La Sagrada Família – Das große Bauwerk Gaudís entschlüsselt

Im Osten blüht, mystisches Exempel

Wie eine gigantische Blume ein Tempel auf

Und wundert sich, dass er hier erstanden

Inmitten von Menschen, so missmutig und böse,

Die ihn verlachen, (Gott) lästern, sich zerstreiten, in den Wind blasen

Alles Menschliche und Göttliche.

Dennoch – inmitten des Elends, der Wut und des Qualms

Erhebt sich und gedeiht der Tempel (so kostbar!)

Erwartend die kommenden Gläubigen.

 

So feiert der katalanische Dichter Joan Maragall im Jahre 1909 in seiner „Neuen Ode an Barcelona“ die entstehende Kirche. Vier Jahre vorher hatte der Freund und Verehrer Gaudís geschrieben: hier passieren wunderbare Dinge, im Umkreis jener wundervollen Steine ist eine neue Welt im Entstehen, die Welt des Friedens. ( A la „Sagrada Familia“).

 

Durch Anklicken können die Bilder vergrößert werden und es erscheint eine Beschriftung

Es war eine unruhige Zeit für Spanien als Maragall diese Zeilen schrieb. Durch  Industrialisierung und Handel mit den Kolonien war eine bürgerliche Schicht wohlhabend geworden. Ihr stand ein breites verarmtes Proletariat gegenüber, in dem sozialistische und anarchistische Ideen Eingang fanden. 1909 kam es in Barcelona anlässlich der Rekrutenaushebung zur Niederschlagung einer Erhebung in Marokko zum Arbeiteraufstand, der blutig unterdrückt wurde, die „Setmana Tràgica“, die „Tragische Woche“. Der Bau der Sagrada Família war zu dieser Zeit noch nicht sehr weit fortgeschritten, dem Blick präsentierte sich eine Bauruine auf freiem Feld, ohne Türme, mit Wänden, die gerade hoch gezogen wurden. Fertig war nur die Krypta, in der auch schon Gottesdienste abgehalten wurden.

  Ein Besuch der Sagrada Família als „Kulturspaziergang“

Heute ragt die Sagrada Família als gigantisches zum Himmel strebendes Bauwerk im dicht bebauten Stadtteil Eixample unübersehbar auf. Ca. 70 % sind fertig gestellt, wenn auch noch riesige Kräne und Baugerüste das Bild der „ewigen Baustelle Gottes“ bestimmen. Steigt man aus der Metro-Station am Carrer Marina aus, so mischt man sich in Hunderte von Besuchern aus aller Welt, die staunend das Wunderwerk betrachten. Um und in der Kirche herrscht zu den Besuchszeiten ständiges Gedränge und „babylonische Sprachengewirr“. Der Wunsch der Gründer, Gaudís und Maragalls eine Oase des Friedens und der spirituellen Erneuerung zu schaffen, scheint (vorerst?) nicht in Erfüllung gegangen zu sein. Zwar gibt es im Inneren der Kirche Ruhezonen für deren Einhaltung Ordner sorgen müssen, und hin und wieder finden im großen Kirchenraum auch Gottesdienste statt, seitdem Papst Benedikt XVI. den Altar geweiht hat. Aber um daran teilnehmen zu können, muss man sich bewerben und eine Einladung erhalten.

 

Trotzdem: man kann sich der Faszination, die das Bauwerk ausübt, kaum entziehen. So hatten auch wir Kulturspaziergänger am 12. 05. 2016 einen Besuch geplant. Die meisten von uns hatten die Sagrada Família schon in früheren Jahren erlebt, aber nun, nachdem der Innenraum überdacht und weitgehend vollendet ist, wollten wir die Fortschritte in Augenschein nehmen. Gegen Mittag stiegen wir aus der Metro aus. Zu dieser Zeit sind die meisten Busse mit Touristen schon wieder abgefahren und der Strom der Besucher hat sich vermindert. Wir nehmen Abstand von der belebten Straße und begeben uns in die dahinter liegende Parkanlage. Von dort aus hat man einen Gesamtblick auf die „Geburtsfassade“ mit ihren vier Aposteltürmen.

Der 26-jährige Gaudí
Der 26-jährige Gaudí

Die Anfänge des Baues

Hier war auch die Gelegenheit, von den Anfängen des Baus zu erzählen. 1883 hatte der 31-jährige Antoni Gaudí (1852-1926) die Bauleitung übernommen, ein Jahr nach der Grundsteinlegung. Er änderte die Planung, die eine konventionelle neoromanisch/-gotische Kirche vorsah, grundlegend. Der Bau war von einem katholisch-konservativen Verein bürgerlicher Intellektueller ausgegangen, der „Associación Espiritual de Devotos de Sant José“ („Geistlicher Verein der Verehrer des Heiligen Josef“), dessen Gründer ein frommer Buchhändler war. Man wollte - nur mit Spenden finanziert - einen „Sühnetempel“ zu Ehren der „Heiligen Familie“ errichten („Temple Expiatori de la Sagrada Família“). Gesühnt werden sollten die „Sünden“ der Moderne. Zu dieser Zeit kämpfte die katholische Kirche gegen Atheismus und Sozialismus. Man strebte eine Erneuerung der traditionellen katholischen Frömmigkeit an und wollte den Sozialismus durch eine paternalistisch-karitative Sozialethik überwinden Das Gelände, das man für den Kirchenbau erworben hatte, lag am Rande der Stadt. Unweit davon waren auf Neubaugebiet große Mietshäuser entstanden, in denen Arbeiter und Handwerker mit ihren Familien ein beengtes und elendes Dasein fristeten. Für sie war die Kirche ursprünglich gedacht, man plante eine „Kirche der Armen“, so wie das unweit davon - auch im katalanischen Jugendstil („Modernisme“) errichtete – neue Hospital Santa Creu i Pau die medizinisch nicht versorgten Proletarier aufnehmen sollte. Durch das Gemeinde- und Glaubensleben in der Sagrada Família wollte man der Entfremdung von der Kirche und der sozialen Entwurzelung entgegen wirken. Auch dass man die Kirche unter das Patronat des „obrer“ (Arbeiter) Josef und seiner Familie stellte, zielte darauf, die Arbeiter anzusprechen. Die oftmals zerrütteten Familienverhältnisse der Proletarier sollten durch die Anschauung der „Heiligen Familie“ und die Hineinnahme in die große heilige Familie der katholischen Kirche mit ihren Riten und Traditionen geheilt werden.

 

Ohne Zweifel hat der aus einer Handwerkerfamilie stammende und im Laufe seines Lebens immer frommer werdende Katholik Gaudí dieses religiöse und soziale Modell mitgetragen und in der Architektur der Sagrada Família umgesetzt, allerdings in sehr freier Weise. Es ist schon eine Ironie: eine Kirche, die gegen den Zeitgeist des „Modernismus“ geplant war, wurde im „modernistischen“ Stil errichtet! In umfassenderer Weise hat Gaudí übrigens seine soziale Gesinnung in der Errichtung der Arbeitersiedlung Colònia Güell in Santa Coloma de Cervelló umgesetzt, wo er in der Krypta Vorerfahrungen zur Sagrada Família sammelte.

 

Rückblickend mag man allerdings fragen, ob die Hoffnung, die Arbeiterschaft in eine konservative Kirche zu integrieren, die doch meist auf Seiten der Besitzenden und Mächtigen stand, nicht schon zu Lebzeiten Gaudís illusorisch war. Dies wurde spätestens im spanischen Bürgerkrieg deutlich, als revolutionäre Anarchisten in die Sagrada Família eindrangen, einen Geistlichen ermordeten, sie in Brand setzten und die Skizzen und Modelle Gaudís vernichteten.

 

Blick in die Werkstatt im Museum
Blick in die Werkstatt im Museum

Der Bau wird wird weitergeführt – mühsame Rekonstruktionen

 

Die Modelle hat man mühsam wieder rekonstruiert. Gaudí hatte dem Bau mathematische Proportionen, geometrische Regelmäßigkeiten, Naturformen und Elemente traditioneller Bauweisen zugrunde gelegt. Aus diesen ließen sich Schlüsse für den Weiterbau ziehen. Heute arbeitet ein Team von Architekten und Mitarbeitern mit Computersimulationen. Gaudí war sich darüber im klaren, dass sein großes Werk nicht zu seinen Lebzeiten vollendet werden konnte. Auf die Frage nach der Dauer soll er geantwortet haben: Mein Kunde hat keine Eile. Damit meinte er nicht nur die Auftraggeber, sondern auch Gott. Offenbar verstand er sich als „Baumeister Gottes“, dessen schöpferisches Werk er in seinem Bau nachahmen wollte. So sieht der Architekt auch die göttliche Vorsehung bei dem Vorhaben am Werke: A la Sagrada Família tot és  providencial. Geradezu seherisch fügt er hinzu: Es werden Menschen aus aller Welt kommen, um zu sehen, was wir machen – und bekräftigt seine Überzeugung: Es ist ein Werk, das in den Händen Gottes und im Willen des Volkes liegt. Tatsächlich wird der Bau immer noch von „Spenden“ – sprich Eintrittsgeldern - des herbeiströmenden „Volkes“ finanziert. Ob der Besucher will oder nicht, der Besucher wird am „Sühnezweck“ der Kirche beteiligt.

 

Man hat die Weiterführung des Baus mit der Einwendung kritisiert, es sei nicht mehr der authentische Gaudí, der in neuen Techniken und Gestaltungen zum Ausdruck komme. Dem steht die Äußerung Gaudís entgegen, dass das Werk zu seiner Zeit zwar Ausdruck des gegenwärtigen Kataloniens sein werde, aber: Ein Werk wie dieses muss Tochter einer langen Epoche sein. Man muss immer den Geist des Monuments bewahren, aber sein Leben soll von den Generationen abhängen, die es fortführen und mit denen es lebt und sich inkarniert.

 

Die Geburtsfassade (Quelle: wikimedia commons- Autor: Kyle Taylor 2009)
Die Geburtsfassade (Quelle: wikimedia commons- Autor: Kyle Taylor 2009)

Ein Blick auf den Bau aus der Ferne – Die Geburtsfassade 

 

Wir betrachten die Geburtsfassade aus der Ferne. Sie ist annähernd gen Osten, dem Sonnenaufgang, ausgerichtet. (Ganz genau konnte Gaudí die Fassaden nicht wie gewünscht  ausrichten, da die Krypta, die er übernommen hatte, die Lage vorbestimmte.)  Das ist die Fassade, die im wesentlichen noch zu Zeiten Gaudís fertig gestellt wurde. Sie zeigt damit seinen eigenen Stil und atmet seinen Geist, obwohl auch hier gilt: Wir haben eine Fassade des Tempels kompletiert, aber ihre Wichtigkeit macht es unmöglich, die Fortsetzung des Werks zu unterlassen.

 

Wir nehmen die Turm bekrönte Mittelfassade in den Blick. Wir sehen im unteren Bereich drei grottenförmige Einwölbungen aus dem Boden wachsen, die oben  wie gotische Fenster im spitzen Winkel zusammenlaufen. Sie wirken aber auch wie Kapellen. In ihrem Grund erkennen wir drei Tore. Der mittlere Spitzbogen ist der breiteste und höchste. In ihm liegt ein Doppelportal, offensichtlich der Haupteingang. Drei Tore erinnern auch an das „Himmlische Jerusalem“ der Apokalypse des Johannes, das in seinen Mauern jeweils drei Tore hat (Kap. 21,13) Wir haben uns vorbereitet und so wissen wir: diese Portale sind den drei christlichen Haupttugenden gewidmet: Hoffnung, Liebe (Barmherzigkeit) und Glaube – hier in dieser nicht von dem Apostel Paulus genannten Reihenfolge. Wir nehmen wahr, die Umfassungen und Innenbereiche der Wölbungen sind vielfältig gestaltet mit naturhaft und vegetabilisch wirkenden Formen, teilweise erinnern die Grotten an Tropfsteinhöhlen. Wir erkennen Figuren in Vertiefungen und an den Seitenwänden der Portale. Es ist uns bekannt, dass hier an der Nordostfront der Anfang des Weges Jesu, Szenen aus seiner Kindheit dargestellt sind. Unser Blick gleitet die mittlere Portalgrotte hinauf. Sie läuft in ein grünes baumartiges Gebilde aus, dessen Spitze mit einem blutroten T-Kreuz besetzt ist: es stellt eine Zeder dar, die den „Lebens- oder Paradiesbaum“ symbolisiert. Auf der Zeder flattern Vögel empor, die wir später als Tauben identifizieren, Auch auf dem mit einem golden schimmernden X umwundene Kreuz erhebt sich eine Taube. Unter dem Baum sitzt in einer Längsaussparung ein weiterer Vogel mit ausgebreiteten Flügeln – wie wir aus Bildern wissen, vor seinen Jungen und einem goldenen Ei. Es ist ein Pelikan, Symbol für Christus und die Eucharistie. Unter dem Pelikan erkennt der Kundige das Anagramm Christi: JHS – Jesus Hominum Salvator, Jesus Retter der Menschen. Das ganze Arrangement weist auf die Dreieinigkeit Gottes und ihr Erlösungswirken hin, T= griech. Theos (Gott), die Taube auf dem Kreuz: der Heilige Geist, das X= Christos. Die Tauben an der Zeder bedeuten Seelen, die zum Paradies aufsteigen. Nach dem Willen von Gaudí sollte die ganze Bilderfront – wie ursprünglich bei gotischen Kirchen - farbig sein, das unterblieb aber. So ist alles in Erdfarbe getaucht – wie die Türme. Das Material der Fassade ist Sandstein aus dem Montjuic.

 

Die architektonische Gestaltung der Türme

 

Über den Portalbögen erheben sich vier, offensichtlich aus Ziegeln errichtete, schlanke Türme Sie erinnern an Türme gotischer Kirchen, unterscheiden sich aber von diesen durch ihre Gestaltung ohne (Seiten-)Fialen (Aufsätze) und eine nach oben hin parabolisch zulaufende Verjüngung. In ihrer Mitte öffnen sich in ansteigender Anordnung jeweils drei lang gezogene Öffnungen. Ihre Anordnung wird durch eine die mittleren Türme verbindende gebogene Brücke harmonisch abgeschlossen Die vertikalen Linien der Öffnungen werden durch treppenartige Luken nach oben hin fortgesetzt. Alles unterstreicht die himmelwärts strebende Bewegung der Türme. Die Längsspalten und wohl auch die Luken sind nicht nur zur Verzierung da, sie haben eine Funktion. Sie dienen als Schallöffnungen für die Glocken. Diese sind aber nicht in der herkömmlichen Form zu denken. Wie wir später im Museum sahen, hat Gaudí sie als lange Röhren konzipiert, die frei schwingend in dem spiralförmigen Treppengehäuse der Türme aufgehängt werden. Ihr Ton sollte nach innen und außen geleitet werden, um die Gläubigen zur Andacht und zum Gottesdienst zu rufen. Die Türme laufen in Verlängerungen aus, die offensichtlich mit anderen Materialien farbig gestaltet sind. Die Spitzen sind mit roten, von weißen Kugeln umgebenen, Scheiben besetzt. In ihrem Inneren strahlt ein goldenes Kreuz, wodurch das Gebilde wappenähnlich wirkt. Die Scheiben wirken in der Sonne wie von innen heraus beleuchtet, was wohl mit den Trencadís  (Scherben aus Keramik und Glas) zusammenhängt, die Scheiben und Turmspitzen bedecken. Auch die Turmspitzen bilden eine harmonische Bogenlinie, die mit der im mittleren Bereich gebildeten Bogenschwingung korrespondiert. Das Zusammenspiel der Formen der Front ist schon beeindruckend.

 

Die Symbolik der Türme - Gleichnis der „Heilsvermittler“

 

Doch hier waltet nicht nur architektonische Gestaltung, sondern auch spiritueller Ausdruck. Das „Fundament“ der Fassade bilden die drei „Kapellen“. Sie erinnern an die irdische „Dreieinigkeit“ der „Heiligen Familie“ Josef, Maria und Jesus. Auf ihnen baut der Erlösungsweg der Gläubigen auf, der in der Zeder gipfelt. Darüber erheben sich die vier Türme. Wie Namen und Figuren an den Türmen bezeugen, sind sie den Aposteln, aber auch ihren Nachfolgern – so die katholische Tradition - den Bischöfen, geweiht. Vier ist die Zahl der Ganzheit, die Erde und Himmel verbindet. Apostel und Bischöfe, die Lenker der Kirche, weisen den Weg zum Himmel. Dies verdeutlichen auch Inschriften auf den Türmen wie „Sanctus“, „Hosanna“ u.a. Diese Worte sind der Messliturgie entnommen, die ja das Zentrum des katholischen Glaubenslebens bildet und in deren Verlauf Himmel und Erde, Gott und Mensch zusammenfinden.

 

Die Symbolik der Türme ist nicht leicht zu deuten: vielleicht stellen die Turmkörper den Bischofsstab dar – man könnte aber auch an das Bischofsgewand denken - die oberen Verläufe die Mitra (Bischofsmütze) und die Scheibe den Bischofsring. (Die umkränzte Scheibe könnte aber auch sowohl Mitra wie Ring figurieren und der Aufsatz darunter den Stab.)  Der linke Turm, den Gaudí noch erlebt hat, ist Barnabas gewidmet, keiner der „offiziellen“ Apostel, aber mit Paulus von Gott berufen und ausgesandt. Heute stehen acht Aposteltürme, jeweils vier an der Geburts- und an der westlichen Passionsfassade. Doch auch die südliche, die „Glorienfassade“ soll vier Türme erhalten – mit Petrus und Paulus als den höchsten Apostelturminhabern - sodass sich die Gesamtzahl der Aposteltürme auf zwölf beläuft. Innerhalb der „Apostelversammlung“ sollen die Türme der vier Evangelisten entstehen. Sie werden etwas höher als die Aposteltürme sein. Alle aber wird der im Zentrum  über der Vierung stehende massige Christus-Turm mit End-Kreuz überragen. Er soll einmal mit 172 m Höhe der höchste Kirchturm der Welt werden.  Vor diesem – über der Apsis – wird sich der ebenfalls umfängliche Marien-Turm erheben. Er wird die gleiche Höhe wie die Evangelistentürme erhalten. Beide Türme sind im Bau. Wenn die architektonische Gesamtheit der Kirche – wie geplant 2026 – vollendet ist, wird der Betrachter also ein ganzes nach Rang und Würde abgestuftes „Konzil“ der Heilsvermittler auf dem Bau erblicken – so wie es die katholische Kirche lehrt. Übrigens wird die „Gipfelhöhe“ der Sagrada Família etwas unter der der umliegenden Berge bleiben; das menschliche Werk soll nicht Gottes Schöpfung überflügeln wollen – „demütiger“ Gigantismus!

 

Schon jetzt zieht der Bau den Blick, der über Barcelona schweift, von überall her an, von den Bergen, von der See, von der Dachterrasse eines hohen Gebäudes wie dem Palau Güell. Zusammen mit dem Torre Agbar - dem von der „Wassergesellschaft“ errichteten Turm, der mit seiner paraboloiden Form und farbig-schillernden Haut in deutlicher Entsprechung mit den Türmen der Sagrada Família steht – bildet die Kirche einen Zentralpunkt des Stadtbildes.

 

Die Absicht ist klar: inmitten der säkularen Stadt weist ein Mahnmal des christlichen Glauben nach oben.

 

Fixpunkte des Blicks: Torre Agbar und Sagrada Família - Blick über Barcelona vom Tibidabo
Fixpunkte des Blicks: Torre Agbar und Sagrada Família - Blick über Barcelona vom Tibidabo

So wundert es nicht, dass es Kreise gibt, die die Seligsprechung des asketisch-zölibatär lebenden, katholisch-frommen Architektur-Heros Gaudí betreiben. Wie es heißt, soll der Prozess in Rom „auf gutem Wege“ sein. In den letzten zwölf Jahren seines Lebens opferte er alles seinem Werk der Glorie Gottes und der Kirche auf - bei Flauten in der Kasse, soll er sogar Passanten auf der Straße um Spenden angegangen sein. Er arbeitete nur noch an dem Bau und lebte zuletzt auch dort. Wenn man so will, war auch sein Ende diesem Werk geschuldet. Auf dem Weg von seiner morgendlichen Gebets- und Beichtstätte, der Kirche Sant Felip Neri, wurde er von einer Straßenbahn angefahren – wohl in Gedanken an seine Arbeit vertieft. Wegen seines abgerissenen Äußeren erkannte man ihn nicht und brachte ihn in das (alte) Armenhospital Santa Creu im Raval, wo er am anderen Tag verstarb. Bei seinem Leichenbegängnis war aber sozusagen „ganz Barcelona“ versammelt. Seine letzte Ruhestätte fand er in der Krypta „seiner“ Kirche.

 

Ein Rundgang um die Kirche – Stationen des Erlösungswerkes Jesu Christi

 

Wir begeben uns aus dem Park und starten einen Rundgang um das Bauwerk und zwar gegen den Uhrzeigersinn. Damit umschreiten wir auch die weiteren Stationen des Erlösungswerkes Jesu Christi.

 

Der Blick auf die Nordfront an dem Carrer Provença ist durch Baugerüste und einen überdachten Durchgang teilweise verstellt. An beiden Enden – wie auch an den anderen Ecken des Baus - sollen sich die Kuppeln von Kapellen oder Sakristeien erheben. Dazwischen erstreckt sich der Kreuzgang , der von außen wie eine Reihe von Kapellchen gestaltet sein wird. Wie das aussieht, sieht man schon in Teilen an der Geburtsfassade. Der Kreuzgang soll sich um die Kirche herumziehen und eine vom Kircheninneren abgetrennte ruhige Zone für Betrachtung und Prozessionen bilden. Man kann dann die Kirche mit ihren Fassaden geschützt umwandeln, von Portal zu Portal. In der Mitte des Nordteils ist eine der Himmelfahrt Mariens geweihte Kapelle geplant. Der nach außen wie eine Schutzmauer um die Kirche gelegte Kreuzgang bildet ein Viereck um die Kirche. Das lässt an das „himmlische Jerusalem“ denken, das mit einer viereckigen Mauer umgeben ist. (Off. 21,16) 

 

Wir blicken die Apsiswände hinauf und sehen Wasserspeier in Form von Tieren, u. a. eine Echse, eine Schnecke. Gaudi wählte vor allem solche, die beim Bau der Kirche verdrängt wurden –  war das eine Art Sühne für die Naturzerstörung?  Traditionell haben diese Tiere aber auch eine Abwehrfunktion und stellen glaubensfeindliche Kräfte oder Eigenschaften dar. So gilt für das „Himmlische Jerusalem“: Nichts Unreines wird hineinkommen. ( Off. 21, 27)

 

Echse als Wasserspeier an der Apsis
Echse als Wasserspeier an der Apsis

Der Blick auf die „Passionsfassade“ – der Leidensweg Jesu

 

Wir gelangen an die Westfront, die „Passionsfassade“, die gegen Sonnenuntergang gerichtet ist. Wir nehmen wieder Abstand von dem Gedränge um das Absperrgitter mit den Kassen und der mit Touristenbussen verstopften Strasse. Von der gegenüberliegenden Anlage betrachten wir die Fassade. Sie ist ähnlich gegliedert wie die Geburtsfassade. Über drei Tore  - das mittlere ein Doppelportal - erhebt sich baldachinartig ein von sechs nach innen geneigten Pfeilern gestützter, nach oben dachartig zulaufender Vorbau. Über dem Vorbau streben wieder vier Aposteltürme in den Himmel. Die Pfeiler des Vorbaus bilden nach innen geneigte, nahezu spitzbogenartig zulaufende „Fenster“. Sie geben den Blick auf Skulpturen im Innenraum und Szenen des Leidensweges Jesu an den Wänden frei. Im Zentrum ganz oben erblicken wir Jesus am Kreuz, mit ausgebreiteten Armen, fast schwebend. Im Gegensatz zu der wuchernd-vegetabilischen Geburtsfassade ist hier alles karg, schmucklos, die Pfeiler skelettartig, die Figuren kantig. Die Skulpturengruppen hat der bekannte katalanische Bildhauer Josep Maria Subirachs von 1987 bis 2009 nach Vorlagen von Gaudí auf seine Art geschaffen Der Entwurf Gaudís zeigen eine wesentlich konventionellere Gestaltung, obwohl auch er die „Grausamkeit des Opfers“ Jesu an der Front hervorheben wollte. Die expressiv-reduzierte Darstellung Subirachs hat Kritik gefunden. Wir sind gespannt auf die nähere Betrachtung.

 

Die Passionsfront mit Türmen (Quelle: wikimedia commons - Autor: Sagrada Família oficial)
Die Passionsfront mit Türmen (Quelle: wikimedia commons - Autor: Sagrada Família oficial)

Die Fassade der „Glorie“ – die Vollendung der Menschheit

 

Einstweilen begeben wir uns durch das Gedränge zur Südfront, nicht ohne einen Blick auf das gewellte Dach der „Schule“ zu werfen, die Gaudí für die Kinder der Bauarbeiter entworfen hat. Die Fassade der „Glorie“ Christi – hier steht die Sonne in ihrem Lauf am höchsten – soll die „Vollendung“ des einzelnen Menschen und der Menschheit darstellen. Sie ist fast völlig durch Baugerüste, Planen und Zäune  zugestellt. Lediglich Säulen ragen über dem Verhau empor. Wie das Ganze einmal aussehen wird, ist nicht erkennbar. Dass hier der Haupteingang und Zugang liegen soll, wird im Inneren der Kirche an dem großen Bronze-Portal sichtbar. Es ist mit den Lettern des Vaterunsers in katalanisch bedeckt, wobei die Bitte um das tägliche Brot in verschiedenen Sprachen erscheinen. (Wir haben sie auch in Deutsch gefunden.) Der geplante repräsentative Zugang und Aufgang zum Portal wird vorerst durch die Straße und die gegenüber liegenden Mietshäuser verhindert, die in der Franco-Zeit illegal, aber genehmigt, gebaut wurden.

 

Die Fassade wird in monumentaler Weise die himmlische Herrlichkeit Christi, den Aufstieg in die göttliche Welt, das Jüngste Gericht, Tod und Auferstehung, das Purgatorium und das Inferno zeigen - entsprechend der Apokalypse des Johannes, dem Glaubensbekenntnis und den bei Dante zu findenden Vorstellungen. Sieben Tore sind den Sakramenten und den  Bitten des Vaterunsers gewidmet. Sieben die Vorhalle tragende Säulen sollen die jeweils sieben Gaben des Heiligen Geistes, die Kardinalsünden und –tugenden zeigen.

 

Gaudí hat die Gestaltung der Fassade  weitgehend der Nachwelt überlassen. Es bleibt abzuwarten, was bei diesem wenig attraktiv erscheinenden Thema herauskommt (wer wird schon gern an seine „Sünden“ und die daraus entstehenden Folgen erinnert?). Es sind einige Extravaganzen geplant – so über den Eingängen herabhängende Wolkengebilde mit eingeschriebenem Glaubensbekenntnis, eine „Feuersäule“ („Führung des Gottesvolkes“), ein Springbrunnen („Wasser des Lebens“), oder ein unterirdischer Gang, in dem das Inferno erfahren werden kann. An den Wänden werden die zur Hölle Verdammten, Dämonen, falsche Götter, Ketzer usw. zu sehen sein. Ob dieses gewaltige bildnerische Spektakel mehr das Staunen der Besucher als ihr reuevolles In-sich-Gehen hervorrufen wird, sei dahin gestellt.

 

Die Geburtsfassade im Detail – nicht nur die Kindheit Jesu

 

Wir sind wieder an der Geburtsfassade angelangt, passieren die Kontrollen und steigen die Treppe zur Fassade hinauf. Jetzt können wir die Einzelheiten betrachten. Wir beginnen mit dem linken Tor, dem Portal der Hoffnung. Wie wir der Aufschrift auf einer Säule entnehmen ist es dem „Ziehvater“ Jesu – so die katholische Lehre – zugeeignet. So entdecken wir auch die Werkzeuge des arbeitsamen Zimmermannes – wohl auch in Reverenz an die Bauarbeiter der Kirche abgebildet. Links am Portal sehen wir Maria und das Jesuskind auf einem Esel auf der Flucht nach Ägypten, von einem Engel und Josef geführt. Rechts – sehr drastisch – der bethlehemitische Kindermord, dem das Jesuskind entgangen ist.  Darüber wird der heranwachsende Jesusknabe von einem Lehrer unterrichtet, an den Seiten wohlgefällig betrachtet von einem Paar - die aus dem apokryphen "Protevangelium" des Jakobus überlieferten Großeltern Jesu mütterlicherseits: Joachim und Anna. Was der tote Vogel (Taube?) in der Hand des Knaben bedeutet, ist schwer zu enträtseln. Wahrscheinlich weist er auf die in der apokryphen "Kindheitsgeschichte des Thomas" berichtete, vom Heiligen Geist eingegebene Weisheit des Knaben hin. Vielleicht spielt er aber auch an die Legende an, in der der kleine Jesus aus Lehm geformte Vögel zum Leben erweckt (Kindheitserzählung des Thomas). Ganz oben sehen wir, wie der Hohepriester Maria und Josef im Tempel  zu Jerusalem zusammenfügt nicht "offiziell" biblisch (Lukas), sondern auch apokryph (Protevangelium des Jakobus), aber so wie es sich für ein „katholisches“ Paar gehört!. Über dem Portal erhebt sich ein Felsen des Montserrat, mit dessen Heiligtum Gaudi verbunden war. Wir finden am Turmschaft auch eine nicht auf die Bibel zurückgehende Darstellung Josefs am Steuer eines Schiffes – hier soll wohl auf die Vorbild- und Führungsrolle Josefs in der „Heiligen Familie“, in der Kirche und als Patron der Gründergesellschaft hingewiesen werden. An den Seiten und über den Darstellungen erheben sich Trompetenengel, die das Geschehen als göttliche Taten verkündigen. Vielleicht blasen sie auch zum Gericht über menschlichen Sünden, die ja in der Kindermordszene angesprochen sind. Auf den Bildersockeln und der Tür finden wir Abbildungen von mit dem Wasser verbundenen Pflanzen und Tieren. Sie erinnern an den Nil, an den die Flucht der Heiligen Familie ging, oder auch an das Meer, an dessen Seite das Hoffnungsportal angelegt ist. Die Säule am Tor wird durch eine Meeresschildkröte gestützt, der am rechten Portal eine Landschildkröte entspricht – Symbole der Beständigkeit in der Natur, im Gegensatz zu den Chamäleons, die wir an den Enden der  Front finden. Die Schildkröte gilt mythisch auch als uranfänglicher Träger der Welt.

 

Die Figurengestaltung ist – wie an den weiteren Toren – lebendig und dramatisch, fast naturalistisch. Die Gesichter sind sprechend. In ihrer Dramatik erinnert die Gestaltung an barocke Figurengruppen. Gaudí, der die meisten Figuren in aufwendigen Verfahren selbst entworfen hat, verwendete für die Gesichter Abdrücke von Menschen aus seinem Umfeld. Offenbar hat der ausführende Künstler der Figur des Lehrers die Züge Gaudís verliehen.

Wir kommen zum mittleren Tor, dem der Barmherzigkeit. Dass dies das Haupteingangtor ist, soll wohl darauf hinweisen, dass „Barmherzigkeit“ sozusagen das „Eintrittsbillet“ in den Himmel ist. Dies Tor ist Jesus, der „Tür zur Seligkeit“ (Joh. 10,9), gewidmet.  Im Zentralbild auf der Mittelsäule des Tores erblicken wir die Heilige Familie im Stall zu Bethlehem. Josef steht mit schützender Geste über Mutter und Kind. Maria sehen wir als tätige Mutter. Sie windelt gerade das Jesuskind in der Krippe, die eher einem Waschzuber gleicht (andere sagen, es sei der Handwerkskorb Josefs). Der Charakter des Stalles wird aber durch Ochs und Esel bewahrt. Diese Gruppe wurde von dem Freund und Schüler Gaudís, Jaume Busquets, geschaffen und 1958 an Ort und Stelle gebracht. Im Fries an der rechten Seite verehren die Hirten das Kind. Links eilen die drei Weisen mit ihren Gaben herbei, wobei der erste kniet. Beide Gruppen werden von einem anmutigen Engel geleitet. Darüber singt eine Gruppe von Kinder-Engeln, die an den Seiten durch musizierende Artgenossen ergänzt werden – alle ohne Flügel. Einige der kleinen Engel sollen asiatische Gesichtszüge tragen – der Künstler ist ein Japaner. Unter den Engeln entziffern wir die lateinische Inschrift ihrer Botschaft: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden...“. Über der Säule mit dem Geburtsstern sehen wir  die demütig kniende Maria auf einem mit den Rosenkranzperlen geschmückten Podest. Eine große männliche Figur streckt über sie die Hand grüßend oder segnend aus. Es ist der Engel Gabriel, der ihr die Geburt Jesu ankündigt. Wir finden auch – wenig auffällig - die Zeichen der Sternbilder zur Zeit der Geburt Jesu. Ganz oben in der Endgrotte der zusammenlaufenden Portalumfassung wird die himmlische Erhöhung der Heiligen Familie gezeigt: Christus krönt Maria, zu der Josef aufblickt. Die Portalumfassung kulminiert in dem schon geschilderten Lebensbaum. Dahinter leuchtet ein Strahlenfenster mit dem Kreuz.

 

Die Pflanzen und Tiere auf den Sockeln sind mit dem Land, teilweise mit Haus und Hof verbunden. Sie haben ihre Symbolik und sollen insgesamt eine friedliche, paradiesische Stimmung vermitteln.

 

Die Säule, die das Portal teilt, ist mit dem Stammbaum Jesu, der „Wurzel Jesse“, aus der Jesus kommt, umwunden (Jesaja 11, 1.2) – Hinweis auf die Verbindung von Altem und Neuem Testament. Im unteren Bereich ringelt sich die Schlange der Verführung um den Stamm, sie verkörpert die „Erbsünde“, von der Jesus Christus erlöst. Die Türen der Portale sind mit dem immergrünen Efeu und gelben Blumen, in denen sich Insekten (z. B. Marienkäfer) tummeln, bedeckt, auch wieder alles voller Symbolik.

 

Was uns auffällt, dass Maria in dem „Jesus-Portal“ einen großen Raum einnimmt. Aber in der katholischen Frömmigkeit gilt sie als „Tür des Himmels“ (Lauretanische Litanei)

 

Das rechte Tor, das des Glaubens, ist nun wirklich Maria gewidmet. So ist die Tür mit dornenlosen Rosen geschmückt, der Blume Mariens. Links über dem Tor sehen wir den Besuch Mariens bei ihrer Verwandten Elisabeth. Darüber der zwölfjährige Jesus bei seinem Besuch im Tempel, er sitzt auf einer Art Thron, schaut verklärt nach oben und hebt lehrend die Hand. Links blickt Johannes, der Sohn Elisabeths und späterer „Täufer“ auf ihn, rechts der erblindete Priester Zacharias, der Vater des Johannes, der sich einem Schriftband zuwendet. Rechts unten blicken Josef und Maria staunend auf den wieder gefundenen Sohn. Daneben eine Skulptur, die uns besonders gefallen hat: der schöne Jüngling Jesus sitzt ganz menschlich an der Werkbank seines Vaters und bearbeitet ein Stück Holz mit Hammer und Stichel. Ganz oben wird das Jesuskind von Josef und Maria im Tempel vorgestellt, der alte Simeon fungiert als Priester, der das Kind in den Armen hält, neben ihm die prophetische Alte Hanna, die wie Simeon erkennt, dass es ich hier um den lang erwarteten „Erlöser“ handelt. Die Darstellung erinnert zweifellos an die Taufe, zu der Kinder gebracht werden sollen. Blickt man weiter nach oben, so sieht man das dornenumkränzte Herz  Jesu und die „unbefleckte Empfängnis“ Mariens durch Gottes Geist, die zeichenhaft durch Hand und Auge über der Marienfigur angezeigt wird.

 

Die ganze detail- und beziehungsreiche – um nicht zu sagen überladene – Front ist nicht nur unter aesthetisch-künstlerischen Gesichtspunkten zu sehen. Was man drüber leicht vergisst, ist, dass sie ein religiöses Programm anschaulich macht, einschließlich eines Erziehungs- und Familienmodells, wie es den Gründern der Kirche und Gaudí vorschwebte. Dazu kann man einiges kritisch bemerken. Das Frömmigkeitsmodell ist traditionell, dogmatisch und kirchlich ausgerichtet. Das Familienbild ist an der Vergangenheit orientiert und auf Harmonie bedacht. Auch das Bild Jesu ist sehr „harmonistisch“. Der Jesus, der sich von seiner Mutter und seinen Brüdern distanzierte (Mk. 3, 31-35) oder der zornige Jesus, der den Tempelbetrieb „aufmischte“  (Mk. 11, 15-19), erscheint hier nicht. Die Darstellungen Jesu rücken die Kindheitslegenden in den Mittelpunkt und später die Passion. Das die Konventionen überschreitende Wirken und die neue Maßstäbe setzende Verkündigung des Mannes Jesu wird übergangen.

 

Der Innenraum der der Kirche – das „Himmlische Jerusalem“ wird inszeniert

 

Wir treten nun durch das Barmherzigkeitsportal in die Kirche ein. Der erste Eindruck ist überwältigend. Ein Zusammenklang von wechselnden Farben, Licht und rhythmisch bewegter Architektur dringt auf uns ein. Wir umschreiten erst einmal die Besucherstühle, lassen das Ganze auf uns wirken und nehmen dann rechts vom Passionsportal Platz auf einer ruhigen Steinbank. Hier können wir die Eindrücke ordnen.

 

Wald der Säulen ( Quelle: wikimedia commons - Autor: sagrada família oficial)
Wald der Säulen ( Quelle: wikimedia commons - Autor: sagrada família oficial)

Vor uns erhebt sich ein Wald von unterschiedlichen Säulen. Sie sind leicht geneigt und verzweigen sich oben wie Bäume. So stützen sie das Gewölbe. Gaudí hat diese geniale Idee der Natur abgeschaut und brauchte auf diese Weise keine stützenden Strebefeiler an den Außenwänden anzubringen, wie das bei gotischen Kirchen notwendig war. An den Kapitellen finden wir leuchtende Ovale. Wir entdecken Symbole und Inschriften in ihnen. Vorne verweisen einige auf die Evangelisten. Wir fragen uns, ob sie von innen beleuchtet werden. Aber das trifft nicht zu, der Lichteinfall lässt sie aufstrahlen. Auch hier wohl wieder eine Anspielung an das „Himmlische Jerusalem“, dessen Mauerngrundsteine mit Edelsteinen geschmückt sind. (Off. 21, 19 f.) Blicken wir nach oben an die Seiten und an die Decke, so sehen wir meist  runde Öffnungen, durch die das Licht in unterschiedlichen Brechungen einfällt. Zusammen mit den Fenstern ergibt sich ein Wechselspiel von Hell und dunkel und unterschiedlichen Farben. Neben den runden Lichtöffnungen entdecken wir an der Decke ein Netzwerk von naturhaften und organischen Formen, pflanzliche, kristalline, geometrische...Wir finden Kreise, Ovale, Vierecke, Rauten, Sterne…Diese Grundelemente bilden wiederum entsprechende Muster in Kreuzform, Kreisform usw.  Wir finden in der Architektur auch die berühmten „Regelflächen“, die Gaudí der Natur entnommen hat, Flächen und Körper, die aus der Ablenkung oder Drehung von Geraden entstehen. So bilden zum Beispiel zwei entgegengesetzt gedrehte Helikoide (Wendelflächen) das Rund der Säulen, auch die spiraligen Turmtreppenaufgänge sind Helikoide. Kapitelle der Säulen sind als Ellipsoide ausgebildet. Hyperboloide (durch Rotation einer Hyperbel entstandene) Körper finden wir  in Fenster-, Deckenlichtöffnungen und Gewölben. Die Gewölbe sind übrigens in der Tradition der katalanischen Bogenbauweise mit Ziegeln gefügt.

 

Doch auch auf dem Boden finden wir Regelmäßigkeiten, so haben die Flächenquadrate und die seitlichen Abstände der Säulen das Maß von 7,5 m. (Wir haben das nachgemessen!) Das ergibt sich aus der Zwölfteilung der Gesamtlänge der Kirche von 90 m. Dieses Grundmaß liegt der Länge, Breite und Höhe der Kirche zugrunde.  Offenbar war die Proportion 1/12 für Gaudí ein Idealmaß, das er  in der Bibel und in der Natur fand - entsprechend der in dem apokryphen Buch der „Weisheit Salomonis“ (11,22) enthaltenen Aussage, dass Gott die Schöpfung nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet habe. All dieses Organische, Naturhafte, Regelmäßige im Bau lässt etwas von der Ordnung im Kosmos erahnen, es ist als ob wir uns in der „Werkstatt“ der Natur – oder Gottes? – befinden. Ohne Zweifel ist hier wieder das regelmäßig geschaffene und vollkommene „Himmlische Jerusalem“ das Vorbild. Dort ist 12 die Grundzahl für Bauten und Maße.

 

Regelmäßige Strukturen und Proportionen
Regelmäßige Strukturen und Proportionen

Wir lassen unsere Blicke in den Kirchenraum schweifen. Wir erkennen, er ist mit mehrfach geteiltem Längsschiff, ebenfalls geteiltem Querschiff und Apsis in Basilika-Form angelegt, in der Gestalt eines Längskreuzes mit dem Apsishaupt. Das Längsschiff bezeichnet vom Haupteingang her zum Altar den Weg des Menschen zu Gott; das Querschiff von der Geburts- zur Passionsfassade den Weg Jesu. Die Apsis dient der Andacht – wenigstens vom Bauplan her. Sie kann wie bei Wallfahrtskirchen umwandelt werden, von Kapelle zu Kapelle. Emporen, Triforien (Galerien), Säulen, Turmansätze und Fenster gliedern die Seitenflächen. Die Josef zugeeignete Innenseite der Geburtsfront ist spielerischer gestaltet, die Maria gewidmete Passionsseite karger. Die Fenster an der Geburtsfront erstrahlen in blauen und grünen, die der Passionsfront in rötlichen.und gelben Farben. Die nicht bunt ausgeführten Fenster über dem Glorienportal lassen das Licht der Mittagssonne hell durchscheinen. Auch dies soll an das „himmlische Jerusalem“ erinnern, in dem „das Licht der Herrlichkeit Gottes“ die Stadt wie das Leuchten des „alleredelsten Steins, einem Jaspis, klar wie Kristall“ erfüllt. (Off., 21, 11) Die großen Fenster sind vielfach geteilt, wie ein Gitterwerk, auch wieder in regelmäßigen Proportionen. Wir finden Rosetten, Kreise, Bögen... sie entsprechen anderen Architekturelementen. Auch hier symbolhafte Zahlen (die Drei), Formen (der Kreis) und Reihungen aus denselben. Es entsteht der Eindruck von durchbrochenen lichtdurchlässigen Wänden – ähnlich wie in der Gotik.

 

Blick auf Fenster der Geburtsfassade
Blick auf Fenster der Geburtsfassade
Blick zum Altarraum
Blick zum Altarraum

Unser Blick fällt auf den Altar, der sich am Schnittpunkt von Längsschiff, Querschiff und Apsis erhebt. Über dem Altar hängt ein golden leuchtender Baldachin in Form eines Siebenecks. Die Zahl sieben ist eine Schlüsselzahl in der Bibel und der christlichen Tradition, so schenkt der Heilige Geist sieben Gaben, und die katholische Kirche zählt sieben Sakramente. Diese Gaben verbinden den Menschen mit Gott - Sieben ist die Zahl der "Vollkommenheit", der Verbindung des Göttlichen mit dem Irdischen (4 + 3!). Tatsächlich werden auf dem Rand des Baldachins die sieben Gaben des Heiligen Geistes genannt: Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit, Gottesfurcht. Vor dem Hintergrund des Baldachins und der Licht erfüllten Apsis hebt sich die Figur des Gekreuzigten ab. Es sieht so aus, als ob sich der mit Weinblätterranken, Trauben, Ähren und einer Lichtergirlande verzierte Baldachin mit seinem inneren Strahlenkranz auf den Gekreuzigten herabsenke.  Darüber öffnet sich in der Decke eine goldgefasste Lanterne (Regelfläche!), aus der blendendes Licht fällt. Dies lässt an das göttliche Schöpfungslicht denken. (Die Lichtöffnung in der Decke erinnert an barocke Kirchen.) Säulen und Geäst  scheinen sich dem Baldachin und Christus zu zuneigen und der Lichtöffnung zu zustreben. Bei entsprechendem Licht hat man aber auch den Eindruck, dass die Säulen die Strahlen des Lichts auf den Boden hinunter leiten. Das Arrangement ist deutlich: was hier anschaulich werden soll, ist die göttliche Dreieinigkeit und ihr Kommen zu den Menschen. Das Licht weist auf Gott-Vater, der Baldachin auf den Heiligen Geist, aus dem der Sohn kommt und auf den er sich gesenkt hat. Der Sohn hat durch seinen Kreuzestod die Menschen erlöst und führt sie zum  göttlichen Vater zurück. Im Sakrament der Eucharistie wiederholt sich auf dem Altar Inkarnation und Opfer des Sohnes. Und vom Altar aus geht Blick und Weg über Christus wieder hinauf in das  göttliche Licht Eine eindrucksvolle mystische Inszenierung, die aber auch des Theaterhaften nicht entbehrt.

 

Doch die Inszenierung geht noch weiter. Der Altar ist nicht isoliert zu sehen. Er ist von Säulen umgeben. Die Säulen beim und vor dem Altar, sind den Aposteln und Evangelisten zugeordnet. Petrus und Paulus flankieren den Altar, gefolgt rechts und links von Matthias und Jakobus. Ingesamt bilden die zwölf aus Porphyr gefertigten Apostelsäulen ein (gedachtes) Viereck in der Vierung, also im Zentrum des Kirchenraumes. Im Inneren des Vierecks bilden die vier Evangelisten einen (auch wieder gedachten) Kreis vor dem Altar. Hier wiederholt sich also die Anordnung der Türme. Das ist nach dem Vorbild des „Himmlischen Jerusalems“ in der Johannesapokalypse angelegt, auf deren zwölf aus Edelsteinen bestehenden Grundsteinen die Namen der zwölf Apostel eingezeichnet sind. (Off. 21,14)  Überhaupt ist der ganze Altarraum am Vorbild des „Himmlischen Jerusalems“ orientiert, wobei die Vorstellungen des Verfassers der „Offenbarung“ wiederum auf Visionen des Propheten Hesekiel zurückgehen. Hesekiel sieht den Thron Gottes von vier Wesen umgeben – den Cherubim – die Menschen-, Löwen-, Stier- und Adlergesichter tragen. (Hes. 1,4 ff.) Die „Offenbarung“ macht vier Wesen daraus, die jeweils eines der Gesichter tragen Die Kirchenväter haben diese Engelwesen den Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes zugeordnet. Sie umstehen den inmitten der himmlischen Stadt stehenden Thron Gottes. Zum weiteren Kreis des „Hofstaates“ Gottes gehören die „zwölf Apostel des Lammes (Jesus Christus)“. So bildet der Altar den Thron ab, auf den sich Gott und Christus herabsenken. Die Säulen stellen die den himmlischen Thron umgebenden Evangelisten und Apostel dar.   

 

Maragall hat in seiner eingangs zitierten Aussage schon recht: Gaudí wollte in der Sagrada Família den Vorschein einer „neuen Welt“ errichten, in der „Liebe und Licht“ (Dante) herrschen.

 

In der Maria geweihten Apsis mit ihren sieben wabenartigen Kapellen – sie sind den Freuden und Schmerzen Josefs gewidmet - werfen wir durch ein Fenster den Blick in die leider verschlossene Krypta hinunter. Hier sehen wir das Grab Gaudís, vor dem brennende Kerzen sein Angedenken ehren.

 

Blick auf Gaudís Grab in der Krypta
Blick auf Gaudís Grab in der Krypta

Vom Leiden zur Auferstehung - Die Passionsfassade im Detail

Wir treten aus der Kirche in die Vorhalle, nicht ohne einen Blick auf eine einfache Darstellung des Einzugs Jesu in Jerusalem auf dem Boden zu werfen (von dem Künstler Domènec Fita). Wir gelangen durch das „Evangeliumstor“ nach draußen (links und rechts davon befinden sich das „Gethsemane“- und das „Dornenkronentor“). Vor dem Tor stimmt uns der Pfahl der Geißelung Jesu in die Leidensgeschichte Jesu ein. Wenn wir zurück blicken, sehen wir ein Zeichen über der Mittelsäule des Portals: zwei zusammen gefügte Dreiecke, die nach oben und unten weisen, zum Himmel und zur Erde. Bei genauerem Hinsehen kann man sie auch als Alpha und Omega identifizieren, als den Anfang und das Ende des griechischen Alphabets. Dreiecke bezeichnen den dreieinigen Gott. Das Zeichen weist auf die Inkarnation Gottes in Jesus, seinen Weg nach unten, in die Passion, und den Weg nach oben, Auferstehung und Himmelfahrt, hin, das Bildprogramm der Passionsfront. Als Alpha und Omega bezeichnet es Anfang und Ende der Wege Gottes. Christus ist das A und O.

 

Wir steigen den Treppenaufgang hinunter und stellen uns in eine Ecke. Hier drängen sich nicht so viele Menschen und wir haben eine gute Übersicht. Die Reihenfolge der Szenen – und damit wird die „Leserichtung“ angezeigt - bildet ein großes S (= Salvator, der Retter).

 

Die Darstellungen beginnen unten links mit dem Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern. Dann folgt die Festnahme Jesu im Garten Gethsemane, bei der Petrus dem Tempelknecht Malchus ein Ohr abschlägt. Danach kommt der Judaskuss. (Hinter ihm erscheint die Schlange der Verführung). Daneben finden wir ein Zahlenquadrat, dessen Reihen immer die Zahl 33 ergibt, das Todesalter Jesu nach dem Johannesevangelium.  Die zwei Doppelzahlen 10 und 14 geben zusammengezählt 48. Zählt man den Zahlenwert der Buchstaben INRI im lateinischen Alphabet zusammen, ergibt sich diese Zahl. Über die Geißelung geht es zum über seine Verleugnung verzweifelten Petrus auf der rechten Seite unten weiter. Drei Frauen und ein Hahn bezeichnen seine dreimalige Verleugnung. Ein Labyrinth weist auf die verschlungenen Wege Gottes mit den Menschen und auf den Weg Jesu hin.  Ganz rechts die „Ecce homo“-Darstellung („Sehet, welch ein Mensch!“) - der von Soldaten vorgeführte „Dornenkönig“  wird  von Pilatus  der Menge dargestellt. Der Machthaber sitzt zweifelnd vor dem römischen Hoheitszeichen. Nach der Verurteilung wäscht er seine Hände in Unschuld. Seine Frau Procula, die ihn gewarnt hatte, schreitet bekümmert davon. Es geht nun von rechts nach links oben. Der Sturz Jesu bildet die erste Szene auf dem Kreuzweg. Simon von Cyrene übernimmt das Kreuz, und die drei Marien sind Zeugen des Zusammenbruchs. Dann folgt zentral  die Darstellung des „Schweißtuches“ mit dem Gesichtsabdruck Jesu durch  „Veronica“. Auffällig ist die Gesichtslosigkeit der legendären Frau und die anonyme Monsterhaftigkeit der dabei stehenden Soldaten. Die Physiognomie der Soldaten entspricht Schornsteinen auf der Casa Milà. Links von der Gruppe betrachtet der Evangelist das Geschehen, dem der Bildhauer die Züge Gaudís verliehen hat. Es folgt links davon ein Soldat auf einem Pferd. Es ist der Mann, der  Jesus mit dem Speer in die Seite stechen wird. Man hat dem später zum Christentum Konvertierten den Namen „Longinus“ gegeben. Über ihm die um die Kleider Jesu würfelnden Soldaten. Ganz oben im mittleren „Fenster“ erblicken wir den Gekreuzigten. Das Kreuz tritt über ihm horizontal aus der Wand hervor und Jesus hängt vom Querbalken herunter, was den schwebenden Eindruck erzeugt. Zu seinen Füßen ein Totenschädel. Er weist auf den Namen des Kreuzigungsortes „Golgatha“ (= Schädelstätte) hin, aber auch auf Adam, durch den die Sünde in die Welt kam – die Legende lokalisiert das Grab Adams unter dem Kreuzigungsort. Links die trauernden Frauen Maria und Maria Magdalena. Im Hintergrund öffnet sich die Grabhöhle mit dem weggerollten Verschlussfelsen davor. Hinter den Frauen eine unidentifizierbare Gestalt: ist es eine weitere Trauernde (die für jeden Gläubigen steht) oder der Jünger Johannes? Über dem Kreuz befindet sich ein Mosaik, das den zerrissenen Vorhang im Jerusalemer Tempel darstellt. Die letzte Szene zeigt die Grablegung durch Josef von Arimathia und Nikodemus. In Nikodemus hat sich Subirachs selbst porträtiert. Eine der Marien kommt aus der Grabhöhle, vielleicht ein Hinweis auf das Grab, dass die Frauen später leer fanden. Vor ihr weist ein Ei auf die Auferstehung hin. Doch wo ist der Auferstandene? Er ist schon längst woanders, er sitzt als Bronzefigur hoch oben auf der Verbindung der Aposteltürme und blickt mit schmerzlicher Miene über die Stadt. Unter ihm Apostelfiguren.

Über das Vordach der Passionsdarstellung hat man eine Galerie angebracht, deren weiße Streben wie Knochen aussehen. Links vor der Aufschrift „Jesus Nazarenus“ blickt eine Löwenfigur in die Ferne. Sie bezieht sich auf den „Löwen aus Juda“, den die christliche Tradition auf Jesus deutet und ist ein Auferstehungssymbol. Dieser Aufsatz geht auf den Entwurf Gaudís zurück, ich finde ihn aber weder passend noch geschmackvoll.

 

Der Auferstandene (Quelle: wikimedia commons - Autor: sagrada familia oficial)
Der Auferstandene (Quelle: wikimedia commons - Autor: sagrada familia oficial)

Ausklang und Fazit

 

Unsere Meinung zu der Gestaltung ist: Subirachs hat das  „Ecce homo“, das Ausgeliefertsein Jesu und des Menschen überhaupt, der in die Gewalt totalitärer Mächte und ihrer Schergen geraten ist, beklemmend dargestellt. Modern, fast ein wenig comichaft, aber überzeugend. Hier ist nichts „schön“ wie an der Geburtsfassade, aber dies soll auch nicht sein.

 

Wir haben unseren Rundgang beendet. Wir besuchen noch das Museum, in dem aufschlussreiche Ausstellungstücke zur Geschichte und Bauweise der Sagrada Família ausgestellt sind. Hier finden wir auch ein Modell Gaudís, wie er auf einfache Art und Weise die Statik in Gebäuden entwarf, ohne dass er sie berechnen musste Dies war durch das so genannte Hängemodell möglich. Der Architekt knotet Schnüre entsprechend den Druckpunkten einer geplanten Konstruktion mit Bögen, Säulen und Mauern zusammen. Dann befestigt er an den Druckpunkten Fäden, die dem Wölbungsverlauf entsprechen, bei geraden Linien werden kleine Gewichten an den Schnüren angebracht. Diese Seilkonstruktion wird auf den Kopf gestellt. Der Zug entspricht dem Druck Nachdem der Baumeister die Konstruktion fotografiert hat, dreht er das Bild um und hat so das Modell  eines tragfähigen Bauwerks vor sich. So ungefähr haben wir es verstanden. Wie auch immer, es hat geklappt.

 

Ein Hängemodell Gaudís
Ein Hängemodell Gaudís

 In einer ruhigen  Restaurantterrasse inmitten der Avenida Gaudí blicken wir noch einmal auf  den himmelwärts strebenden Koloss zurück. Ist das nun „grandioser religiöser Kitsch“, der da entstanden ist, oder handelt es sich um eines der „genialsten Bauwerke der Moderne“? Vielleicht ist beides in Teilen zutreffend. Jedenfalls: der Bau geht weiter, die Menschen strömen, und auch wir werden die Fortschritte wieder in Augenschein nehmen.

Gaudí als Evangelist an der Passionswand
Gaudí als Evangelist an der Passionswand

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