Der "Wolfram" in Erfurt - Ein umstrittener Namensvetter und seine Doppelgänger in Spanien

(Bildquelle: CC-BY www.guelcher.de)
(Bildquelle: CC-BY www.guelcher.de)

Begegnung mit einem Namensvetter

Da wir Freunde in Erfurt haben, kommen wir immer wieder einmal in diese Stadt. Dabei versäume ich es nicht, einen Namenvetter zu aufzusuchen. Man findet ihn im Mariendom, vorne rechts, ist ungefähr 1,50 m groß, wirkt aber größer, da er auf einem mit Figuren allerlei Getiers und einem Menschlein verzierten Podest steht. Er bringt ca. 175 kg auf die Waage, ist also ein ziemlich gewichtiger Brocken, mitsamt seinem Podest wiegt er sogar 276,5 kg. Trotzdem: dick ist er nicht, sondern er hat eine ziemlich schlanke Figur, vor allem oben herum ist er ziemlich schmalbrüstig. Gekleidet ist er  recht altmodisch: eine schmale Stola fällt von seinem Hals herab, eine glatte Weste bedeckt seinen Oberkörper, darunter trägt er ein langes Gewand, das ihn  bis zu den Füßen reicht. Es wird von einer Gürtelschnur zusammengehalten und wirft an Ärmeln und im unteren Teil reichlich Falten. An der linken Seite trägt er ein Futteral, in dem sich aber nichts befindet. Er hat ein ebenmäßiges Gesicht, das von einem kurzen Bart und glatten Haaren, die ihm in die Stirn fallen, umrahmt ist. Die Haartracht ist nicht allzu lang. Dem Gesicht nach, schätze ich ihn auf 50 Jahre. Seine großen Augen scheinen nach innen zu blicken. Mit Sicherheit ein introvertierter Typ. Anders als in leicht gebeugter Meditationshaltung kann er wohl auch seiner Aufgabe nicht nachkommen: er hält nämlich mit seinen Armen und Händen zwei Kerzenhalter mit darauf befindlichen Kerzen hoch. Die abgewinkelten Arme bilden mit dem Kopf übrigens ein großes W. Das deutet auf seinen Namen hin: der „Wolfram“ aus Erfurt.

Bildquelle: wikimedia commons. Autor: James Steakley
Bildquelle: wikimedia commons. Autor: James Steakley
Quelle: www.erfurt-lese.de
Quelle: www.erfurt-lese.de

Ich wüsste gern mehr über seine Person, aber leider redet er nie mit mir. Wenn ich vor ihn trete, verbleibt er stumm in seiner schweigenden Haltung. Aber ein wenig gibt er doch von sich preis. Auf seinem Gürtel lese ich: „Wolframus“. Aha, denke ich, so heißt Du wohl, du bist also ein Namensvetter von mir. Wir haben denselben Namenspatron. Über ihn lese ich im „Ökumenischen Heiligenlexikon“:

 

„Wolfram, Sohn eines Kriegers von König Chlodwig II. von Neustrien und Burgund, übertrug seinen Besitz an die Abtei Fontenelle - das heutige St.-Wandrille. Um 693 wurde er Erzbischof von Sens. 700 verlegte er seinen Bischofssitz nach Fontenelle und leistete zusammen mit Willibrord Missionsarbeit in Friesland.“ Dort starb er als einfacher Mönch am 20. März 700.

 

Also,  Erfurter Wolfram, Du bist wie ich im März geboren, denn Du wurdest wohl an Deinem Geburts- und Tauftag, dem 20.3., nach dem „Seligen“ Wolfram – er ist kein regelrechter „Heiliger“ - benannt. Astrologisch bist Du wie ich ein „Fisch“, was ganz gut zu Deinem Erscheinungsbild passt. Übrigens behaupten Freunde, ich sei Dir im Aussehen ähnlich. Und lateinisch kannst Du wohl auch, worauf die lateinische Form Deines Namens hindeutet. Jedenfalls in diesem Idiom fahrt Dein Gürtel fort: „ Ora p(ro) nobis s(an)c(t)a dei genitrix…Bitte für uns, heilige Gottesgebärerin.“

 

Also katholisch-fromm scheinst Du zu sein – so mein Gedanke. Da kann ich nicht so ganz mit Dir mitgehen, ich bin evangelischer Theologe, und wir Evangelische verzichten auf himmlische Fürsprecher und nehmen den direkten Weg. Ich erinnere mich aber, dass Luther, der hier in diesem Dom zum Priester geweiht wurde, eine große Hochschätzung für Maria als Mutter Jesu und Vorbild des Glaubens aufbrachte. Ich gehe aber noch weiter: ich sehe in der Figur der himmlischen Maria ein Symbol für die weibliche und mütterliche Seite Gottes. Im übrigen habe ich bei einigen Gastaufenthalten in Klöstern oder „Gregorianik-Kursen“ im (evangelischen) Kloster Loccum zur abendlichen „Vesper“ oder dem „Complet“ gern das Responsorium „Angelus domini nuntiavit Mariae…Ave Maria…“ („Der Engel des Herrn überbrachte Maria die Botschaft…Sei gegrüßt, Maria…“) mitgesungen, in dem sich diese Worte als Schlussbitte finden. (Älter als das „Angelus domini“ ist der „Marien-Antiphon“ bzw. Hymnus „ „Salve Regina“, in dem die Bitte an Maria ebenfalls angehängt wird. Der Hymnus geht bis ins 11. Jh. zurück, also weit hinter die Entstehungszeit des „Wolfram“.) Ich fand es auch sehr stimmungsvoll, wenn dazu in der Dunkelheit Leuchter mit Kerzen angezündet wurden. Ich weiß also Dein Gebet und Deine Aufgabe zu schätzen!

 

Ich lese weiter auf Deinem Gürtel: „ Hiltiburc. Ut digni efficiamur gra(tiae) dei…“ – „ Hiltiburc – Dass wir würdig werden der Gnade Gottes…“ Oh, da taucht ein Frauenname auf: Hiltiburc. Das ist wohl Deine Frau!? Ja, mehr über Dich kann ich leider nicht herausbringen. Deiner Kleidung nach scheinst Du aus besser gestellten Kreisen zu kommen, bäuerlich oder handwerklich bist Du nicht gekleidet, vielleicht bist Du ein Patrizier oder ein Adliger. Zu Deinen Zeiten war der Vorname „Wolfram“ gerade unter Adligen nicht selten

 

Wer ist dieser Wolfram?

 

Ich muss jetzt meinen Lesern verraten, dass Du aus längst vergangenen Zeiten stammst und eine aus Kupfer gegossene Figur bist. Man schätzt, dass Du um 1160 geschaffen wurdest, also im Mittelalter, in der Staufer-Zeit, im Zeitalter der Romanik. Kunsthistoriker sagen, dass Du eine einmalige Erscheinung bist. Man kennt zwar gegossene Tierplastiken wie den Braunschweiger Löwen oder Figuren an Türen oder Säulen wie in Hildesheim, aber eine freistehende menschliche Figur wie Dich aus diesen Zeiten kennt man sonst nicht in Deutschland. Außerdem sagen die Kunsthistoriker, dass Du wohl gar nicht den originalen Wolfram darstellst, sondern von ihm gestiftet wurdest. Es war damals nicht üblich, dass „Normalsterbliche“ sich selbst porträtieren ließen, das war ganz „hohen Tieren“ wie dem Kaiser vorbehalten. Man stiftete eher Heiligenfiguren oder Gestalten aus der Bibel. Aber wer sagt, dass kunstgeschichtliche „Dogmen“ unumstößlich sind? Vielleicht sind doch Züge des Stifters in Deine Gestalt eingeflossen!?

 

Wie schon vor mir viele, habe ich versucht, mehr über Deinen Stifter herauszufinden. Der Romantiker Ludwig Bechstein meint etwas über ihn heraus bekommen zu haben. In seinem „Deutschen Sagenbuch“ (1853) erzählt er:

 

Der Wolfram

 

Im hohen Chor des Domes zu Erfurt steht, gegen den Hochaltar gekehrt, ein ehern Bildnis, eine Mannesgestalt von der Größe eines Knaben, das wird der Wolfram genannt; es hält in jeder Hand einen Kirchenleuchter und soll, wie die Mesner sagen, aus Heidenzeiten herrühren; doch dem ist nicht also. Ein junger Patrizier des Namens Wolfram beging ein großes fleischliches Vergehen; solches zu sühnen, verurteilte ihn der Papst zu harter und langer Kirchenbuße, daß er ein ganzes Jahr lang täglich, in der Hand einen Leuchter mit zwei brennenden Kerzen, vor dem Altar stehen sollte, und zwar so lange, als der Dienst der Messe daure. Dies tat nun auch Wolfram, aber er fiel darob ganz von Kräften und vermochte sich kaum aufrecht zu erhalten. Da ward heftig für ihn gebeten, bis ihm die Strafe erlassen wurde, doch stiftete er noch zur Sühne und zum Gedächtnis seiner Reue und Buße das metallene Bild und trat darauf in einen strengen Orden, darin er bald hernach Todes verblichen ist.

 

Eine schöne und eingängliche Sage. Sagen haben auch oft einen geschichtlichen Kern. Aber als historisches Dokument zum Ursprung der Wolframfigur kann sie nicht gelten.

 

Sucht man nach historischen „Wolframs“ im Umkreis von Erfurt zu dieser Zeit, so findet man wohl einige, z. B. einen Probst Wolfram des Nonnenklosters Ichtershausen, dessen geistlicher Leiter er war. Dieser Wolfram war zwar eine „Stifterpersönlichkeit“ – er stiftete dem Kloster Ichtershausen seine bedeutende Reliquiensammlung - , auch hatte er Verbindungen zu Erfurt, aber einen Zusammenhang mit dem Wolframleuchter lässt sich nicht belegen. Dem steht auch die Erwähnung der Hiltiburc entgegen, denn als zisterziensischer Mönch hätte er nicht verheiratet sein dürfen. (Allerdings könnte die Dame auch eine Schwester sein.). Propst Wolfram war übrigens ein glühender Verehrer des heilig gesprochenen Bischofs von Hildesheim, Godehard. Wenn die Wolfram-Statue von ihm in Auftrag gegeben worden wäre, hätte es nahe gelegen, diesen Heiligen darzustellen. Unser Wolfram trägt aber keine Insignien oder Attribute eines Heiligen oder Geistlichen, er macht in Kleidung und Haartracht einen ziemlich „zivilen“ Eindruck. Der Wolfram von Erfurt lässt sich also vorerst nicht seine Geheimnisse entreißen. Oder doch?

 

Wolfram macht wieder von sich reden

 

In jüngster Zeit hat der Wolfram von Erfurt Schlagzeilen in der Presse gemacht. Im „Feuilleton Kompakt“  von  „Die Welt“  vom 26.02.16 war folgendes zu lesen:

 

"Wolfram-Leuchter" zeigt Hohepriester

 

Die größte frei stehende Bronze-Guss-Skulptur in Deutschland, der Wolfram-Leuchter im Erfurter Mariendom, ist offenbar jüdischen Ursprungs. Der Religionswissenschaftler Jörg Rüpke will herausgefunden haben, dass die Figur aus dem 12. Jahrhundert nicht wie bislang angenommen einen Büßer darstellt, sondern den biblischen Hohepriester Aaron. Er beruft sich auf jüngste Erkenntnisse eines Wissenschaftlerteams am Erfurter Max-Weber-Kolleg. Danach habe es im Mittelalter – ebenfalls anders als angenommen – im jüdischen Alltag kein Bilderverbot gegeben. Handschriften des 13. Jahrhunderts belegten, dass die Figur als Tora-Halter in einer Synagoge diente. Die Körperhaltung wie die Maße der Figur passten exakt, um die jüdische Schriftrolle aufzunehmen. Auf Aaron deuteten Tierfiguren am Sockel der Figur hin. Vermutlich gelangte das romanische Kunstwerk nach den Judenverfolgungen von 1349 in den Mariendom.

 

Das hat mich denn doch ein wenig schockiert. „Mein“ „urdeutscher“ und christlicher Wolfram soll jüdischer Herkunft sein, ein jüdischer „Zwangs-Konvertit“ sozusagen oder gar „Raubgut“? Aus „Wolfram“ wird nun „Aaron“? Und so forderte auch bald die jüdische Landesgemeinde in Thüringen ihren „verlorenen Sohn“ zurück, sofern es so sein sollte, und das Bistum denkt über die Rückgabe nach – so wenigstens die die „Thüringer Allgemeine“ in verschiedenen Artikeln.

 

Nicht dass ich antijudaistisch eingestellt wäre. Im Gegenteil. In meiner Zeit als Lehrerfortbildner im Rheinland hatte ich viele freundliche Kontakte mit Vertretern und Gemeinden des Judentums. Es war mir ein wichtiges Anliegen, meinen Religionslehrerinnen die jüdische Religion nahe zu bringen.

 

Eine neue Sicht auf Wolfram?

 

Es war klar, ich musste der Sache nachgehen. Begründet wird die Rückverwandlung von Wolfram in Aaron in einer Abhandlung, die in der „Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte“ 68,2, S. 97-118 (2016) veröffentlicht wurde. Verfasser/Titel: Julie Casteigt, Diethmar Mieth, Jörg Rüpke, Der Träger der Erfurter Riesentorarolle. Eine religionsgeschichtliche Hypothese zu einem übersehenen Judaicum.

 

Schon im Titel ist enthalten, dass es sich um eine wissenschaftliche „Hypothese“ handelt, die der Forschungsgemeinde zur Diskussion gestellt wird, also nicht um „harte“ Fakten.

 

Sicher: hier liegt nicht nur ein wissenschaftliches, sondern auch ein „öffentliches“ Interesse am Ergebnis vor. Aber was die Presse meist aus dem Fall gemacht hat, zeugt nicht gerade von sorgfältiger Recherche. Offenbar war das Interesse an einer "Sensationsmeldung" größer als an zurückhaltender und kritischer Berichterstattung. Prof. Rüpke hat allerdings dazu beigetragen, indem er mit seiner These schon vor dem Druck des Artikels an die Öffentlichkeit gegangen ist. So ließ sich etwas beobachten, was im Kulturbereich eher selten ist: unkritische "Wissenschaftsgläubigkeit". Aber das nur nebenbei.

 

Das Autorenteam unter Leitung des Erfurter Professors für vergleichende Religionswissenschaften Jörg  Rüpke – Experte für die antike römische Religion – geht in seiner Untersuchung von einer Bildkomposition in einer hebräischen Handschrift aus, die auf 1294/95 datiert wird, heute in der Nationalbibliothek in Paris liegt und wohl im Erfurter Raum entstanden ist. Das nicht kolorierte Bild – das ich aus technischen Gründen nicht wiedergeben kann - zeigt auf der rechten Seite eine ungefügig zweidimensional gezeichnete Gestalt, die sich einer großen Menora auf der linken Seite zuwendet, also dem siebenarmigen Leuchter, der im Jerusalemer Tempel stand. Die Gestalt trägt eine Kappe, das Gesicht läuft in  einen spitzen Bart aus, schwach erkennbar ist wohl auch ein Brustschild, ein langes Gewand mit Gürtel bedeckt den Körper…Rechts hebt die Figur eine Schüssel (Öl gefüllt?) empor, die Linke, nach unten gerichtet, trägt er eine Räucherpfanne. Ohne Zweifel soll die Gestalt Aaron, den Bruder Moses, als Hohepriester darstellen. Er ist dabei, im Opferdienst, die Lampen der Menora anzuzünden und Räucherwerk auf  dem Rauchopferaltar zu verbrennen (2. Mose 30,7). Aaron wird von einem großen von Symboltieren gebildeten Bogen umgeben, der von zwei Türmen flankiert wird – wohl eine Darstellung des Tempels nach damaliger Vorstellung und eine Anspielung auf ein Synagogenportal oder –bogen. Durch die ungefüge Zeichnung wird der Eindruck erweckt, dass Aaron die Arme ausbreitet – wie der Wolfram. Selbst wenn das so sein sollte, der Unterschied in der Armhaltung ist deutlich. Ausgebreitete Arme kommen übrigens in der mittelalterlichen Kunst öfters vor und haben unterschiedliche Bedeutung. So könnte man auch den „Pantokrator“ mit seinen erhobenen Händen im romanischen  Stuckretabel des Doms mit  der Wolframfigur parallelisieren.

Ein christliches Aaronbild: Schedelsche Weltchronik (1493) - Aaron als Hohepriester vor dem Zeltheiligtum und seiner Ausstattung. Links die Menora. Aaron erhebt die Hände zum "aaronitischen Segen"

Erfurter Dom: romanisches Marien-Stuckretabel. Darüber Christus als "Pantokrator" (Bild: wikimedia commons. Autor: James Steakley)

Die Autoren anerkennen die Unterschiede zur Wolfram-Figur, sehen aber dennoch Parallelen, die ich in dieser Weise nicht mit vollziehen kann. Für mich beschränken sich die Ähnlichkeiten in der Haltung und im „Outfit“ der beiden auf zeitgeschichtliche oder zufällige Umstände.

 

Die Verfasser unterstellen wohl, dass die Zeichnung der Handschrift auf eine Aaron-Figur zurückgeht, die vor einer vermuteten Menora in der Synagoge von Erfurt aufgestellt war. Orthodoxe Juden lehnen übrigens die Aufstellung einer Menora in Synagogen ab, da dieses Kultsymbol dem zerstörten Tempel in Jerusalem und seiner Erneuerung bei der Ankunft des Messias vorbehalten sei. Die Autoren identifizieren nun die hypothetische Aaronstatue mit der Wolfram-Figur. Unter anderem dienen ihnen die Tierornamentik und Beschaffenheiten des Sockels als Beweis: „Die Figur auf dem Sockel wird somit als im Dienste der Menorah, als Aaron, gekennzeichnet.“ Das Fehlen des hohepriesterlichen Brustschildes an der Wolfram-Figur wird durch die Entfernung bei der Übernahme in die christliche Kirche nach dem Progrom und der Plünderung der Synagoge 1349 erklärt.

 

Überhaupt nicht zur Aaron-Vorstellung passen die hoch erhobenen Arme und die Kerzenleuchter der Wolframstatue. Diese Schwierigkeit beseitigen die Autoren dadurch, indem sie erklären, die Figur habe ursprünglich dazu gedient, die „Erfurter Riesentorarolle“ zu halten. Ihre Haltung repräsentiere die „Erhebung der Tora“ in der Synagogen-Liturgie. Außerdem habe sie als „Lesepult“ gedient. Die Kerzenhalter seien spätere christliche Zufügung und Umwidmung. Auch die Gürtelinschrift wird als spätere Eingravierung erklärt.

Rekonstruktion des Aaron-Wolfram als Torahalter (nach den Autoren des im Text genannten Aufsatzes)
Rekonstruktion des Aaron-Wolfram als Torahalter (nach den Autoren des im Text genannten Aufsatzes)

Dagegen ist zu sagen, dass die Verlesung der Tora und ihre Erhebung zweierlei Vorgänge sind. Ich kann mir schwer vorstellen, dass das feierliche und freudige Erheben der Tora nach der Lesung durch eine „tote“ Statue erfolgen soll. Ich frage mich auch, warum der „Hohepriester“ Aaron plötzlich als Toraträger fungiert, da er doch nach dem Ansatz der Autoren mit dem Dienst an der Menora verbunden ist. Normalerweise wird Mose mit der Tora verknüpft und auch dargestellt, deren Urheber er ja nach traditioneller jüdischer Auffassung ist. Dass dies ein Gegenargument sein könnte, wird auch von den Autoren eingeräumt. Sie wollen es mit der Erklärung entkräften, dass die selbstbewusste jüdische Gemeinde Erfurts in der damaligen Zeit ein „priesterliches“ Gegenbild zum christlichen „Hohepriester“, dem (Erz-)Bischof, schaffen wollte.

 

Das Bild von Marc Chagall zeigt Mose mit dem Gesetz (Tora) und Aaron mit einem Leuchter

Diese Argumetation scheint mir doch ziemlich widersprüchlich und konstruiert zu sein. Die Nachkommen Aarons, die „Kohanim“ (Priester) und priesterliches Wesen spielen bekanntlich in der jüdischen Gebetsfeier nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels nur noch eine marginale Rolle.

 

Insgesamt wollen die Autoren  ein „Reframing“ der Interpretation der Wolframstatue vornehmen, also eine neue Sichtweise eröffnen, indem sie sie in einen jüdischen Kontext stellen.

 

Ich will hier die ganze vielfältige Argumentationskette nicht nachzeichnen. Ich staune aber über die vielen, teilweise mir hergeholt und wenig verbunden erscheinenden Hypothesen. Sie sollen ein offenbar vorgefasstes Endergebnis stützen. Ich halte das methodisch für bedenklich.  

 

Mein Hauptargument gegen die Schluss- oder Anfangshypothese der Autoren ist aber ein anderes. Bekanntlich existiert im Judentum ein Bilderverbot. Dies wird teilweise im Mittelalter (und auch schon früher) umgangen. In Anlehnung an christliche Vorbilder werden jüdische Schriften mit Bildern versehen, auch mit Darstellungen von Menschen, obwohl die Gesichter hier oft unausgefüllt bleiben. Einige jüdische Autoritäten haben dies gebilligt, die ganz Orthodoxen haben das weiter abgelehnt. Aus meiner Kenntnis des Judentums scheint es mir aber undenkbar, dass in einer mittelalterlichen Synagoge das Bild eines Menschen aufgestellt wurde, sei es auch einer biblischen, für das Judentum zentralen Gestalt wie Mose oder Aaron. Dies und die Verehrung von „Heiligen“, die durch Abbilder repräsentiert werden, blieb Christen vorbehalten. Auch wenn das vielleicht einige „liberale“ Juden toleriert hätten – sofern es sie im Mittelalter gab -, für die meisten Gemeindeglieder wäre ein solches „Abbild“ ein harter „Stein des Anstoßes“, ja „Götzendienst“, gewesen. So ist mir auch nicht bekannt, dass irgendwo in einer alten Synagoge ein Bildnis wie das des Wolfram aufgestellt worden ist. Der Erfurter „Aaron“ wäre einmalig gewesen. Die Hypothese, dass eine vermutete Aaronfigur in der Erfurter Synagoge ein Beweis für eine Lockerung des Bilderverbotes in der damaligen Zeit sei (als Folge des kulturellen Austausches mit dem Christentum), erscheint mir abenteuerlich. Hier wird eine Hypothese durch eine andere „bewiesen“. Das ist logisch und methodisch unzulässig.

 

Es ist durchaus legitim und interessant, wenn die Autoren des Aufsatzes eine neue Sichtweise der Wolframfigur erproben, aber sie verändert die Situation nicht, wie es die Methode des „Reframing“ bezweckt. Das Geheimnis der Herkunft des Wolfram wird auf diese Weise nicht entschleiert. Mit einem anderen Bild: Die archäologischen Ausgrabungen am Fundort der Originalfigur fördern zwar Scherben aus ihrem zeitlichen Umfeld hervor, aber keine Funde, die mit ihr direkt in Verbindung stehen.

Es würde mich übrigens nicht stören, wenn „mein“ Wolfram eine jüdische Vergangenheit hätte, sofern sie plausibel begründet werden könnte. Christlicher Glaube hat allemal jüdische Wurzeln. Die Geschichte der Religionen zeigt viele produktive Übernahmen und Umwandlungen, auch in der religiösen Kunst, ohne dass man die Ursprungsverhältnisse wieder herstellen müsste. Man denke nur an die Hagia Sophia in Istanbul oder die Mezquita in Córdoba.. Geschichte lässt sich nicht umkehren, und die fast 600 Jahre nachgewiesene christliche Geschichte des Wolframleuchters verdient Respekt.

 

Eine andere Deutung des „Wolfram“

 

Warum nimmt man die Wolframfigur nicht als Ganzes so, wie sie ist und was sie bezeugt? Sollte man nicht zunächst versuchen, herauszufinden, ob sich auf diese Weise eine plausible Deutung ergibt? Ich meine, dass dies der angemessene Zugang zu einem historischen Kunstwerk ist.

 

Vom Material her ist es klar, dass das Werk nicht aus einem Guss ist; eine solche Figur und ihr "Zubehör" wird immer aus verschiedenen Teilen hergestellt. Ob diese Teile aus verschiedenen Zeiten stammen, wie die genannten und andere Autoren annehmen, ließe sich nur durch eine schwierige Materialprüfung belegen, die meines Wissens nicht erfolgt ist.

 

Tatsache ist allerdings, dass die Skulptur urkundlich erst 1425 im Erfurter Dom erwähnt wird, durch eine Kerzenspende. Damals stand sie im Chor und diente als Leuchter (mit einer dritten Kerze hinter dem Haupt) bei den abendlichen Stundengebeten der Domkleriker. Es lässt sich nicht beweisen, aber auch nicht widerlegen, dass die Wolframfigur nicht schon vorher zur Ausstattung des Doms gehörte. Warum sollen wir also nicht annehmen, dass sie nach dem Baubeginn der spätromanischen Basilika 1154 von einem begüterten Adligen namens Wolfram und seiner Gattin Hiltiburc als Leuchter für das abendliche Stundengebet gestiftet wurde?  Die „Kathedralvesper“, die den Tag des Domkapitels  abschloss, wurde ursprünglich mit dem „Lucernar“ eröffnet, dem feierlichen Anzünden von Kerzen, wobei Christus als Licht der Welt gepriesen wurde. Stiftungen dieser Art durch Adlige waren ja nicht selten und Wolfram wäre hier dem Vorbild seines Namenspatrons gefolgt. Er hätte damit nach damaliger Auffassung seinem und dem „Seelenheil“ seiner Familien großen Nutzen erwiesen, zumal die Vesper mit einem „Fürbittengebet“ verbunden war, in dem seiner gedacht werden konnte.

 

Ob die Statue nun – entsprechend der liturgischen Verbindung mit dem „Lucernar“ – den irdischen Jesus, den „Zimmermannssohn“ (nicht den himmlischen Christus) als „Lichtbringer“ darstellen sollte, ist nicht auszuschließen; als „Gegengewicht“ zur romanischen Madonna mit dem Christus als „Pantokrator“ über ihr, hätte das eine denkbare Absicht hätte sein können. Dagegen spricht aber die marianische Anrufung auf dem Gürtel und das „zivile“ Erscheinungsbild der Gestalt.

 

Ich denke, dass der „Wolfram“ den „Normalchristen“ repräsentiert, der das Licht Christi aufnimmt, in die Welt trägt und dabei – nach mittelalterlicher Auffassung – zum Gelingen seines Werkes der Fürsprache der „Gottesmutter“ und der „Gnade Gottes“ bedarf.

 

Also lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.( Matthäus 5,16)

„Denn ihr wart einst Finsternis; jetzt aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts!“ (Epheser 5, 8)

 

Damit hat die Figur auch wegweisenden Charakter, "Vorbild"-Funktion für den Kirchenbesucher. Dies vertritt Luise Schendel in ihrer Arbeit: Ein Licht in der Dunkelheit. Der Erfurter "Wolfram-Leuchter" als Sinnbild mittelalterlichen Glaubens (2008 - www.grin.com). Die Autorin kontrastiert den Leuchter-Untersatz mit seinen Glaubens abgewandten, dämonischen Figuren - Drachen, Affe, Katzen, keulenschwingender nackter "wilder Mann" - mit der Glaubens- und Licht-Gestalt des "Wolfram". Die Gesamtfunktion des Verbundes wäre also,  den Betrachter aufzurufen, sich vom Widergöttlich-Dämonischen, der gottfernen "Dunkelheit", abzuwenden und sich dem "göttlichen Licht", dem von ihm "erleuchteten" Glauben, zuzuwenden. Das wird durch den Zinnen-Kranz über dem "heidnischen" Fundament unterstrichen, auf dem sich der Wolfram erhebt. Die Zinnen könnten auf das "himmlische Jerusalem" - als Endziel des christlichen Weges -  hindeuten, das im Mittelalter Burg ähnlich dargestellt wurde.

 

Dies alles für die "Kapitelherren", aber auch für den "normalen" Beter darzustellen, könnte die Absicht des Stifters und der beteiligten Handwerker gewesen sein, die keine Geistlichen, aber mit der kirchlichen Frömmigkeit verbunden waren. Dass der Wolfram für den Gläubigen steht, der nicht dem "geistlichen" Stande zugehörig war, darauf kann auch das leere Futteral an der Seite der Figur hinweisen. Der  Betrachter  mag es mit allerlei Werkzeugen und Attributen (Messer, Schreibutensilien...)  aus dem Alltag der „weltlichen“ Stände gefüllt haben. Der Wolfram würde so im Domchor gegenüber den Geistlichen die „Laien“ aus dem Handwerker- und Kaufmannstand, den Patriziern und dem (Ministerial-)Adel repräsentieren. Gegenüber dem fernen Erzbischof von Mainz als Oberherren gewann in den damaligen Zeiten der niedere Ministerialadel zunehmend Einfluss in Erfurt, es bildete sich aber auch ein „Bürgertum“. So könnte die Stiftung der Wolfram-Figur Ausdruck des Selbstbewußtseins dieser Stände gewesen sein.

Stadkirche Freudenstadt: Die vier Evangelisten stützen einen Lesepult (12. Jahrhundert, Holz - Quelle: carpetmoss.wordpress.com))
Stadkirche Freudenstadt: Die vier Evangelisten stützen einen Lesepult (12. Jahrhundert, Holz - Quelle: carpetmoss.wordpress.com))

Dass das Erscheinungsbild des Wolfram nicht ungewöhnlich für einen Vornehmen der damaligen Zeit war, zeigen zeitgenössische Gestaltungen. Aus meinem schwäbischen Tätigkeitsfeld fielen mir die Figuren an einem romanischen Lesepult in der Stadtkirche in Freudenstadt ein. (Auch Schendel weist auf diese Figurengruppe hin.) Sie stellen die vier Evangelisten dar, die sicherlich in einer "Tracht" ihrer Entstehungszeit auftreten. Sie tragen wie der Wolfram lange faltige Gewänder, sind allerdings entsprechend ihrer Bedeutung viel "feierlicher" gekleidet als er. Zudem haben sie lange Haare und sind barfuß ( Wolfram hat Schuhe an). Im Vergleich zu ihnen wirkt die Erfurter Figur "alltäglicher", was sie der hier vorgetragenen Deutung nach auch sein soll. 

In meiner spanischen Wahlheimat  denke ich an die Gestalt einer Figurengruppe, die sich im Kloster Sant Joan de les Abadesses in Katalonien befindet. Das Werk ist ungefähr zur selben Zeit wie der Wolfram entstanden. Das hölzerne Figurenensemble – genannt „Santissim Misteri“ („Das allerheiligste Geheimnis“) – zeigt die Kreuzigung Jesu, genauer die Kreuzabnahme. Rechts vom Gekreuzigten steht der „reiche“ und „angesehene Ratsherr“ Joseph von Arimathäa (Mk. 15,43-46; Mt.27,57-60; Lk.23,50-54; Joh.19,38-42), schon in der Haltung der Kreuzabnahme, die er später vornimmt. Ich meine, dass er im Erscheinungsbild, nicht in der Geste, dem „Wolfram“ ähnelt, wobei aber beide auf ihre Weise eine Form des bekennenden und „tätigen“ Christen darstellen. Der Josef  im „Santissim Misteri“ ist als der in praktischen Liebeswerken aktive und sich darin zu Jesus bekennende Christ gekennzeichnet. Der „Wolfram“ in Erfurt vertritt eher den „besinnlichen“ Typ, der sich der spirituellen Schau und Erkenntnis widmet und sie weiter gibt, wie seine Zeitgenossin Hildegard von Bingen (In der katalanischen Kreuzigungsszene vertritt diesen Typ –  mystischer als der Wolfram geprägt – die Johannesfigur.)  

 

Die Kreuzigungsgruppe "Santissim Misteri" im Kloster Sant Joan de les Abadesses. In der Bildansicht von links nach rechts: Mitgekreuzigter, Maria, Josef von Arimathäa, Jesus, Nikodemus, Johannes, Mitgekreuzigter (Bild: wikipedia org . Autor: PMR Maeyaert)
Die Kreuzigungsgruppe "Santissim Misteri" im Kloster Sant Joan de les Abadesses. In der Bildansicht von links nach rechts: Mitgekreuzigter, Maria, Josef von Arimathäa, Jesus, Nikodemus, Johannes, Mitgekreuzigter (Bild: wikipedia org . Autor: PMR Maeyaert)
Detail aus der Figurengruppe: Josef von Arimathäa umfasst Jesus
Detail aus der Figurengruppe: Josef von Arimathäa umfasst Jesus

 

Also, Bruder Wolfram in Erfurt, so gesehen, bleibst Du „mein“ Wolfram aus fernen Zeiten, und so hast Du mir und anderen doch manches zu sagen!

 

Doppelgänger des Wolfram in Spanien?

Clint Eastwood ("El Bueno") mit spanischer Wolfram-Kopie (Bildquelle:  www.uni-erfurt.de / Max-Weberkolleg, Vortrag Nobert Schmid, Was hat Clint Eastwood mit dem Erfurter Wolfram-Leuchter zu tun?)
Clint Eastwood ("El Bueno") mit spanischer Wolfram-Kopie (Bildquelle: www.uni-erfurt.de / Max-Weberkolleg, Vortrag Nobert Schmid, Was hat Clint Eastwood mit dem Erfurter Wolfram-Leuchter zu tun?)

Doch was hat es mit den im Titel versprochenen Doppelgängern des „Candelabro Wolfram – so seine spanische Bezeichnung – auf sich? Das ist eine etwas skurrile Geschichte. Auf sie hat der Kunsthistoriker und Restaurator Norbert Schmidt in Vorträgen und einem Aufsatz in der von den „Amigos del Románico“ heraus gegebenen Revista Románico Nr.5 hingewiesen. Dieser Artikel geht auf die Magisterschrift des Autors „Der Wolframleuchter in Erfurt…“ zurück (Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde in Erfurt, Bd.63 (2002), S.65-86).

 

Schmidt entdeckte in dem Italo-Western „El bueno, el Feo y el Malo“ (Der Gute/der Hässliche/der Böse“ - 1966) Szenen, in denen eine etwas ruinöse und offenbar auch „hispanisierte“ Wolfram-Figur erscheint.

 

Dieser Kult-Western von Sergio Leone – berühmt ist das Schluss-Duell der Protagonisten auf dem zentralen Rund eines Friedhofes – wurde statt in Mexiko in Spanien gedreht, in der Sierra de la Demanda bei Burgos. (Heute kann man „zu Fuss, mit Fahrrad, auf dem Pferd, mit dem Auto“ die „Ruta de el Bueno, el Feo y el Malo“ absolvieren.) Die Handlung spielt in der Zeit des amerikanischen Sezessionskrieges. Drei sehr verschiedene „Desperados“ machen sich auf die Suche nach einem Geldschatz. Die Szene, die das Bild oben zeigt, spielt sich in der „Misión de San Antonio“ des Films ab, einem von Franziskanern geführten Militärhospital. Rubio („El Bueno“ – Clint Eastwood) und Tuco („El Feo“ – Eli Wallach) kommen dorthin, um die  Verbrennungen Rubios zu kurieren, die er in der „Wüste“ erhalten hat. Die Innenaufnahmen zu diesem Lazarett wurden in den Ruinen des Klosters San Pedro de Arlanza gedreht, einem historisch bedeutsamen, aber längst verlassenen Kloster.

 

Wie kommt der Wolfram dorthin? Schmidt hat den Ausstatter des Films befragt. Der sagte, dass man ihn nicht eigens für den Film verfertigt, sondern ihn vorgefunden habe. Offensichtlich stand er in einer Rumpelkammer. Heute ist diese wohl aus Gips gefertigte Wolframfigur spurlos verschwunden. Man kann nur mutmaßen, wie er in das Kloster gekommen ist. Vielleicht hat einer der Benediktinermönche das Duplikat von einer Deutschland-Reise mitgebracht, sicher nicht in alten Zeiten, sondern in der jüngeren Vergangenheit. (Das Kloster wurde 1835 aufgehoben.)

 

                                        Die Wolfram-Kopie in der Rumpelkammer ( Bildquelle: www.amigosdelromanico.org)
Die Wolfram-Kopie in der Rumpelkammer ( Bildquelle: www.amigosdelromanico.org)

Der zweite Doppelgänger taucht auch in einem Film auf, und zwar in einem katholisch-frommen Film: "Isidro el Labrador" („Isidro, der Landwirt“ -  1964), der das Leben des populären Bauernheiligen und Patron Madrids, San Isidro (11. Jh.), schildert. Ein Mädchen,  schreitet eine Treppe in einem klosterähnlichen Gebäude hinab, an einer Wolfram-Nachbildung vorbei, die schon vorher im Hintergrund auftaucht. Der Heilige hatte die Tochter eines Adligen auf dem Sterbebett dem Tode entrissen. Auch hier wie in dem Western ist die Wolfram-Nachbildung ein symbolhaftes Requisit. Dieser Wolfram scheint aus stabilerem Material und authentischer gestaltet zu sein als die „Arlanza-Figur“. Er besitzt noch die „alte“ Form mit drei Kerzen!

 

Die Szene spielt in Räumen der „Eglesia Románica“ vor dem Freilichtmuseum „Pueblo Espanol“ in Barcelona, das als „Kunstkloster“ anlässlich der Weltausstellung 1928 auf dem Montjuic erbaut wurde. Auch dieser „Wiedergänger“ des Erfurter Wolfram ist wohl verschwunden und man weiß nichts Näheres über ihn. Möglicherweise ist er von den Romanik begeisterten Initiatoren des Klostersbaus (unter ihnen der Architekt Puig i Cadafalch) aufgestellt worden.

(Über die beiden spanischen Doppelgänger existiert eine Diskussion in der Website der Amics del Románico: candelabro perdido de Arlanza, www.amigosdelromanico.org.)

Das vom Todesbett auferstandene Mädchen schreitet an einem Wolfram-Leuchter vorbei (Bildquelle: wie oben)
Das vom Todesbett auferstandene Mädchen schreitet an einem Wolfram-Leuchter vorbei (Bildquelle: wie oben)

Man sieht, der Wolfram aus Erfurt hat auch Freunde in Spanien. Wer weiß, wo er sich hierzulande sonst noch verborgen aufhält.

A ver…

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0