Sant Pere de Rodes – Ausflug in die Welt der Mönche und Pilger – Eine Führung durch das Kloster / TEIL 1

Das Kloster Sant Pere des Rodes und darüber die Burg San Salvador de Verdera
Das Kloster Sant Pere des Rodes und darüber die Burg San Salvador de Verdera

Der "Kulturspaziergang" am 04.03.2026 führte uns zum Kloster Sant Pere de Rodes.

Heutzutage ist der “monumentale Komplex” eine Attraktion für Touristen, die die nördliche Costa Brava besuchen. Im Mittelalter zog das Benediktinerkloster Scharen an Pilgern an. So war es passend, dass wir in Vilajuïga (sprich Vilaju-iga), am Eingang des Dorfes vor einer rostigen Eisenfigur Halt machten. Die übermannshohe Figur stellt einen Pilger dar, angetan mit Pilgerhut und der Pilgermuschel auf der Brust. Vor ihr und im hinter der Figur befindlichen Gebäude des Informationsbüros des Naturparks Cap Creus – in dessen Gebiet liegt das Kloster - hörten wir vom mittelalterlichen Pilgerwesen.  

Um zu verstehen, warum Menschen im Mittelalter pilgerten, müssen wir ein wenig ausholen und die geistige Welt beschreiben, in denen sie lebten.  

Pilgerfigur in Vilajuiga
Pilgerfigur in Vilajuiga

Sie pilgerten um Reliquien zu verehren und Ablässe zu erlangen 

Die Pilger wurden von “Heiligtümern” angezogen, in denen “Reliquien aufbewahrt wurden. Reliquien sind Überbleibsel von Menschen, die als heilig gelten, Gebeine oder Gegenstände, mit denen sie Berührung hatten, Kleidungsstücke, Gefäße u.a. Nach Lehre der katholischen Kirche waren diese Menschen vom Heiligen Geist erfüllt und etwas von ihrer Heiligkeit haftet noch an ihren Gebeinen und Kontakt-Gegenständen. Solche heiligen Gegenstände wurden meist in kostbaren Behältern, “Reliquiarien, gefasst und aufbewahrt. 

Reliquiar des heiligen Jakobus in Santiago de Compostela. Quelle: wikipedia / Bild: Jansoone
Reliquiar des heiligen Jakobus in Santiago de Compostela. Quelle: wikipedia / Bild: Jansoone

Hinzu kommt noch etwas anderes. Die katholische Kirche sieht sich als Verwalterin des Schatzes” der von den Heiligen hinterlassenen “überschüssigen” guten Werke. Daraus kann sie “Ablässe” gewähren. Darunter versteht sie den Nachlass von “zeitlichen Strafen”, seien es von der Kirche auferlegten Strafen oder in der Zeit nachwirkende Folgen von Sünden. Sünden werden von Priestern durch Beichte, Reue und Wiedergutmachungsleistungen vergeben. Durch den Ablass werden nicht Sünden vergeben, sondern Kirchenstrafen für Sünden und Sündenfolgen aufgehoben oder gemildert. Zeitliche Sünden werden im “Fegefeuer” abgebüßt. Dies ist eine Art “Vorhölle”, in der die Seelen Verstorbener von der noch verbliebenen Sünden- und Straflast gereinigt werden – damit sie beim “Jüngsten” Gericht in den Himmel eingehen könnenes sei denn, sie haben nicht vergebene “Todsünden” - wie Mord – begangen, dann wandern sie in einen Verdammungsort, die “Hölle”.  

Die Menschen im Mittelalter litten unter großer Angst vor den Folgen ihrer Sünden - bedingt durch die Vorhaltungen der Kirche. Sie fürchteten sich davor, intensive Reinigungsqualen im Fegefeuer erleiden zu müssen oder gar in die Hölle geworfen zu werden. Deswegen bemühten sie sich um Sündenvergebung und Ablässe. Und eben dies konnte man durch Pilgern zu den heiligen Orten erlangen. Nicht immer unterschieden die Menschen zwischen der Sündenvergebung in der Beichte und den Ablässen, die sie oft mit Sündenvergebung identifizierten. 

Die sieben "Todsünden" und die sieben Kardinaltugenden. Mönche und Nonnen sollten in exemplarischer Weise die Laster ablegen und den Tugenden nachstreben.

Luther und die anderen Reformatoren haben das Ablasswesen kritisiert und darauf hingewiesen, dass “allein Christus” von der Sündenlast befreit. Zudem legten sie Wert darauf, nicht so sehr auf die "Sünden" zu blicken, sondern auf die Befreiung durch Christus, die zu "guten Werken" führt.

Aus: Briefwechsel mit Philipp Melanchthon.  Quelle: https://beruhmte-zitate.de/autoren/martin-luther/Quelle: berühmte-zitate.de - Martin Luther
Aus: Briefwechsel mit Philipp Melanchthon. Quelle: https://beruhmte-zitate.de/autoren/martin-luther/Quelle: berühmte-zitate.de - Martin Luther

Pilgerorte und Pilgerwege 

Karte: Der Jakobsweg von La Jonquera / Port de la Selva über Sant Pere de Rodes nach dem Montserrat
Karte: Der Jakobsweg von La Jonquera / Port de la Selva über Sant Pere de Rodes nach dem Montserrat

NacSant Pere de Rodes sind die Menschen gepilgert, weil das Kloster eine große Zahl an hochgeschätzten Reliquien besaßdie wichtigsten waren der Kopf und der rechte Arm des Apostels Petrus, die angeblich durch besondere Umstände dorthin gekommen seien. Eine weitere wichtige Reliquie war ein kleines Stück Holz, ein “Lignum Crucis, das als Bestandteil des Kreuzes, an dem Jesus starb, galt.  

Wer nach Sant Pere de Rodes pilgerte, der erhielt besondere Ablässe. Schon früh verfügte ein offizielles päpstliches Schreiben, eine “Bulle”, wer nicht in der Lage war nach Rom zu pilgern, konnte durch das Pilgern nach Sant Pere de Rodes dieselben Ablässe erhalten, wie wenn er in Rom gewesen wäre. 

Später wiesen die Mönche auf eine Bulle Papst Urban II. hin, in der den Pilgern zugesichert wurde, dass sie in “Jubeljahren” (Jubiläumsjahren), in denen das Fest der Kreuzauffindung am 3. Mai auf einen Freitag fiel – also den Todestag Jesu - “vollen Ablass” erhalten konnten. Die Bulle existierte nur in einer Kopie, das Original sei geraubt und bei einem Schiffsuntergang verloren gegangen, hieß es. So besteht Zweifel an der Echtheit der Bulle, aber die Pilger glaubten den Mönchen. 

Die wichtigsten Pilgerziele im Mittelalter waren Jerusalem – durch Tod und Auferstehung Jesu geheiligt – und Rom als Begräbnisort der Apostel Petrus und Paulus der Überlieferung nach. In Iberien war es Santiago de Compostela, wohin die Gebeine “San Yagos”, des Apostels Jakobus (des Älteren) den Legenden nach gelangte und Anfang des 9. Jh. wieder aufgefunden wurden. 

Der heilige Jakobus als Pilger (Beim Anklicken werden die Bilder vergrößert und erscheint eine Beschriftung mit Quellenangabe.)

Sant Pere de Rodes wurde auf einem der Pilgerwegnach Santiago besucht. Dieser “Camino” führte von Arles nach dem Montserrat und über  Logroño nach Santiago. Die Pilger passierten Pässe in den Alberes und gelangten meist über das Kloster Sant Quirze de Colera und das heute verlassene Dorf Canyelles über einen uralten Pilgerweg hinauf nach Sant Pere de Rodes. Um diesen Ort zu erreichen, wichen sie von der Hauptroute ab, die über Figueres nach dem Montserrat führte.  

Die Mönche in Sant Pere mussten sich also bemühen, die Attraktivität ihres Klosters als Pilgerziel zu steigern. Sie installierten dieses als eine Art Gegen-Santiago, mit ihrem Apostel, wobei einer Legende nach - Jakobus am Cap Creus zuerst den Fuß auf iberischen Boden gesetzt habe, um dann seine Missionstätigkeit in Iberien zu beginnen. Eine andere Fassung der Legende besagt, dass seine Gebeine – nach Rückkehr und Märtyrertod im Heiligen Land –am Cap Creus angelandet und nach Santiago gebracht worden seien. 

So konnte man also auf den Spuren des Jakobus vom Cap Creus und von Sant Pere de Rodesnach Santiago wandern, von einem Ort, wo die Sonne über Iberien aufgeht, dahin, wo sie am Cap Finisterre, dem Ende Iberiens und der damaligen Mittelmeer-Welt, im Meer versinkt. Aber – wie schon berichtet Sant Pere de Rodes war nicht nur Zwischenziel auf dem Weg nach Santiago, sondern auch bedeutender Wallfahrtsort für die Menschen, die in der näheren oder weiteren Umgegend lebten. 

Im Nebel auf der Straße nach Sant Pere de Rodes 

Wir verabschieden uns vom freundlichen Empfang im “Punto de Información de Espacio Cap de Creus”. Man kann sich übrigens dort immer noch - früher war das ein Informationszentrum für moderne Pilger – den offiziellen Pilgerstempel holen, sollte man auf dem Weg nach Santiago sein. 

 Unsere Gruppe beim Vortrag ihres Guide im Saal des “Punto de Información de Espacio Cap de Creus”
Unsere Gruppe beim Vortrag ihres Guide im Saal des “Punto de Información de Espacio Cap de Creus”

Bald nach Vilajuïga windet sich die Fahrstraße kurvenreich in die “Serra de Rodes” hinauf.   

Die Bezeichnung “Rodes” hängt nicht mit dem antiken Ortsnamen von Roses “Rode” zusammen, sondern mit “Rueda” (lat. Rota) d.h. Rad. Das Wappen des Abtes von Sant Pere de Rodes oder Roda (manche halten die Einzahl für richtig) zeigt deswegen auch ein oder zwei Räder. Die Bezeichnung könnte von Windmühlen kommen, die in alten Zeiten auf dem windreichen Gebirge ihre Räder drehten. 

Wappen des Abtes von Sant Pere de Rodes

Wir tauchen in dichten Wolkennebel ein. Man kann nur noch mit Mühe die Straßenführung erkennen. Das gibt uns einen kleinen Eindruck davon, welche Mühsal die Pilger früher auf sich nahmen. Nicht immer war das Wetter gut und sie waren meist zu Fuß unterwegs, nicht wie wir im bequemen Fahrzeug. Pilgern war an sich schon eine “Bußleistung” - und wer sich heute noch zu Fuß auf den Weg nach Santiago macht, aus welchen Motiven auch immer - wird erfahren, dass dies nicht nur Erholung ist. Auf dem steilen Fußpfad, der von Canyelles nach dem heute ebenfalls verlassenen Gehöft Mas Ventos führt, werden ihnen bei einem Wetter, wie wir es erleben, die auf am Wegrand liegenden Steinen eingeritzten Kreuze und Zeichen als Wegweiser willkommen gewesen seinwohl auch die mit Steinplatten errichteten Dolmen als zeitweiliger Schutz vor Wind und Regen 

Pilgerweg nach Sant Pere de Rodes mit Dolmen und Stein mit Kreuzen

Am Parkplatz, der einige hundert Meter vom Kloster entfernt liegt, steigen wir aus. Hier umfängt uns noch dichterer Nebel. Wir sehen nichts von der über uns aufragenden Kirche Santa Elena (Helena) und den Ruinen des Klosterdorfes Santa Creu. Die präromanische Kirche mit späteren Anbauten ist nach der Mutter Kaiser Konstantins benannt, die nach einer Legende auf einer Pilgerfahrt ins Heilige Land um das Jahr 325 das “wahre” Kreuz Jesu entdeckt und Teile davon nach Byzanz-Konstantinopel gebracht haben soll. Auch nach Rom gelangten Stücke und später wurden Splitter von Kreuzrittern ins Abendland mitgebracht 

 

Hier ein Blicke bei schönem Wetter auf die Kirche Santa Elena des Klosterdorfes Santa Creu, auf die Burg San Salvador, die Reste der Kapelle auf der Burg und nach Port de la Selva hinunter.

So war das Wetter bei unserem Gang zum Kloster
So war das Wetter bei unserem Gang zum Kloster

Die Bewohner des Dorfes arbeiteten für die Mönche. Sie empfingen die Pilger mit Brot, in Salz eingelegten Sardinen und Wein. Im 16. Jahrhundert verließen sie das Dorf, wohl wegen der unsicheren Zeiten.  

Auch vom Kloster und der über ihm auf der Bergspitze aufragenden Ruine der Burg San Salvador de Verdera sehen wir nichts.  Sie wurde von den Grafen von Empúries-Roselló errichtet, um das Kloster zu schützen, aber auch -später - um es zu kontrollieren. Die Burg gilt Katalanen und anderen als eine der Burgen, die als Schauplatz für die Gralserzählungen gedient haben könnte. Tatsächlich treffen auf San Salvador Angaben zu, die Wolfram von Eschenbach in seinem Epos “Parzival” für die Gralsburg gemacht hat. Wer sich dafür interessiert, kann das in meinem Roman “La Arqueta” nachlesen. 

Jetzt pilgern auch wir ein wenig auf dem sich hinziehenden Weg zum Kloster.  An schönen Tagen hat man eine faszinierende Aussicht auf die Berglandschaft um das Kloster, die Hügel, die sich bis zur französischen Grenze an der Küste entlang ziehennach Port de la Selva hinunter, die Ausläufer des Cap Creus darüber - und das weite Meer. An manchen Tagen haben wir von hier oben sich im Wasser tummelnde Gruppen von Walen und Delphinen erkennen können.  

Die Landschaft um das Kloster ist geprägt von Trockensteinmauern und  dahinter errichteten Terrassen. Sie zeugen vom Aufschwung des Weinbaus ab dem 17. Jahrhunderts, bis Ende des 19. Jahrhundertdie Phylloxera dem ein Ende bereiteteUrsprünglich war die Gegend mit mediterranem Wald bedeckt, wovon noch die Namen Selva (de Mar / Port de la Selva) und "Verdera (Selva = Wald / Verdera= Grün) künden.  

Plötzlich tauchen die hochragenden Mauern und Türme der Klosteranlage aus dem Nebel vor uns auf. Wir trösten uns über die ausgefallene Aussicht hinweg, dass es etwas Besonderes ist, die alten Gemäuer im Nebel zu erleben 

Links am Weg liegt ein ruinenhaftes Gebäude. Es ist das alte Pilgerhospital. Hier fanden Gäste und Pilger AufnahmeDie gastfreundliche Aufnahme von Fremden, gehört zu den Pflichten eines Benediktinerklosters. In der Benediktinerregel heißt es: 

Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus; denn er wird sagen: ´Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen.Allen erweise man die angemessene Ehre, besonders den Brüdern im Glauben und den Pilgern. Sobald ein Gast gemeldet wird, sollen ihm daher der Obere und die Brüder voll dienstbereiter Liebe entgegeneilen. Zuerst sollen sie miteinander beten und dann als Zeichen der Gemeinschaft den Friedenskuss austauschen.  (Kapitel 53) 

Wir blicken in das relativ kleine, ehemals zweistöckige Gebäude. Wie die Gäste untergebracht wurden, kann man raten. Luxuriös wird die Herberge nicht gewesen sein. Aber wahrscheinlich waren die meisten Pilger froh, überhaupt eine Unterkunft zu finden und freundlich empfangen zu werden. 

Das alte Pilgerhospital vor dem  Kloster Sant Pere de Rodes
Das alte Pilgerhospital vor dem Kloster Sant Pere de Rodes

Die Gründungslegende des Klosters 

Wir gehen noch nicht weiter zum Eingang des Klosterkomplexes, sondern steigen eine Treppe hinunter, an den hohen Mauern der Sakristeien vorbei. Vor dem Zugang zum Abtspalast biegen wir links ab und steigen hinab zu einer mit alten Platanen bestandenen Terrassen-Wiesenfläche. Dort finden wir den in einer Höhlung liegenden “Brunnen der Mönche”. Ein kalter Wasserstrahl fließt aus dem Maul eines verwitterten Löwen. Darüber befindet sich eine kaum mehr erkennbare Inschrift. In früheren Jahren konnte man sie noch entziffern. Sie lautet – lateinisch: 

QUI BIBERIT HEC AQUA SITIET ITERUM” - Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten. 

Das ist ein Zitat aus dem Johannesevangelium (Joh. 4,13). Jesus sagt das zu einer samaritanischen Frau an einem Brunnen in einer Stadt SamariensEr hatte sie gebeten, für ihn Wasser zu schöpfen, woraus ein seelsorgerliches Gespräch mit ihr entstand. Jesus fährt fort

... wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.” 

Es ist klar, das Zitat am Brunnen soll darauf hinweisen, wo das “Wasser des ewigen Lebens” zu finden ist: im Kloster. 

Es könnte sein, dass diese Höhlung und der Brunnen ein Mittelpunkt für die Einsiedlerzellen war, die dem Kloster vorweggingen. Solche Zellen und Klöster wurden in alten Zeiten an einer Quelle gegründet.  

Der Legende nach soll in dieser Gegend der Heilige Paulus (Sergius)erster Bischof von Narbonne (um 250), in einer Höhle als Einsiedler gelebt und vor der römischen Christenverfolgung Schutz gesucht haben. 

Hier ist die Gelegenheit, von der Gründungslegende des Klosters zu erzählen.

Der Geschichtsschreiber Jeroni Pujades aus Castelló d´Empúries hat die Erzählung 1606 in der Klosterbibliothek gefunden und in seinem Werk “Crónica Universal del Principado de Cataluña” veröffentlicht. Diese Fassung wurde im Laufe der Zeit durch andere Legenden erweitert. 

Nach den Legenden sollten im Jahre 608, als Rom von Feinden bedroht war, drei Mönche im Auftrag des Papstes Bonifatius IV. und eines Konzils Kopf und Arm des Apostels Petrus, ein Stück des Kreuzes Jesu und weitere Reliquien in Sicherheit bringen(In einer modernen Zufügung zur Legende auch den “Gral”, d. h. den Kelch, aus dem Jesus beim letzten Abendmahl getrunken haben soll.)  

Die Geistlichen wurden nach Gallien geschickt, es verschlug sie aber ans Cap Creus. Das Cap war damals noch der Göttin Venus geweihterhielt aber nun seinen Namen nach der Kreuzreliquie (Cap des Kreuzes).  (Tatsächlich berichten antike Schriftsteller von einem Heiligtum der “pyrenäischen Venus” in der Gegend.) Drei Felsen am Cap Creus, die an Mönche mit Kapuzen erinnern – genannt “Punta dels Tres Frares” lassen an ihre Ankunft dort denken 

Die Mönche zogen weiter in die grünen Berge und fanden eine Quelle und die Höhle, in der Paulus Sergius gelebt hatte. Sie versteckten die Reliquien unter dem Altar, den der Heilige gebaut hatte, dann kehrten sie nach Rom zurück. Nachdem die Gefahr vorüber war, sollten sie die Reliquien zurückholen. Sie fanden aber die Höhle nicht mehr, die inzwischen zugewachsen war. Sie beschlossen zu bleiben und suchten weiter bis zu ihrem Tod. Nur einigen aus ihrer Begleitung gelang es zurückzukehren und zu berichten. 

Später wurden die Reliquien gefunden und das Kloster an dem Fundort errichtet. So fanden nach der Legende die Reste des Petrus ihren Weg nach Sant Pere de Rodes, wurde das Kloster nach dem Apostel benannt und die Verehrung des Kreuzes in ihm begründet. 

Eine Erweiterung der Legende erzähltals die Geistlichen nicht nach Rom zurückkamen, schickte der Papst einen Bischof aus. Dieser wurde von den Zurückgebliebenen vergiftet und starb. Seine Diener betteten ihn zur Ruhe, er wuchs ins Riesenhafte und bildete das Montgrí-Massiv. Dort wartet er bis zur Wiederkunft Christi, um dem Papst von seiner Treue und der vergeblichen Mission zu berichten.  

Von den Gipfeln der Serra de Rodes und von Roses aus gesehen, kann man tatsächlich in dem Gebirgszug einen “schlafenden Bischof” mit Bischofsmützehochgestrecktem Ringfinger (die Burg auf dem Montgrí) und langgezogenen Beinen erkennen. 

Es ist nicht mehr zu entscheiden, ob der Kern der Gründungslegende auf wahren Begebenheiten beruht oder ob die Erzählung eine Erfindung der Mönche ist.  

Fest steht, dass Rom zur Zeit von Bonifatius IV. von den Langobarden bedroht wurde. 614 hatten die persischen Sassaniden Jerusalem erobert und das heilige Kreuz nach Persien gebracht. Es ist also durchaus wahrscheinlichdass Bonifatius um die Sicherheit der Petrus-Reliquien in Rom besorgt war. Bonifatius war ein Reliquiensammler und auf einem Konzil 610 ging es u.a. um Fragen zu Reliquien. Auch war der Papst mit der Kirche in Gallien verbunden, wohin die Mönche der Legende nach geschickt wurden. 

Andererseits ist die Ähnlichkeit der Legende vom Weg der Petrus-Reliquien nach Sant Pere des Rodes mit der Legende von der Überführung der Jakobus-Reliquien nach Iberien auf einem Schiff nicht zu verkennen. Es liegt also nahe zu vermuten, dass die Legende der Petrus-Reliquien von den Mönchen von Sant Pere de Rodes in Analogie zur Jakobus-Legende geschaffen wurde. Schließlich war Santiago ja das große Konkurrenz-Pilgerziel zu Sant Pere de Rodes. 

Ob Haupt und Arm des Apostelfürsten wirklich in Sant Pere de Rodes war, darüber werden wir noch später sprechen. 

Der "Brunnen der Mönche" vor dem Kloster Sante Pere de Rodes und ein in einer Kapelle der Kathedrale von Valencia gezeigter Kelch. Der Brunnen verweist auf das "Wasser zum ewigen Leben", das Jesus spendet. Die Achatschale des Kelches soll der Abendmahlskelch Jesu und der "Gral" der Parzivalerzählungen sein. (Gradale lat. flache Schale). Der Gral erhält nach Chrétien von Troyes Gralserzählung (um 1180) den kranken Gralskönig mit himmlischen Getränk und einer Hostie am Leben. (W. Janzen, La Arqueta, S. 167 f., 185 ff.)

Eine neben dem Brunnen angebrachte Tafel mit einem Gedicht "DER BRUNNEN" der katalanischen Schriftstellerin Viktor Català (Catarina Albert - 1869 -1966)
Eine neben dem Brunnen angebrachte Tafel mit einem Gedicht "DER BRUNNEN" der katalanischen Schriftstellerin Viktor Català (Catarina Albert - 1869 -1966)

Es leuchtet das Blau des Himmels -

Kontur der Möve hoch oben.

Kristalline Wasserschale

gibt der Umfriedung Frische und Himmelstimme.

Feiner Brunnenstrahl rinnt zwischen Myrte, Lorbeer und Rosen.

Tausend köstliche Düfte erfüllen die Luft zur Genüge.

Nah hört man das Meer schnaufen,

es antwortet die Nachtigall,

lebt im heiter-göttlichen Fest

zwischen Aromen, Himmel und Meer.

Die Anlage eines Benediktiner-Klosters – nicht nur architektonische Zweckmäßigkeit 

Im Empfangsraum werden wir als angemeldete Gruppe freundlich empfangen – nicht mit Friedenskuss, aber mit dem Wunsch eines “guten Besuchs”, nachdem wir unseren Obulus bezahlt haben. 

Wir treten aus dem jetzigem Empfangsgebäude, früher waren das Wirtschaftsräume, die ab dem 17. Jahrhunderdem Kloster angefügt wurden. Vor uns blicken wir in einen Hof unter uns, hinter dem sich die eigentliche “Klausur erhebt. Das Wort Kloster kommt von “Klausur”, abgeschlossener RaumBis auf die Kirche war dieser Bereich im allgemeinen den Mönchen vorbehalten. Die Benediktinermönche durften aber im Gegensatz zu anderen Orden für bestimmte Aufträge das Kloster verlassen.  

Links führen Treppen zu den Vorbauten zur Kirche hinunter. Rechts sehen wir eine zweistöckige Gebäudefront mit Fenstern, flankiert links vom Glockenturm und rechts vom Wehrturm, mehr links liegt ein Eingang zum Kloster. Ein früherer Eingang lag tiefer und wurde mit einer Glaskonstruktion bedeckt. Die Hoffläche rechts war ein später aufgeschüttetes Gräberfeld. Auf dem Platz zur Kirchen-Vorhalle sind noch einige Grabmale zu sehen.  

Wer es sich leisten konnte, erwarb durch eine Spende das Recht sich hier, vor dem Kloster, “bei den Heiligen” bestatten zu lassen. Man erhoffte sich beim Jüngsten Gericht Vorteile, d.h. Fürsprache von den “Heiligen”, in diesem Fall von bewährten Mönchen.  

Mit Hilfe eines Plans erkläre ich die Anlage eines Benediktinerklosters. Dessen früheste Darstellung ist der Ideal-Plan aus dem Kloster St. Gallenentstanden um 825 in der karolingischen Zeit. Dies hier ist eine eigene Zeichnung.

 

Plan des Klosters Sant Pere de Rodes

Quelle: W. Janzen, La Arqueta, S. 195
Quelle: W. Janzen, La Arqueta, S. 195

1 Kirchenvorhalle (Narthex) mit Vorplatz 2 Mittelschiff und Seitenschiffe der Kirche  3 Chor-/Altarraum mit drei Absiden, unterem und oberem Umgang, darunter Krypta,  davor Transsept (Querschiff) 4 Vorhof mit überdeckten Grabstätten / Links angebaut: Sakristeien 5 Empfangsraum, darüber eine zweite Ebenen mit ehemaligen Einzelzellen 6/7 Glocken- und Wehrturm 8 Neuerer Kreuzgang, darunter im Osten alter Kreuzgang 9 Vorratsraum 10 Refektorium (Esssaal), am Westende früher Küche 11 Kapitelsaal  (Versammlungsraum), darüber Dormitorium (Schlafsaal) - nicht mehr vorhanden 12 späteres Abtshaus 13 Grundmauern eines spätantiken Gebäudes.

Die Anlage eines solchen Klosters beruht nicht nur auf architektonischer Zweckmäßigkeit, sondern hat tiefere, symbolische Bedeutung.  

Die Kirche liegt im Norden, Bollwerk gegen die bösen Mächte, die nach biblischer Tradition aus dem Norden kommen. Sie ist nach Osten gerichtet, dem Aufgang der Sonne zu und der Herkunft und Wiederkunft Christi. Die Kirche und das anliegenden “Scriptorium” (Schreibsaal) bzw. die Bibliothek ist dem “Spiritus”, dem “Geist”, zugeordnet.  Der Osten mit dem “Dormitorium, dem Schlafsaal der Mönche, und dem darunter liegenden “Kapitelsaal”, entspricht der “Anima”, der “Seele”. Im Süden liegt das “Refektorium”, der Esssaal mit der Küche. Diese Anlagen entsprechen dem “Corpus”, dem “Körper”. Im Westen liegen die Vorhalle zur Kirche (Paradies, Galiläa”, Narthex)der Eingang und Empfangsraum des Klosters und die WirtschaftsräumeDer Westen ist die Richtung zur profanen Welt. In der Mitte der Anlage liegt der Kreuzgang, der alle Gebäude verbindet. Er ist die Mitte des täglichen Lebens der Mönche. Außerhalb der Klausur – an günstiger Stelle - liegt der Klostergarten, im Falle von Sant Pere de Rodes im Südosten.

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