) der “Comitatus petralatensis”, die Grafschaft Peralada, und um das “Castro Tolón” die mittelalterliche “Vila Petralata”. Drei Jahrhunderte lang war das ummauerte Peralada eine der wichtigsten Orte des Ampurdán, verwaltungsmäßig unabhängig von den Grafschaften Ampurias und Barcelona.
1285 brannte der Ort im Zusammenhang mit dem Kreuzzug des französischen Königs Philipp des Kühnen gegen den Grafenkönig Pere den Großen von Barcelona/Aragon völlig ab und wurde von den Einwohner verlassen. Doch Peralada wurde wieder aufgebaut, mit einer neuen Ummauerung, neuen Toren, einem neuen Schloss der Vizegrafen außerhalb der Mauern, der Kirche Sant Martí, den Konventen, den gotischen Häuser um die Plaça Gran und im Ort, einem Hospital und einem jüdischen Viertel mit Synagoge (unterhalb des Carmen-Konvents).
Gehen wir heute durch den Ortskern, so haben wir im Prinzip den Grundriss des Ortes im 14. Jahrhunderts vor uns. Mit den mittelalterlichen Namen der Gassen und Plätze werden uns die damaligen Tätigkeiten, Handwerker - und Einwohnerteile gegenwärtig (dels Ollers = Töpfer, del Call = Judenviertel usw.).
Bis auf die gotischen Gebäude um die Plaça Gran stammen allerdings die meisten Häuser aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, manchmal mit gotischen Einsprengseln. Es gibt auch einige neogotische oder “modernistische” Gebäude, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut wurden.
Jedenfalls - ein Gang durch den Ort und die Besichtigung der Sehenswürdigkeiten, vor allem der Museen, ist eine Reise durch die Zeiten.
Ich habe hier einmal die wichtigsten Daten der Geschichte Peraladas zusammengestellt:
Bei unserem “Kulturspaziergang” besuchten wir das Ortsmuseum und haben uns vor allem mit dem Kreuzgang und Ramon Muntaner beschäftigt.
Ein Kreuzgang, der die mittelalterliche Welt abbildet
Beim Kreuzgang führten uns die Kapitelle mit biblischen Darstellungen (Schöpfungsgeschichte, Vertreibung aus dem Paradies / Südflügel) und ritterlichen Szenen (Jagd / Eingangsfront; Bankett / Nordseite) in die mittelalterliche Welt, wobei wir uns fragten, was die "weltlichen" Darstellungen mit dem geistlichen Leben der Brüder zu tun haben. Zeigen sie, wovon sie im Kloster Abschied nehmen sollten? Schließlich wird den im Kloster Lebenden in einem Kapitell (Nordseite) auch drastisch vorgeführt, welche Folgen "Sünden" wie "Völlerei" haben können! Das Wappen der Rocabertí auf einem Kapitell im Süden könnte darauf hindeuten, dass auch Söhne (als Schüler? Als Mönche?), die aus dem feudal-ritterlichen Leben kamen, in das Kloster aufgenommen wurden.
Die Kapitelle mit wuchernden Pflanzen, wilden Tieren, dämonischen Köpfen und verschlungenen Bändern zeigen eine zwar mit "Grünkraft" (Hildegard von Bingen) erfüllte, aber wohl eher "gefallene" oder gemischte Naturwelt als ein "Paradies", eben die nachparadiesische Schöpfung. Insofern ist das Thema, das die Kapitelle verbindet, auch beim vermuteten Wiederaufbau des Kreuzgangs geblieben.
Leider muss man feststellen, dass dieses bedeutende Zeugnis mittelalterlicher Weltsicht und Steinmetzkunst in der letzten Jahren sehr unter Umwelteinflüssen gelitten hat. Hunderte von Jahren blieb es erhalten, aber nun setzen Klimawandel und Schadstoffausstoß dem Material zu und lassen die Skulpturen immer undeutlicher werden..

Ein Geschichtsschreiber erzählt von der "Heldin von Peralada"
Im Museum wurden wir in die Zeit Ramon Muntaners eingeführt - eine Zeit voller Kämpfe und Kriegszüge - und hörten die amüsante Geschichte der “Heldin von Peralada”, die Muntaner erzählt. Deren Gestalt und Tat wird in einem Gemälde des 19. Jahrhunderts eindrucksvoll dargestellt.
Im Museum Sant Domènec - Ramon Muntaner und seine Zeit
Hier ein Text über Ramon Muntaner und die Geschichte der “Na Mercadera”:
Und dies ist der Anfang der Erzählung Muntaners in Originalsprache (altkatalanisch):
Immer wieder kommentiert Muntaner seine Berichte mit dem Ausspruch "Què us diré" - "Was soll ich euch sagen" - ein Motto, das im Museum und auch in einem Film über Zeit und Leben Muntaners, der im Museum gezeigt wird, auftaucht.
Ausführlich über Muntaner habe ich in einem anderen Artikel berichtet:
Ramon Muntaner - auf den Spuren eines katalanischen Geschichtsschreibers
Natürlich sind wir auch durch den Ort spaziert, haben uns sehenswerte Gebäude angeschaut und Schauplätze aufgesucht, von denen Muntaner berichtet.
04.03.2026: Sant Pere de Rodes – Ausflug in die Welt der Mönche und Pilger – Eine Führung durch das Kloster / TEIL 1 und 2
Katalanische Bilderwelten - Besuch im Museu Perramon und bei der Malerfamilie Palmero (04.02.2026)
Ein "Kulturspaziergang" und eine Kunstreportage
Das Empordà, das Hinterland der Costa Brava, bietet reizvolle Landschaften und historische Ortschaften, ist reich an kulturellen Schätzen und inspiriert Maler und Schriftsteller. Das Museu Perramon in Ventalló im Alt Empordà ist eines der kulturellen Attraktionen und verbindet in harmonischer Weise Ort. Landschaft und Kunst.
Das Anwesen der Malerfamilie Palmero im nicht weit von Ventalló entfernten Saus und die von ihr gestaltete “Straße der Künstler” (“Carrer dels Artistes”) ist ein Beispiel dafür, welche Anziehungskraft die altertümlichen Orte und die Kulturlandschaft des Empordà auf Künstler haben.
Ein kunstliebender Graf und sein Schwager stiften ein Museum
Beim Anklicken der Bilder werden sie vergrößert und öffnet sich eine Beschriftung.
Can, Casa oder Mas Perramon, eine Masia aus dem 16./17. Jahrhundert, liegt am Rande von Ventalló am Carrer del Pou ("Brunnenstrasse"). Das Anwesen war ursprünglich ein Bauernhof und die Perramón waren zu Wohlhabenheit gekommene Landwirte. Die Ortsherren von Ventalló, die Adelsfamilie der Caramany, ernannten Mitglieder der Perramón zu Ortsvorstehern. Durch Heirat eines der Erben mit einer Caramany stiegen die Perramón in den Adel auf und waren die Feudalherren von Ventalló bis ins 19. Jahrhundert. Durch Heirat verband sich die Familie 1828 mit dem Adelsgeschlecht der Fontcuberta. Später kam noch die Verbindung mit der Familie der Aguilera hinzu und damit der Grafentitel von Fuenrubia. Am Ende war für die letzten Erben der Perramón ein großer, in ganz Katalonien verstreuter Besitz an Immobilien und Land sowie eine Häufung von Adelstiteln zusammengekommen.
Wir gehen zum großen Eingangstor an der linken Seite des Anwesens. Über dem Tor sehen wir das Wappen der Familie. Es wurde 1791 vom spanischen König einem “Don José Perramón, ciudadano honrado de Barcelona”, verliehen. (“Ciudadano honrado” bezeichnet ein Mitglied des städtischen Adels.)
Das Wappen zeigt einen behelmten Ritterkopf mit fließendem Helmbusch und Schild mit geschwungenen Umrissen, umfasst von einem Ornamentengeflecht. Die fließend-geschwungenen Formen wirken barock. Im Schild erheben sich aus einer steinigen Ackerscholle ein von vier Bäumen (Pinien?) umgebener, mit Zinnen bewehrter Turm. Auf dem Turm steht ein Tier, das als Hund identifiziert werden kann. Darüber streckt sich ein von einem runden Schild (mit kaum mehr erkennbarem Kreuz) geschützter Arm in den Himmel, dessen Hand eine Hellebarde umklammert.
Das Wappenschild symbolisiert den Namen “Perramón”: “Perra”, eine Hündin, über der “Món” (katalanisch), der Welt (des Rittergeschlechts). Auch das runde Schild könnte auf die Weltkugel hindeuten. Es wird aber auch gesagt, “Mon” könne von “Mont”, Berg, abgeleitet werden, der Turm stünde also auf einem Berg (was aus der Wappendarstellung kaum ersichtlich ist). Wieder andere behaupten, der Name sei von “Pera”, Birne, abgeleitet, es handle sich also um einen “Birnenberg”, auf dem der Turm stehe.
Vielleicht ist der Ursprung des Namens Perramón viel einfacher: er könnte auf einen der mittelalterlichen Bauernvorfahren der Familie zurückgehen, der Pere Ramon hieß.
Der Besitz ging also in die Adelsfamilien der Fontcuberta und Aguilera über - königstreue Sippen, die Militärleute, aber auch Dichter, Politiker und Wissenschaftler hervorbrachten.
DON CARLOS DE AGUILERA Y FONTCUBERTA, Graf von FUENRUBIA (* Barcelona 1927 / + Ventalló 2017) schrieb Gedichte, interessierte sich für Geschichte, insbesondere der seiner Ahnen, und war ein großer Bücher- und Kunstfreund –zudem Erbe des von ihm "geliebten Mas Perramon" und darüber hinaus eines großen Besitzstandes. Auf Grund seiner Persönlichkeit ist es nicht verwunderlich, dass er die “Fundació Perramon” ins Leben rief - zusammen mit dem Ehemann seiner Schwester. Zweck der Stiftung war die Errichtung und Unterhaltung eines Kunstmuseums in Ventalló, das Werke von Malern und Bildhauern beherbergen sollte, die mit dem Empordà verbunden sind. Hierfür trat er einen Teil des Komplexes der Casa Perramon an die Stiftung ab.
Ich habe Don Carlos noch selbst kennengelernt, bei einem früheren Besuch des Museums - ein bescheiden wirkender, freundlicher, älterer Herr, für mich ein typischer Katalane - typisch für Katalanen seiner Art.
Sein Kunst sammelnder Schwager, der Jurist, Banker Unternehmer und Romancier, Francisco Daurella (* Barcelona 1927), beteiligte sich an dem Projekt und trieb es nach dem Tode des Grafen weiter voran.
Die Daurellas gehören zu den reichsten Familien Spaniens - vor allem dank der von ihnen 1951 erworbenen Konzession zum Vertrieb von Coca-Cola zunächst in Spanien, dann in Europa (auch in Deutschland) und anderen Ländern - weltweit.
Don Francisco Daurella lebt hochbetagt und zurückgezogen in seinem Wohnsitz - wie uns die Señora mitteilte, die das Museum für uns aufschloss. Dass er einen großen Teil seiner Aktivität und seines Vermögens der Sammlung und Zugänglichkeit von Kunstwerken - vor allem katalanischer Künstler - widmete, ist verdienstvoll und beispielhaft. Dies kam Künstlern und kommt dem Publikum - auch unserer Gruppe - zugute. Letztlich entlasten solche Initiativen auch den Staat und bringen den Regionen und Städten, in denen private Museen gestiftet werden, Vorteile. Dass dem Geschäftsmann Daurella Steuerflucht angelastet wurde, ist eine andere Sache.
Links: Carlos de Aguilera y Fontcuberta. Bildquelle: NECROLOGICA DEL ILMO. SR. DON CARLOS DE AGUILERA Y FONTCUBERTA CONDE DE FUENRUBIA. Rechts: Francisco Daurella i Franco. Bildquelle: La Real Académia
Den Grundbestand des Museums bilden Sammlungen der beiden Stifter. Carlos de Arguilera bringt seine Kollektion der Bilder des Malers Miguel Rasero (*1955) ein; Francisco Daurella verlagert den zeitgenössischen Teil seiner Sammlung katalanischer Kunstwerke - aus dem Madrider Museum der Stiftung “AMYC" (Arte Moderno y Contemporáneo) - nach Ventalló. Außerdem befinden sich Kunstwerke aus seiner Stiftung "Fundación Fran Daurel" (Poble Espanyol in Barcelona) in Ventalló.
Ein Gang durch die Ausstellungsräume
2013 wurde das Museum eröffnet mit 138 Bildern und Skulpturen von 28 Künstlern, darunter international bekannte Namen wie die der Maler Josep Guinovart (1927-2007) und Modest Cuixart (1925-2007) oder von Bildhauern und Malern wie Jorge Castillo (*1933) und Josep Maria Subirachs (1927-2014 / Gestalter der Passions-Fassade der Sagrada Familia). Heute sind es wohl mehr als 200 Ausstellungsobjekte.
Das Museum zeigt einen breiten Querschnitt der Kunstszene Kataloniens seit den 60-ziger Jahren des 20. bis zum ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts - wobei vor allem eine ältere Generation von Künstlern berücksichtigt wurde. Wir finden Bilder und Skulpturen in unterschiedlichen Stilen: (gewollt) naiv, figurativ, comicartig, symbolistisch, expressionistisch, surrealistisch und abstrakt. Dies entspricht international verbreiteten Richtungen in der etablierten zeitgenössischen Kunst des im Museum vertretenen Zeitraumes.
Wir betreten als erstes das Haus, in dem Werke des Malers und Bildhauers Miguel Rasero ausgestellt sind. Wir sehen bunte expressive Stillleben mit Gegenständen aus dem traditionellen katalanischen Alltag, Krüge, Früchte, Pflanzen, Musikinstrumente ... manchmal bis zur Abstraktion aufgelöst. Andere Bilder zeigen symbolhaft Tiere, menschliche Figuren ... Anklänge an Werke anderer Künstler sind zu finden (Cézanne, Picasso, Braque, Grís ...).
Die meisten Bilder wurden in einer bestimmten Technik angefertigt, die Elemente kollagenartig auf eine Grundfläche aufgeklebt, mit und auf geschröpftem, knittrigen Papier, wobei ein naturhaft-organischer und plastischer Eindruck entsteht.
Wir gehen weiter in die große Ausstellungshalle. Die Fülle an verschiedenartigsten Bildern und Skulpturen mag zunächst verwirren. Das Beste ist – was die meisten von uns auch taten - man geht durch die verschiedenen Abteilungen und bleibt an den Bildern oder Plastiken stehen, die einen anziehen oder beschäftigen. Das werden – je nach Geschmack - ganz unterschiedliche Werke sein. In einer Gruppe wird sich dann auch meist ein anderer einfinden und man kann gemeinsam über das sprechen, was man sieht und empfindet.
Hier eine Auswahl von Bildern und Skulpturen.
Nach dem Gang durch die Halle spazieren wir durch den Skulpturengarten mit seinen meist abstrakten Gestaltungen. Auch hier werden Fragen über die Bedeutung der einzelnen Figuren entstehen, die Diskussionen auslösen können.
Interessant: Eine Steinskulptur von Josep M. Subirachs aus verschiedenen Blickwinkeln. Titel: Reconstrucció, 1985.
Bilderfolge
Schließlich werden wir von unserer Schließerin über die Straße zu einem Tor rechts von der Masia geleitet. Wir treten durch das altertümliche Tor ein und befinden uns in einem Hof mit Pflanzen, Bänken und einer offenen Bogenhalle mit einer Wandmalerei. Dies war die Scheune der Masia.
In der anschließenden großen Halle sind Bilder des Poeten und Malers Albert Ràfols-Casamada (Barcelona 1923-2009) ausgestellt. Es handelt sich um einen Teil der Hinterlassenschaft des Künstlers, die die Erben der Stiftung Perramon zur Verfügung gestellt haben.
Eine Tafel mit dem Bild des Künstlers und einem Verzeichnis von Museen, die Bilder von ihm ausstellen, zeigt, dass es sich um einen Maler handelt, der in Spanien und Frankreich große Resonanz fand.
Wir treten in die Ausstellungshalle ein. Erster Eindruck: "abstrakte" Bilder – auf monochromen Hintergrund einfache Formen, Balken, Striche, sparsam eingefügt.
Auf anderen Bildern ist die Bildfläche mit leuchtenden Farben gefüllt, darauf geometrische Figuren, symbolhafte Zeichen, Abreviaturen, geheimnisvoll ... Den meisten von uns fiel der Zugang zu den Bildern schwer, unsere gegenständliche Welt erscheint nur in Rudimenten, schwer identifizierbar. Es lohnt sich aber vor einem der Bilder zu verweilen, es auf sich wirken zu lassen, auf Einfälle und Assoziationen zu warten. Dann kann sich einem eine andere Welt als die alltägliche öffnen, poetisch, imaginär, traumhaft...
Wir verlassen das Areal durch das Tor, das den Besucher mit einer schwer lesbaren alten Inschrift verabschiedet. Ich entziffere: “Niemand passiere dieses Portal ohne bei seinem Leben geschworen zu haben, dass die Jungfrau ohne Erbsünde empfangen wurde.” Den Feudalherren von Ventalló muss es wichtig gewesen, dass die Bauern, die hier wohl ihre Abgaben ablieferten, nicht am rechten (katholischen) Glauben zweifelten.
Öffnungszeiten des Museums - Dienstag bis Sonntag 11-14 und 17-20 Uhr. Am besten ruft man vorher an: Tel. 972 793 900. Uns wurde dann immer freundlicherweise geöffnet. Danke! Der Eintritt in das Museum ist kostenlos.
Ventalló - ein reizvoller alter Ort
Wir treten auf die Straße. Ein Spaziergang zu den “1000-jährigen” Olivenbäumen ist uns zu weit und so begnügen wir uns mit einem kurzen Gang durch die nahezu menschenleeren Gassen des Ortes zur Kirche Sant Miguel. Wir kommen an einigen verfallenden, aber auch an schön restaurierten alten Gebäuden vorbei, einige davon mächtige Herrenhäuser. Sie bezeugen, dass einst hier wohlhabende Familien gewohnt haben, wohl durch Landwirtschaft reich geworden. Vielleicht haben auch vermögende Bürger oder grundbesitzende Adlige aus den Städten hier ihre Zweitresidenzen errichtet, ein Vorgang, der sich heutzutage wiederholt.
Durch ein verglastes Eingangsportal zur Kirche sehen wir die Gigantenfiguren des Ortes. Dies sind die “Gräfin von Molins”, die legendäre Anführerin einer Räuberbande im 19. Jahrhundert, und ihr riesenhafter Freund, der “Gigant von Ventalló”. (Ihre Geschichte habe ich hier erzählt.)
Bilderfolge Ventalló
Ich habe schon einmal mit "Kulturspaziergängern" Ventalló und das Museu Perramon besucht (anschließend das Atelier des Malers Cuixart in Palafrugell). Im Artikel darüber ("Berichte 2015") finden sich weitere Einzelheiten und Interpretationen von ausgewählten Bildern und Skulpturen des Museums.
Freiluftmuseum mit Charme - Die Straße der Artisten in Saus
Wir fahren aus dem Ort und gelangen auf die Straße von Orriols nach L´Escala. Unser Ziel ist Saus. Auch Saus ist ein typisch katalanisches Dorf, noch uriger als Ventalló, mit engen, verwinkelten, steingepflasterten Gassen (die Einwohner haben das alte Pflaster wiederhergestellt), Bruchsteinhäusern und einer burgähnlichen Wehrkirche mit romanischen Bauteilen. Hier haben schon Iberer und Römer gesiedelt, wie archäologische Ausgrabungen bezeugen. Die Ansiedlung lag an der “Via Augusta”, die nach Tarragona führte und später an der Straße von Castelló d´Empúries nach Girona (Saus gehörte zur Grafschaft Empúries.) Der Ortsname “Saus” bedeutet auf katalanisch “Salze”.
Nach der Abfahrt von der G-623 fahren wir nicht durch den engen Ort, sondern außen herum zum Local Social, wo wir parken können.
Wir machen uns auf den Weg zum “Carrer dels Artistes”. In den verwinkelten Gassen des Dorfes verlaufen wir uns. Bei der Erkundungsfahrt habe ich einen vor einem Haus arbeitenden Bewohner nach dem Weg gefragt, doch der – wohl ein Zugezogener - kannte die Straße nicht. Wir fanden dann aber eine hier wohnende Tschechin, die uns zum gesuchten Carrer führte. Diesmal hatten wir dieses Glück nicht, die Gassen waren menschenleer. Nach längerem Umherirren kamen wir aber doch zum Ziel. Der Carrer dels Artistes verläuft ganz unten am Rande des Dorfes, zwischen der letzten Häuserfront und Gartenmauern.
In der Straße sind die Mauer und Wände mit meist bunten Bildern bedeckt, keine großflächigen Wandmalereien, sondern viele kleine und größere Tafeln mit unterschiedlichen Themen: Blumen, Personen, Tiere, dekorative Formen, historische Szenen. Dazwischen auch dekorierte Statuen im griechischen Stil oder Schaufensterpuppen. Viel Lokalkolorit ... und immer wieder liest man “Saus” und “Palmero”.
Bilderfolge aus der "Straße der Künstler":
Was hat es mit ”Palmero” auf sich? Das Wörterbuch belehrt uns, ein “Palmero” sei ein “Palmzweigträger”. Man kann ihm in Spanien am Palmsonntag begegnen. Aber das führt hier in die Irre.
Die “Künstlerstraße” wurde 2005 von Alfredo Palmero eröffnet und vor allem von ihm gestaltet. Alfredo Palmero, “der Jüngere” (*Barcelona 1966) ist der Enkel des “Maestro” Alfredo Palmero de Gregorio (*Almodóvar del Campo/La Mancha 1901 / + Barcelona 1991) und damit der Jüngste der Künstler aus der Familie. Die Mitglieder der Familie scheinen das "Mal-Gen” des international bekannten "Meisters" geerbt zu haben (oder ist es das künstlerische Umfeld, in dem sie aufwuchsen?).
Es gibt eine ganze Reihe von “Freiluftmuseen” in Katalonien – meist Skulpturenparks – dieses bezieht seinen Charme aus seiner Lebendigkeit, Intimität und der Verbundenheit mit dem Dorf Saus.
Durch unser Suchen hat sich die Gruppe zerstreut und durchstreift von beiden Enden her die Straße. Wir treffen bei einer großen Masia zusammen, vor der sich ein weiter Hof öffnet. Can Palmero, auch genannt Can Cuero oder Descattlar, gehörte einst einem der Grafen von Ampurias und ist die Sommerresidenz der Familie Palmero. Auch der Hof und der gegenüberliegende große Garten ist in das Freiluftmuseum einbezogen.
Begegnung mit einer Malerfamilie
Wir haben Glück - als wir den Hof betreten, sehen wir den Künstler und seinen Vater an einer dem Haus vorgelagerten, mit allerlei Materialien angefüllten Unterstellhalle, am Werke. Wir werden freundlich begrüßt und bald ist Alfredo senior von uns umringt und beantwortet bereitwillig Fragen. Wir erfahren von dem hoch in den 90-zigern stehenden und sehr munteren alten Herrn, dass er – obwohl auch künstlerisch begabt -Advokat gelernt und mit diesem Brotberuf viel zur Förderung und zum Unterhalt der Künstlerfamilie beigetragen hat.
Sein Sohn ist inzwischen im anliegenden Atelier verschwunden, das auch wir betreten dürfen. Dort sehen wir den sympathischen Alfredo junior mit Pinsel und Farbe vor einer riesigen Leinwand und Farbtöpfen. Man kann noch nicht erkennen, was daraus einmal werden soll. Dafür liegt ein bereits fertiggestelltes großflächiges Bild nebenbei zum Trocknen am Boden.
Es zeigt eine skurrile Szene, in der eine Figur mit Hundekopf im Sportdress gegen einen kleineren Eisbären in einer Arena zum Box- oder Ringkampf antritt. Das Geschehen wird von einer Gruppe fratzenhafter Menschen-und Tiergestalten beobachtet, wobei es offenbar auch um den Einsatz von Geld geht.

Wir blicken uns im Raum um. Überall hängen an den Wänden Bilder oder sind an sie gelehnt. Darunter Sammelstücke, eine Heiligenfigur mit Bibel, eine antike Staffelei ... auf Tischen liegen Stapel von Büchern. Alfredo junior erklärte mir, welche der nicht immer leicht zuzuordnenden Bilder von ihm, seinem Großvater und von seinem Vater stammen. Die seines Großvaters zeigen oft lichterfüllte und feingemalte Szenen aus Paris und Barcelona, häufig mit Pferdegespannen – alles im realistisch-impressionistischen Stil. An zentraler Stelle des Ateliers blickt der “Maestro” von einer Staffelei aus in den Raum und auf die Tätigkeit seiner Nachkommen.
Der Enkel hat den Familienstil weiterentwickelt, vom modernistisch-realistischem, zum expressionistisch-ausdrucksvollen bis hin zum surrealistisch-makabren. Licht und Farbe prägen seine Bilder. Die Palette seiner Themen ist vielfältig, auffällig sind bewegte Pferdebilder und elegante Frauendarstellungen mit dekorativen Elementen in kräftigen Farben. Vorbilder sind Picasso und Velasquez.
Bildergalerie: Atelier Palmero in Saus
Während einige von uns umher gehen, Bilder, Bücher und Sammelstücke betrachten, hat sich eine kleine Gruppe um Alfredo senior gesammelt. Er ist der “Historiador”, der Bewahrer der Geschichte und Geschichten seines Vaters und der Familie. Er erzählt uns, dass die Palmeros drei private Museen unterhalten, in Barcelona, im Geburtsort des “Maestro” und auf La Palma. Er berichtet von Porträts, die Miguel, sein Bruder, und Alfredo, sein Enkel, von Mitgliedern der königlichen Familie gemalt haben, ebenso von einem Empfang des “Maestro” mit seinen Söhnen beim jungen König Juan Carlos im Palacio Zarzuela in Madrid. Dazu zeigt er Bilder in Büchern. Er blättert in einem Band und findet ein Dokument vom Besuch seines Vaters in Deutschland - in der Inflationszeit 1923. Ein Frühstück kostete ihn Millionen an Reichsmark.
Schließlich müssen wir uns von den Erzählungen, Gesprächen und Bildbetrachtungen losreißen, die Zeit drängt, wir sind zum Mittagessen in Sant Pere Pescador verabredet. Wir werfen noch einen Blick in den Garten, finden zum Parkplatz zurück und fahren los.
Im Restaurant “Bon Punt” in Sant Pere Pescador” beenden wir diesen “Kulturspaziergang” mit einem lebhaften Zusammensein und schmackhaften Menü.
An diesem Tag sind wir in die Welt von Künstlern und Kunstfreunden eingetaucht, in Bilder, die sich Maler und Skulpteure von der Welt, vom Leben, von Menschen, von der Natur machen. Kunst ist Kommunikation des Kunstschaffenden mit sich selbst, seiner Welt, und mit seinem Publikum.
Nicht alles fand bei allen Verständnis, aber unberührt vom Gesehenen und Erlebten ist niemand davongegangen.
Lobos Spaziergänge in Katalonien und an der Costa Brava


















































































































































