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09.04.19: Parc de la Ciutadela - Museu Blau

25.04.19: Fortales Sant Julià de Ramis

20.04.19 : Aiguamolls - Castellò Museu/ Fages de Climent

09.04.2019: Ein Spaziergang durch den Parc de la Ciutadela - und eine Reise durch die Evolution des Lebens im Museu Blau

Der Parc de la Ciutadela:                                                            Oase der Erholung - Freiluftmuseum der Geschichte

Ankunft am "Französischen Bahnhof"

 

Wie immer, wenn wir nach Barcelona fahren, nehmen wir den angenehmsten Weg - wir fahren mit dem Zug. Wir kommen in der Estació de França an. Der Bahnhof präsentiert sich uns - seitdem er renoviert wurde - in alter Pracht. 1929, zur Weltausstellung, erhielt er sein heutiges "modernistisches" Aussehen. Seinerzeit war er der Zentralbahnhof Barcelonas, in dem alle internationalen Züge einliefen. Heute dient er nur noch als Endstation für regionale und spanische Verbindungen. Er wird noch mehr an Bedeutung verlieren, wenn der gigantische Bahnhof La Sagrera eröffnet wird, in dem der gesamte öffentliche Verkehr Barcelonas gebündelt werden soll. Dann wird der "Französische Bahnhof" wohl nur noch Museum sein und von den alten Zeiten des Bahnverkehrs träumen lassen.

 

Die Avinguda Marquès de l´Argentera und ein Bauhaus-Hotel 

 

Nach gebührender Bewunderung treten wir auf die Straße Marquès de l´Argentera hinaus. Das ist ein breiter Boulevard, gesäumt von großen klassizistischen Mietshäusern und dem barock-ausladenden Palast des spanischen Gouverneurs. Auf der Straße herrscht reger Verkehr, auf den breiten Gehwegen flanieren dichte Menschenreihen, viele Touristen. Die Avenida scheint sich zur zweiten Rambla zu entwickeln. Gegenüber dem Bahnhof fällt ein schmales hohes Gebäude aus dem Rahmen der klassizistischen Häuserfront heraus, schnörkellos-sachlich steigen gestaffelte Balkonreihen empor - Bauhaus-Stil in Barcelona. Es ist das Park Hotel. In einem Straßencafé nimmt unsere Gruppe den obligaten Kaffee zu sich, ich trete durch ein Holzportal  in die nüchterne Empfangshalle des Hotels ein und bestelle für uns einen Tisch für die Mittagspause. Im Restaurant Ten´s kreiert der Michelinsterne-Koch Jordi Cruz Tapas - wie auch in dem Museums-Restaurant der Fortalesa Sant Julià de Ramis, das wir zuletzt besucht haben.

 

Eintritt in den Parc de la Ciutadela - Schauplatz einer Weltausstellung

 

Nach wenigen Schritten erreichen wir das Eingangstor zum Parc de la Ciutadella. Das Tor ist abgesperrt, Polizei verweist uns auf einen Seiteneingang. Ein Kordon der blauen Mannschaftswagen der Mossos, der katalanischen Polizei, und Absperrgitter umgeben weiträumig das Areal des katalanischen Parlaments im Inneren des Parks. Von den in dichten Reihen stehenden Polizisten erfahren wir, das eine "Manifestation" erwartet wird. Später nähert sich der Demonstrationszug, in dem katalanischen Fahnen geschwenkt werden und laute Sprechchöre erschallen. Man will offenbar verhindern, dass der Zug vor das Parlament gelangt.

 

Ehe wir in das Gelände des Parks eintreten, nehmen wir die Figuren auf Podesten wahr, die rechts und links das Eingangstor flankieren. Durch ihre Symbolik ist es nicht schwer zu erraten, was sie darstellen: "Landwirtschaft" und "Seewesen", die traditionellen Stützen der Wirtschaft Barcelonas. Das verweist uns auf die Gründungszeit des Parks. Seine grundlegende Ausgestaltung erfuhr er für die "Exposición Universal", die "Weltausstellung" 1888. Diese Ausstellung, in die der Park einbezogen wurde, sollte den wirtschaftlichen, industriell-technischen und wissenschaftlich-kulturellen "Fortschritt" Kataloniens zeigen. Nach einer kurzen und turbulenten Zeit des Republikanismus hatte die bourbonische Monarchie wieder Fuß gefasst. Das wohlhabende katalanische Bürgertum hatte seinen Frieden mit der Monarchie gemacht. Sie versprach Stabilität. Maria Christina von Österreich, die Regentin Spaniens, eröffnete die Ausstellung, den zweijährigen Sohn und König Alfons XIII. an der Hand. 2,3 Millionen Menschen aus aller Welt besuchten und 12 900 Aussteller beschickten das Großereignis. Die Weltausstellung hat das Gesicht Barcelonas in manchen Bereichen verändert: der Passeig Colom wurde geschaffen und die Kolumbusstatue - Zeichen der  Seeorientierung und Weltoffenheit der Stadt. 

 

Ein General, das Deutsche Reich und die Entstehung des Parks

 

Normalerweise begrüßt die Statue eines militärisch gewandeten Mannes hoch zu Ross die in den Park Eintretenden. Wir konnten uns ihm nicht nähern, die Polizei hatte die Rotunde, auf der das Monument steht, abgesperrt. So konnten wir auch nicht die Szenen aus seiner Laufbahn, die den Sockel bedecken, zu Kenntnis nehmen. Es handelt sich um den General Joan Prim (1814-1870). Seine Statue im Park wurde 1887 geschaffen, im Bürgerkrieg eingeschmolzen und 1948 von dem Bildhauer Marès neu gestaltet. Der aus Reus stammende liberale General hatte eine abenteuerliche Laufbahn als Militär und Konspirateur hinter sich, als  er an der Spitze der "Glorreichen Revolution" 1858 die Herrschaft der Bourbonen beendete und eine republikanische Monarchie einführte.

 

Indirekt hängt die Entstehung des deutschen Reiches mit ihm zusammen. Man suchte eine geeigneten Regenten für Spanien, ein Bourbone sollte es nicht sein, und so verfiel man auf die Idee, den preußischen Prinzen Leopold, aus dem Hause Hohenzollern-Sigmaringen, die spanische Krone  anzutragen. Das passte aber dem französischen Kaiser Napoleon III. gar nicht, da Frankreich mit Preußen um die Vorherrschaft in Europa konkurrierte. Der französische Botschafter verlangte vom deutschen König Wilhelm I., der in Bad Ems zur Kur weilte, den Verzicht auf jegliche Kandidatur eines Hohenzollern auf den spanischen Königsthron, dies obwohl Leopold eine Wahl schon abgelehnt hatte.  Wilhelm verweigerte eine solche Zusage. Der Berater Wilhelms, Heinrich Abeken, informierte Otto von Bismarck über die Vorgänge in einem Telegramm, der sogenannten "Emser Depesche". Sie wurde  in unterschiedlichem Wortlaut in Deutschland und in Frankreich veröffentlicht. Der verschärfte Wortlaut der Depesche führte zur Kriegserklärung Frankreichs an Preußen und damit zum Französisch-Deutschen Krieg 1870/71, aus dem das neue Deutsche (Kaiser-)Reich hervorging.

 

Prim erlebte das Ende des Krieges allerdings nicht mehr, da er 1870 von Unbekannten ermordet wurde. 

Die Anlage des Parks geht auf eine Schenkung des Generals als spanischer Ministerpräsident und Kriegsminister zurück. Er schenkte 1858 das Gelände der Zitadelle der Stadt Barcelona mit der Auflage, einen öffentlichen Garten daraus zu machen. Die Zitadelle war 1614 nach Belagerung und Eroberung Barcelonas durch die bourbonischen Truppen Philipps V. zur Niederhaltung der aufmüpfigen Einwohner Barcelonas errichtet worden. Die Bewohner des Stadtteils Ribera wurden entschädigungslos enteignet und umgesiedelt. Baumeister der Festung war der flämische Militärarchitekt Jorge Próspero de Verboom.

Ein Inschriftenstein hält die Übergabe und den Abriss der Festung fest: 

 

„Die Tyrannei Philip V., des ersten bourbonischen Königs, errichtete diese Festung. Die Freiheit riss sie nieder, nachdem der letzte Bourbone aus Spanien vertrieben wurde. Das Gesetz vom 18. Dezember 1869 übereignete ihr ganzes Areal der Stadt Barcelona. Das Rathaus ergriff am 21. desselben Monats von ihr Besitz. Es lebe die nationale Unabhängigkeit!“

 

Leitende Ideen bei der Errichtung des Parkes war, einen öffentlichen Erholungsraum als Ausgleich für Großstadtleben und Industrialisierung zu schaffen und dabei Pflanzen und Menschen zusammenzubringen. Darüber hinaus sollte der Park Raum für die Darstellung von Wissenschaften und Künsten bieten. Von Anfang an hatte der Park neben dem Erholungsaspekt einen didaktischen Zweck. Er sollte den Besucher belehren. Die Zwecksetzung entsprach den liberalen und sozialen Ideen des in der Revolution an die Macht gekommenen Bürgertums.

 

Der rührige Bürgermeister Rius i Taulet treibt die Planung voran. Bei den Ausschreibungen 1872 erhält der Architekt Josep Fontserè i Mestre den Zuschlag (er erbaute auch die Markthalle El Born). Die Ausschreibungen standen unter dem Thema:

Die Gärten sind für die Städte das, was für den Menschen die Lungen sind.“

Der Gang durch den Park: Jugendstilbauten, Skulpturen und ein Begrüßungstor

Am Anfang unseres Rundgangs stoßen wir auf eine der vielen Skulpturengestaltungen im Park: einen Brunnen mit den Figuren eines Fuchses und Storches, vor ihnen ein Krug. Die Gestaltung geht auf eine Fabel Aesops zurück, in der der Fuchs den Storch bei einer Einladung hereinlegt - er setzt ihm die Speisen auf einem flachen Teller vor, sodass der Storch sie nicht aufnehmen kann. Der Storch revanchiert sich, indem er dem Fuchs die Speisen in einem Krug anbietet, in den der Fuchs nicht gelangen kann.

Von dem Brunnen aus blicken wir auf das lebhafte Getriebe des Parks: Menschen haben sich auf dem Rasen gelagert, andere spazieren über die Wege, Kinder und Hunde tollen umher, einen Kontrapunkt bilden Afrikaner, die große Tücher mit bunten Dekorationen zum Verkauf ausgebreitet haben: die Erholungsfunktion des Parkes wird von vielen Menschen wahrgenommen.

Nach einigen Schritten gelangen wir an das große Gebäude des 1884/88 von Fontserè errichtete Umbracle, einem Gewächshaus für tropische Pflanzen. Wir treten ein und wandeln unter Palmen, blicken auf die Eisengerüste, die  die Glaskonstruktion tragen, hölzerne Querleisten spenden Schatten, eiserne Bänke laden zum Verweilen ein. Seinen Namen hat die Konstruktion von dem lateinischen Wort "Umbra" = Schatten, den die die Urwaldgewächse brauchen.

An das Umbracle schließt sich ein langgestreckter klassizistischer Bau an. Die großen , an seiner Front aufgestellten Steine mit Beschriftung zeigen an, dass es sich um das ehemalige Museum der Geologie handelt. Die säulengeschmückte Vorhalle wird von den Statuen zweier Naturforscher des 18. Jahrhundert flankiert ( ein Botaniker und ein Kartograph). Eine Tafel belehrt uns, dass das Gebäude 1879 bis 1882 von dem Baumeister Rovira i Trias errichtet wurde. Es war das erste öffentliche Museum Barcelonas - es nahm die große geologische und archäologische Sammlung des Antiquitätenhändlers Martorell auf. Die Tür ist verschlossen, der Portier schüttelt den Kopf, man wünscht nicht, dass Touristen eintreten, nur angemeldete Wissenschaftler werden in die Bibliothek eingelassen.

Dann blicken wir in ein weiteres Glas-Eisengebäude hinein: das Hivernacle, ein Wintergarten, auch für tropische Pflanzen 1884 angelegt. Die Anlage macht einen verlassenen Eindruck. Auch hier gibt es keinen Zutritt.

Nun erhebt sich vor uns eine romantische Burg mit vier Ecktürmen: das "Castell de Tres Dragons". So heißt der Bau volkstümlich, nach einer seinerzeit viel besuchten Ritter-Liebes-Komödie des Dichters Serafí Pitarra (Frederic Soler, 1839-1895). Sie spielt im Schloss der Barone von den "Drei Drachen". Das Gebäude wurde von dem Architekten Domènec i Montaner 1887/88 als Restaurant für die Weltausstellung entworfen. Das Castell steht am Anfang der modernistischen Bauwerke Barcelonas. Der Baumeister verwendete traditionelle katalanische Stilelemente und Baustoffe - wie die roten Backsteine der Wände - aber auch moderne Materialien u. a. Eisenträger ( man sieht sie oberhalb der Fenster). Die weißen Wappen mit Symbolen von animalischen und pflanzlichen Lebewesen unterhalb des Dachtraufes weisen darauf hin, dass in dem Castell ab 1920 das Zoologische Museum untergebracht war ( heute befindet sich der größte Teil der naturwissenschaftlichen Sammlungen im "Museu Blau".) Wegen einer Renovierung kann das Innere des Gebäudes nicht besichtigt werden, nur Forscher erhalten zu Teilen Zugang. Der Wissenschaftsaspekt des Parkes ist heutzutage - bis auf das Umbracle - nur von außen erlebbar!

Wir gehen weiter und blicken durch das zweiten große Eingangstor mit den Statuen von "Industrie" und "Handel" auf den Passeig Luís Companys. Im Hintergrund erhebt sich der Arc de Triomf, auf dessen Friesen Barcelona die Besucher der Weltausstellung bewillkommnet(erbaut von Josep Vilaseca i Casanovas 1888). Im Vordergrund zieht das Monument für den Bürgermeister Rius i Taulet  den Blick auf sich (1897/1901). Wir beachten auch die kunstvollen und ausladenden eisernen Lampengestelle, die die Straße säumen. Ihre - im Gegensatz zu Gaslaternen - herabhängenden Leuchtkörper bezeugen, dass sie elektrisch betrieben werden, eine viel beachtete Neuerung bei der Weltausstellung. Der Arc war das Eingangstor zur Weltausstellung. Von hier strömten seinerzeit die Besucher nach ihrer Ankunft am heute verschwundenen Nordbahnhof ins Ausstellungsgelände, an repräsentativen Bauten, u. a. dem Justizpalast, vorbei. Heute wälzen sich Massen an Touristen den Passeig hinunter, meistenteils wohl unbeleckt von der Geschichte und den Geschichten, die sich hinter den Monumenten um und im Park verbergen.

Rechts vom Tor erblicken wir eine Montage, die alt und neu vermischt: große rostige Industrieräder verbunden mit einer Wandgestell aus Metall- und Blechteilen, in denen das Radthema wieder aufgenommen wird. Wir haben das Symbol des Rades schon am Eingangstor bei der Statue der "Industria" gefunden. Soll das Gebilde die Brüchigkeit des technisch-industriellen Fortschrittes darstellen? Die Installation wurde zum 100jährigen Jubiläum der Weltausstellung 1988 von Antonio Clavé geschaffen. Auf unserem weiteren Gang kommen wir an einer wohlgestalteten weiblichen Figur vorbei, die zwar ein Gewand um die Schulter geworfen hat, vorne aber unbedeckt ist. Die Schöne bleibt namenlos, wohingegen die Büsten der katalanischen Schriftsteller, an denen wir vorbeikommen, mit Namen versehen sind. Ich betrete eine Rotunde mit einer solchen Büste: die "Glorietta Bonaventura Carles Aribau." Das Gedicht, das ihn berühmt gemacht hat und ihm das Gedenken der Katalanen sichert, ist die "Ode an das Vaterland." (1833) In ihr beschwört er die katalanische Heimat und die katalanische Sprache:

"Wie gern spreche ich die Sprache jener Weisen, / die die Welt mit ihren Sitten und Gesetzen beschenkten,/ die Sprache der Edlen, die die Könige achteten, / die ihre Rechte verteidigten und Angriffe rächten."

Das ist der Ton der Renaixença, derjenigen Bewegung im 19. Jahrhundert, die die katalanische Sprache, Literatur und Kunst durch Aufnahme heimischer Traditionen neu beleben wollte. Auch der "Modernisme", der katalanische "Jugendstil", ist ein Produkt jener Bestrebungen. Der Parc de la Ciutadela hat dieser Bewegung viel zu verdanken. So finden gleich am Eingang des Parkes auch die Büste des Gelehrten Milà i Fontanals (1818-1884), der die Wiederbelebung der mittelalterlichen Dichterwettbewerbe , der Joc Florals, 1859 in Barcelona inspirierte. Die Idee, verdienten Persönlichkeiten der katalanischen Literatur Büsten zu weihen, entstand zum 50. Jahrestag der Wiedereinführung der Joc Florals. So soll der Park die Besucher auch an die "Kulturnation"  Katalonien erinnern. Ob die Besucher das noch heute wahrnehmen, ist allerdings eine Frage. Aber wo bleiben in dieser Galerie berühmter Katalanen die Frauen? Frauengestalten erscheinen im Park nackt, als Repräsentantinnen der überpersönlichen natürlichen Schönheit, als Objekte des männlichen Wohlgefallens, als mythische Figuren, nicht als Vertreterinnen von Kunst und Geist. Eine Ausnahme haben wir entdeckt, etwas versteckt: die Büste der Malerin Pepita Teixidor (1875-1914).

Highlight des Parkes - die Große Kaskade

Und nun gelangen wir zum Höhepunkt der Sehenswürdigkeiten im Garten: dem gigantischen "Brunnen der Kaskade" - 1881 eingeweiht, noch unfertig, erst zur Weltausstellung war das Werk vollendet. Das vielgestaltige Ensemble erhebt sich über einem großen freien Platz wie eine römische Theaterbühne über dem Zuschauerrund. Aus dem unteren der zwei stufenförmig angelegten Becken entspringen Fontänen, aus dem oberen steigen wasserspeiende Greife empor. Über moosige Felsen strömt die Kaskade durch wucherndes Grün in den Brunnen hinab, gekrönt und umgeben von der Skulpturengruppe, die die Geburt der Venus zeigt. Triumphierend mit erhobenen Armen  steigt sie aus der Muschelschale, nur in den unteren Teilen von einem fallenden Gewand bedeckt, begleitet von zwei Nereiden (Wasserfrauen). Von der Seite blicken bärtige Männerfiguren bewundernd zu ihr auf, an ihren Attributen als Faunus und Pan, Götter der Natur und Fruchtbarkeit, erkennbar, ganz rechts unten Neptun mit dem Dreizack, winzig erscheinend in der Gesamtkomposition, ihm gegenüber steht die Wassergöttin Amphitrite, seine Gemahlin; aus den Felsen der Kaskade springen geflügelte Pferde mit schuppigen Seeungeheuerschwänzen - als ob sie einen Thronwagen der Göttin ziehen wollten. Alles ist in Bewegung in der Komposition.

Tempelartig umgibt ein Gebäude mit zwei kleineren und einem großen Tor die Kaskade mit der Figurengruppe, lässt Licht und blauen Himmel hindurchscheinen. Auf einem Sockel über der Dachfläche erglänzt golden die Quadriga der Aurora, der Morgenröte - wohl das aufsteigende Licht der republikanischen Ideale Vernunft und Freiheit symbolisierend. Zur Aussichtsplattform steigt man über weit geschwungene Treppen hinauf. Wie die Scheren eines Krebses, dessen runden Körper die Brunnenbecken bilden, umgreifen sie die Anlage. Die Plattform hinter dem Torgebäude wird durch einen kleineren kastenförmigen Bau begrenzt. Eine Inschrift über einem Eingang weist darauf hin, dass man einst hier in ein "Aquarium" eintreten konnte. Das Ganze eine Hommage an die Seestadt Barcelona, die Erinnerung an die antike Vergangenheit, die aufblühende Stadt und ihr Umfeld, die Werte Wachstum, Aufschwung und bürgerliche Prosperität, wie sie in der Ausstellung 1888 ihren Ausdruck fanden. 

Auf dem Platz vor dem Brunnen stehen Tische und Stühle, ein Kiosk bietet Erfrischungen und Stärkung an. Wir setzen uns und nehmen einen Kaffee zu uns. Von hier aus überblicken wir das gewaltige Monument in seiner ganzen Ausdehnung. Menschen, die auf ihm herumkrabbeln, erscheinen winzig.

Das Werk wurde von dem Architekten Fontserè initiiert, andere Baumeister und Bildhauer wirkten mit, auch der junge Gaudí soll als Architekturstudent beteiligt gewesen sein. Ihm werden die Hydraulik der Anlage, eine Grotte unterhalb, zwei Medaillons mit Eidechsen am Zugang zum Aquarium und verschiedene Verzierungen zugeschrieben.

Ein Mammut im Park

Wir wollen unseren Augen nicht trauen: seitwärts blickt zwischen den Bäumen eine Mammutfigur mit riesigen, erhobenen Stoßzähnen zu uns herüber. Wir gehen zu dem Koloss. Kinder betasten die lebendig wirkende grau-braune Gestalt und erspüren die raue Zementhaut. (Zement als Material für Tierplastiken war eine Neuerung!) 1907 wurde das Monument aufgestellt, weitere Urtiere wie Dinosaurier sollten folgen, doch die Einrichtung eines Jurassic Parks im Zitadellenpark unterblieb. Das Ganze geht auf die Initiative zweier Geistlichen zurück, die auch Paläontologen und Geologen waren - sie wollten mit ihren Projekten nicht nur belehrende Spielobjekte schaffen, sondern auch auf anschauliche Weise biblische Erzählungen (wie die von Drachen) und Fossilienforschung (Paläontologie) zusammenbringen. Der 1892 eröffnete Zoo bot Ersatz für die ausgebliebenen Kunsttiere. Er nahm eine private zoologische Sammlung auf. Eines der populärsten Tiere war ein Elefant. In Barcelona wird erzählt, das Mammut sei eine Nachbildung der Elefantendame Julià, die 1915 dem Zoo von dem vertriebenen und in Barcelona residierenden Sultan von Marokko Muley Abd-al-Hafiz als Gefährtin des Elefantenbullen Avi geschenkt wurde.

Drei Gebäude der alten Zitadelle blieben erhalten 

Vom Mammut-Elefanten aus wollen wir zum katalanischen Parlament durchschreiten, aber die polizeilichen Absperrungen hindern uns. Wir umrunden einen See dessen Ufer von exotischen Bäumen mit mächtigen Wurzeln und Stämmen gesäumt werden.

Wir können nur einen Blick aus der Ferne auf die drei Gebäude werfen, die von der alten Zitadelle erhalten blieben. Sie stehen nebeneinander: das Arsenal, in dem einst die Waffen zur Unterdrückung der Katalanen lagerten, in der Ausstellungszeit zum Kunstmuseum umgewandelt, in der Zweiten Republik und seit 1980 wieder Parlamentsgebäude, dann der Gouverneurspalast, als "Institut Verdaguer" schon in der Republik Schule der Generalität und schließlich die Kapelle der Garnison, auch heute noch dem Militär vorbehalten. Einträchtig wehen auf dem Parlamentsgebäude die spanische und die katalanische Flagge, eine Eintracht, die in den Debatten in den Sälen des Parlaments längst geschwunden ist.

Leider können wir - bedingt durch die Absperrungen - auch die Kopie der Jugendstil-Statue der "Desconsol", der "Betrübten", von Josep Llimona (1917) nicht sehen und uns fragen, warum sie so betrübt im See vor dem Parlament liegt. Ebenso wenig dürfen wir einen Blick auf den nackten Bronze-Jüngling (Josep Clarà 1922) werfen, der katholische Jugendliche in der Franco-Zeit so ärgerte, dass sie seine Blöße bedeckten. Die Figur soll an die 14 000 katalanischen Freiwilligen erinnern, die im ersten Weltkrieg an der Seite von Franzosen kämpften und fielen. Auch zum Eingang des Zoos mit dem Monument für Walt Disney können wir nicht vordringen.

Aber wir haben auch so genug gesehen und wollen den Park verlassen. 

Ein Monument für Picasso

Die Pforte, durch die wir gekommen sind, ist wegen des vorbeiziehenden Demonstrationszuges versperrt. Wir müssen zu einem Ausgang beim Umbracle ausweichen. Das bietet uns die Gelegenheit, einen Blick auf die  außerhalb der Parkbegrenzungen liegende,  von Antoni Tàpies 1981 geschaffene und umstrittene "Homenaje a Picasso" zu werfen. In einem quadratischen Wasserbecken steht ein Glaswürfel, an dessen inneren Wänden Wasser herunterläuft. Durch die verhangenen Scheiben schaut man auf ein Sofa, einen Spiegel und eine Kommode, Möbel aus der Zeit, in der Picasso in Barcelona lebte.

Schauplatz eines Kriminalromans - das Park Hotel 

Wir überqueren den Passeig Picasso und gelangen wieder auf die Avinguda del Marquès de l´Argentera. In dem hellen und modern eingerichteten Restaurant des Park Hotels nehmen wir Platz. Die Bedienung ist freundlich, die Tapasportionen sind klein, aber ansprechend angerichtet und schmecken gut. Für die Kreationen eines Sternekochs muss man eben auf Masse verzichten und auch etwas mehr als sonst drauflegen. 

Nach dem Essen haben wir die Erlaubnis bekommen, die Dachterrasse zu besuchen. Wir benutzen nicht die stylische Wendeltreppe, sondern fahren mit dem Fahrstuhl hoch. Oben finden wir ein blauschimmerndes Schwimmbecken, weiße Liegestühle, auf denen sich attraktive Damen im Bikini sonnen und eine Pflanzenwand in Kübeln. Wir blicken über die Mauern auf das Gewirr der Dächer, die alten Kirchen mit ihren Türmen, die modernen Hochhäuser Barcelonas, auf die die Stadt begrenzenden Erhebungen und das Meer.

Hier oben spielt sich eine entscheidende Szene des von mir geschriebenen und  noch nicht veröffentlichten Kriminalromans mit dem Titel "La Arqueta" (das Kästchen) ab. In dem Roman geht es um ein kostbares Kästchen, das auf der Burg Salvador de Verdera im Empordà als Gral verehrt wurde. Ein Geschichtslehrer, Michael,  der sich auf die Suche nach dem Kästchen gemacht hatte, wird  in einer rheinischen Kleinstadt tot aufgefunden. Der Hauptheld des Romans, Hendrik, ein Geowissenschaftler, findet die Leiche und geht den Spuren des Toten nach. Sie führen ihn nach Katalonien. Ein Diamantenhändler aus Barcelona will Hendrik als Mitarbeiter für den Abbau von schwarzen Diamanten in Spanien gewinnen. Nach einem Essen mit dem Diamantenhändler, einem Mitarbeiter und seiner attraktiven Sekretärin Marisol im Restaurant des Park Hotels, nimmt ihn Marisol zu nächtlicher Stunde auf die Dachterrasse des Hotels mit. Hier gesteht sie ihm, dass sie weiß, wie Michael ums Leben kam.

Das "Blaue Museum" und die Ausstellung "Der Lebensplanet" - Eine Reise durch die Evolutionsgeschichte

Wir verlassen Dachterrasse und Hotel und fahren mit der Metro zur Station Maresme/Forum. Von dort haben wir noch ein Stückchen zu laufen, bis wir das hypermoderne Telefónica-Hochhaus und ein extravagantes Gebäude daneben mit der Aufschrift "Nat" erblicken. (Die Abkürzung steht für die naturwissenschaftlichen Museen der Stadt.) Das für uns noch unüberschaubare Gebäude hat die Form eines großen dreieckigen Prismas und steht auf Stützen. Die Farbe der grobkörnigen Mörteloberfläche des Gebäudes ist blau - daher die Bezeichnung "Museu Blau". Helle horizontalen Streifen, in denen sich die Umgebung spiegelt. durchziehen die Wände. Für den auf dem umgebenden Platz ankommenden Besucher ragt die Spitze des Dreiecks wie ein schwebender Schiffskörper in den Raum. Offenbar symbolisiert seine Farbe das Blau des Meeres. Auch in den spiegelnden Flächen der Eingangshalle bilden prismatische Flächen die Grundmuster. Große Lichtschächte, die die Decken durchbrechen, haben dieselbe Struktur. Das bemerkenswerte Gebäude wurde 2004 von dem Schweizer Architekturbüro Herzog und de Meuron errichtet, im Zusammenhang mit dem "Universalen Forum der Kulturen", einem Großereignis, das - wie die Weltausstellungen und die Olympiade - auch wieder Züge des Gesichtes Barcelonas verändert hat.

Wir steigen in das erste Stockwerk des Museums zur Ausstellung "Planeta Vida" hinauf. Oben erwartet uns eine farbige Projektion der Erde, auf der sich rasend schnell die Bildung der Kontinente abzeichnet. Auf der anderen Seite wird die Entwicklung des Kosmos und der Erde im Schnelldurchlauf gezeigt.

 

Dann machen wir uns auf den Weg durch dunkel verhängte Gänge und Ausstellungsräume und folgen der Geschichte der Erde und der Evolution des Lebens, von den Anfängen im Erdaltertum bis zur heutigen Zeit. In den beleuchteten Schaukästen betrachten wir ausgewählte und oft seltene Schaustücke, die die Entwicklung veranschaulichen: Mineralien, Mikroben in Steinen, Einzeller, urtümliche Schalentiere und Pflanzen, altertümliche Fische und erste Wirbeltiere, Saurier und  Säugetiere, auch das Auftauchen der Primaten, der Menschen und schließlich die Artenvielfalt der heutigen Tier-und Pflanzenwelt wird gezeigt. Dabei wird unser Planet als ein großer Organismus verstanden, in dem alles zusammenhängt und voneinander abhängt. Schautafeln und audio-visuelle Stationen ergänzen die Schaustücke. Das ist alles sehr gut aufbereitet, angeordnet und dargestellt. 

 

Wir sind aber von dem, was wir heute schon gesehen und geleistet haben, erschöpft, die Zeit bis zur Abfahrt des Zuges drängt und so beschränken wir uns auf einen Schnelldurchgang durch die Räume. Eigentlich ist das schade, man sollte mehr Zeit für die sehenswerte und instruktive Ausstellung mitbringen.

 

Auf der Rückfahrt nach Figueres konstatieren wir: wieder haben wir Neues und Überaschendes im vielfältigen Barcelona entdeckt. 

 

Bildergalerie

Ich danke Manfred für zur Verfügung gestellte Aufnahmen. Die Bilder werden durch Anklicken vergrößert

Zugfahrt und Ankunft in der Estació de França

Avinguda del Marquès de l´Argentera und das Park Hotel

Parc de la Ciutadela:                                                                             Eingang mit Statuen der Landwirtschaft und Seefahrt, Umrissskizzen des Parks und der Festung, Brunnen des Fuchses, Reiterstatue des Generals Prim, Palmenhaus Umbracle, Museum der Geologie mit Naturforscherfiguren, Gewächshaus Hivernacle, Castel de Tres Dragons (Zoologisches Museum)

Parc de la Ciutadela:                                                                          Eingangstor mit Monument Rius i Taulet und Arc de Triompf im Hintergrund, Montage Clavé, Tücherverkauf, Monument des Dichters Aribau, Skulptur einer Nackten, Büste der Malerin Teixidor

Die große Kaskade

Kleine Pause - Das Mammut

Parc de la Ciutadela:                                                                       Exotischer Baum, Blick auf die Türme der Kapelle und des Gouverneurs-palastes, das katalanische Parlament

Die Picasso-Installation von Tàpies, der gegenüber liegende Eingang zur Markthalle El Born

Mittagspause im Parkhotel:                                                                          Vor dem Hotel, Ten´s Tapas Restaurant, Auf der Dachterasse

Museo Blau - Ausstellung "Planeta Vida"

25.04.2019: Eine Festung wurde renoviert - für Kostbarkeiten und Kunst (Sant Julià de Ramis)

Quelle: www.fortalesa.com
Quelle: www.fortalesa.com

Die Auffahrt zur Fortalesa Sant Julià de Ramis ist nicht leicht zu finden. Als wir nach der Fahrt auf einem kurvigen Bergsträßlein - die "Muntanya dels Sants Metges" hinauf - vor dem Eingang ankamen, erwartete uns eine schwer gesicherte Einfahrt. Wir waren angemeldet und so wurde die

Einfahrtsblockierung bald für uns abgesenkt. Wir schüttelten den Kopf über solche Sicherheitsmaßnahmen - hatte doch die Festung als militärische Anlage längst ausgedient. Doch nachdem wir die Schätze, die die Festung in sich birgt, besichtigt hatten, wussten wir, warum man solche Maßnahmen getroffen hat.

Oben auf einem der Parkplätze angekommen, wurden wir von einem der Wächter freundlich gebeten, unsere PKW korrekt abzustellen - allenthalben wird der Besucher zuvorkommend geleitet und gebeten, die Regeln einzuhalten. Am Personal wird offenbar nicht gespart, aber wie wir bald bemerkten, bei der Renovierung der Anlagen und der Ausstattung der Räume, die sich im Inneren der Festung befinden, wurden auch keine Kosten gescheut.

Vom Parkplatz aus fiel unser Blick in einen tiefen und breiten Graben, von gewaltigen Mauern gesäumt, über die sich dann die alten und neuen Gebäude der Anlage erheben - in den Berg gebaut, vom Tal aus nicht leicht auszumachen und in die Landschaft integriert. Das gelbraune Steingemäuer des alten Gebäude harmoniert gut mit den neuen rostbraunen Metallelementen und hellen Betonfassaden. Schon jetzt sehen wir an einigen Öffnungen, dass das alte Bauwerk von unterirdischen Gängen durchzogen sein muss.

Der Bau der Festung wurde 1893 begonnen und 1912 fertig gestellt. Festungsbau hat auf dem Bergzug "Tradition" - schon die Römer hatten unweit der neuen Festung ein Kastell erbaut, das "Castellum Fractum" (wir haben darüber berichtet: Berichte 2013). Die Anlage stellt gegenüber den barocken Grenzfestungen wie Ferran über Figueres oder Bellegard über Pertus, die nach dem "System Vauban" erbaut wurden, eine Neuerung da. Nach der Niederlage gegen das Deutsche Reich im Jahre 1870, der veränderten geopolitischen Situation und der militärischen Technologie, insbesondere der modernen Artillerie mit ihrer Zerstörungskraft und Präzision, waren die bisherigen Verteidigungssysteme obsolet geworden. In Frankreich entwickelte der Ingenieur und General Séré de Rivères, der "Vauban des 19. Jahrhunderts", wie er genannt wurde, ein neues Konzept der Grenzsicherung. Frankreich wurde von einer sogenannten "Eisenbarriere", einem Verbund von Befestigungen umgeben, die neuen Erfordernissen entsprechen sollten. Beim Bau der Anlagen wurde Beton verwendet, die Mannschaften in unterirdische Bunker und Gänge verlegt, Artilleriestellungen spielten eine beherrschende Rolle. Gegen anrückenden Infanterie schützte man sich durch große Gräben.

 

Auch in Spanien wollte man das System übernehmen und begann die Grenzen mit Festungen dieser Art zu sichern, wobei die Fortalesa Sant Juliá de Ramis die einzige dieser Art in Katalonien blieb. Da Spanien nicht in den ersten Weltkrieg eintrat, wurde der Festung aber keine große Beachtung zuteil und sie wurde erst 1916 mit einer Garnison versehen. Auch weiterhin spielte sie keine große Rolle. Nach dem Bürgerkrieg nutzte man sie als Wasserspeicher und dann als Munitionsdepot. 1963 wurden die Anlagen geschlossen, 1991 an ein Handelsunternehmen verkauft, das aber nichts zur Sicherung des Denkmals unternahm. Bis 2009 bot es einen verlassenen und verfallenen Anblick. Dies änderte sich als ein neuer Investor die Ruinen erwarb und ihre Erneuerung in Gang setzte.

 

Nach achtjährigen Arbeiten ist die Fortalezza seit 2018 nun wieder zugänglich. Ein eindrucksvolles Ensemble ist entstanden. Ein Hotel und ein Restaurant für gehobene Ansprüche wurde erbaut, ein reichhaltiges Schmuckmuseum mit Restaurant und weiträumige Kunstgalerien in die alten Bauwerke integriert. 

Auf dem Weg zum Museumsrestaurant - mit schönen Ausblicken auf Girona und die Pyrenäen - rätselten wir, wer hinter der kostenaufwendige Renovierung steht. Nachfragen beim Personal und spätere Recherchen im Internet erbrachten, dass es der Barceloneser Schmuckhändler Ramon Lopez Vergé ist. Er betreibt einen Schmuckhandel, D´Or Joiers S.A., der mit der Schmuckdesignerin Elsa Paretti und der Firma Tiffany verbunden ist. Lopez ca. 14 Millionen Euros in die Anlage investiert.

Schon die Eingangshalle ins Dor-Museum mit ihren audio-visuellen Einrichtungen, Lichteffekten und Ausstellungstücken ist äußerst aufwendig gestaltet. An großen Glassäulen und -wänden kann sich der Besucher mit Fingerberührungen über die Welt des Schmucks informieren. Durch dunkle unterirdische Gänge kommt er in helle Kammern, in deren Vitrinen eindrucksvolle Schmuckkunst ausgestellt ist. In den oberen Stockwerken trifft man auf eine umfangreiche Sammlung von Bildern und Skulpturen bekannter Künstler.

Nach oder vor dem Betreten der Ausstellungsräume wird man es nicht versäumen, die "Cupula" zu besichtigen, eine riesige leere Kuppelhalle mit Lichtöffnung in der Mitte der Kuppel.

Im oberen Bereich der Fortalesa ist der Zugang zum unterirdischen "Espai Quim Hereu", in dem der Gironeser Maler Quim Hereu ausstellt und arbeitet. Er nennt seine Malerei "estrambotico", d. h. sonderbar, extravagant. An kleineren Gemälden des Künstlers vorbei gelangt man in eine große Halle, deren Wände mit zwei riesigen Bildern bedeckt sind. Eine dritte Wand ist noch frei, es existiert lediglich ein Entwurf für ein Gemälde. Die Bilder sind in barocker Fülle gestaltet und von surrealistischen Einzelheiten erfüllt. Hieronymus Bosch und Dalí lassen grüßen! Das erste Bild zeigt die Geburt der Venus am Strand von L´Escala. Das zweite die nackte Gräfin Ermessenda auf einem weißen Pferd. ( Die einflussreiche und fromme Grafenwitwe und Regentin aus dem Anfang des 11. Jahrhunderts stiftete den Bau der romanischen Katedrale in Girona.) Die Gemäldetrilogie steht unter den Themen: Zeit, Macht und Freiheit - alles anscheinend in weiblicher Perspektive!

In der Mittagspause speisten wir im Museumsrestaurant. Das Menu wird wie die Angebote im Hotelrestaurant von dem Michelin-Sternekoch Jordi Cruz kreiiert - wir fanden das Preis-Leistungsverhältnis und das Essen sehr zufriedenstellend.

Am Ende unserer Besichtigungstour fuhren wir noch zur romanischen Wallfahrtskirche der "Sants Metges" hinauf. Sie ist den Medizinheiligen Cosmas und Damian geweiht. Anschließend schlenderten wir zum "Castellum Fractum", dem römischen Kastell, und warfen einen Blick auf die Ausgrabungsstätte. Das Ganze - ein lohnender und empfehlenswerter Ausflug!

 

Nachfolgend einige Bilder (durch Anklicken werden sie vergrößert)

 

20.04.2019:Fahrt mit dem Touristenzug durch die Aiguamolls - Auf den Spuren des Dichters Carles Fages de Climent

Durch die Aiguamolls

 

Jeder von uns Teilnehmern kennt die Aiguamolls, die "seichten Gewässer", das große Feuchtgebiet, das die Mündungsgebiete der Muga und des Fluvià sowie die Fläche des ehemaligen Sees von Castelló d´Empúries umfasst. "Llaunes", Lagunen am Meer, einige künstliche Seen, Salzwiesen, baumumstandene und von Entwässerungsgräben umgrenzte "closes", die als Weiden dienen, kennzeichnen das Gebiet. Das Naturschutzgebiet ist ein Eldorado für Vögel, aber auch manche andere selten gewordenen Lebewesen.

Kaum einer von uns wäre am Ostersamstag auf die Idee gekommen, einen Spaziergang durch die Aiguamolls zu machen. Wie wir sahen, nutzten zahlreiche Menschen das gute Wetter, um sich am frischen Grün  der Bäume, Büsche, Wiesen und Wasserpflanzen zu erfreuen oder an den Bänken und Tischen zu picknicken. Viel von der Tierwelt gab es da natürlich nicht zu sehen. Die Fahrt mit dem Touristenzug versprach neue Perspektiven und so bestiegen wir erwartungsfroh das gut gefüllte Bähnlein. Im Zockeltempo ging es über für den Zug fahrbare Straßen und Wegen zu einigen markanten Punkten des recht ausgedehnten Schutzgebietes.

David, ein Biologe von der Universität Barcelona, begleitete die Fahrt mit Erklärungen, wobei wir einiges Interessante erfuhren. Leider richtete sich seine Ansprache vor allem an die Katalanen, die englischen Erklärungen, die uns galten, gerieten etwas kurz. Trotzdem, manches war auch für uns neu: wer wusste z. B., dass die braunen Kühe, die auf den Wiesen weiden, eine eigenen autochthone Rasse sind, die "vaca marinera". Sie werden in den Aiguamolls vor dem Aussterben bewahrt. Wir erfuhren auch - wir wussten das, es sollte aber nicht vergessen werden - dass die Aiguamolls in den 70-ziger Jahren nur durch die Initiative von Naturschützern und einer Protestbewegung vor der Bebauung  mit einer riesigen Urbanisation gerettet wurden.

Der erste Halt war auf dem Parkplatz "Mas Mata". Von dort gingen wir zum Mas, das Informationen zum Naturpark bietet und an diesem Tag geöffnet war. Ursprünglich betrieb man auf dem Hof Reisanbau. Der Reis wurde in den drei großen "Senillosa"- Türmen getrocknet und gelagert, in Säcken mit luftdurchlässigem Gewebe, wie uns David mitteilte. Die Löcher in den Türmen waren dazu da, um den Wind durchzulassen. Die Säcke wanderten je nach Trocknungslage von Turm zu Turm. Da der Inhalt schrumpfte, konnte der dritte Turm niedriger sein als die anderen. Die Frage, was "Mata" bedeutet, wurde von David dahingehend beantwortet, dass es das Gas bezeichnet, das von faulenden und trocknenden Sumpfgräsern aufstieg. Auch was "Senillosa" (wörtlich "alter Stein") bedeutet, wurde uns erklärt. Es ist der Name der Familie, die hier den Reisanbau betrieb. Die Türme mit dem weiten Ausblick über die Umgegend bestiegen nur wenige von uns, da wir schon oft von ihnen hinuntergeblickt hatten.

Das nächste Ziel war das heutige Anwesen der Familie Senillosa. An Feldern und einem Hof vorbei, an dem Rinder in Massentierhaltung gehalten werden - sie enden als "Corned Beef" - ging es zu dem sonst nicht zugänglichen, weiträumigen und malerischen Hof der Senillosas. Bemerkenswert ist, dass im Umkreis des Hofes wieder Reis angebaut wird. Die Felder liegen noch brach, sind aber mit Wasser bedeckt  - Störche waten in ihnen und suchen nach Amphibien, für die die bewässerten Felder Rückzugsgebiete bilden. Die Senillosas haben sich aber jetzt auf die Zucht der berühmten spanischen Pferde verlegt, deren einige wir im Stall bewundern konnten. 

Leider hatten wir durch das Ausbleiben eines nicht zu uns gehörigen Paars an den Senillosa-Türmen ziemlich Verspätung, als wir nach Castelló ins Restaurant "Canet" aufbrachen. Man nahm uns das dort nicht übel und wir erhielten unser Mittagessen in gewohnter Freundlichkeit und Qualität.

 

Auf den Spuren des Dichters Fages de Climent in Castelló d´Empúries

 

Am späten Nachmittag empfing uns der Direktor des "Museu História Medievall", Sr. Jordi Canet Avilés, im "Cúria-Preso", dem alten Gerichtsgebäude und Gefängnis der Grafenstadt. Auch dieser Ort ist uns nicht unbekannt, aber auf dem kurzem Rundgang durch das Museum erfuhren wir auch hier einige interessante Einzelheiten aus der Geschichte Castelló d´Empúries. Hauptanlass des Besuches war aber eine zum 50. Todestag von Sr. Canet ausgerichtete Ausstellung zu Leben und Werk des mit Castelló eng verbundenen Dichters Carles Fages de Climent. Sr. Canet ist ausgewiesener Fages-Kenner und so bekamen wir eine instruktive Einführung zur Person und zum Werk des als "letzter Troubadour" bezeichneten Poeten.

 

Die ganz Unentwegten hatten dann noch die Gelegenheit, das Untergeschoß des Hauses der Familie Climent zu besuchen. (Im Obergeschoß befinden sich die privaten Räume des Enkels des Dichters, Sr. Carlos Fages Torrents, und das Fages-Archiv, in dem noch viele unveröffentlichte Schriften und Briefe des Autors ihrer Veröffentlichung harren.) Auf dem Weg dahin machten wir an einigen Stationen des "Itinerari Fages de Climent a Castelló d´Empúries", dem "Literarischen Pfad Fages de Climent" Halt und lasen Zitate aus dem Werk von Fages. 

 

Es ist schon an sich interessant, in eines der alten Herrenhäuser in Castelló zu blicken, wir erfuhren dann aber auch noch Spezielles aus der Geschichte der Familie und dem Leben des Dichters, nicht zuletzt über seine Zusammenarbeit mit Dalí. Hierüber ist ein neues Buch erschienen "Fages i Dalí. Genis i amics" (Editions Brau).

Danke Sr. Canet für die kundige Führung - und Dank auch an Sr. Carlos Fages Toorrents für die Bereitschaft, uns Teile des Hauses und den Garten zu öffnen!

 

 

Zu Fages de Climent auch hier im Blog: Wege.Orte.Menschen / Vilasacra - Hauptstadt der Welt oder der Traum von einem katalanisch-okzitanischen Großreich 

Nachfolgend einige Bilder von unserer Exkursion. Wie immer werden die Bilder durch Anklicken vergrößert und es erscheint eine Beschriftung.

 

Weitere Bilder über den Besuch im Mittelalter-Museum in Castelló: 

 

https://www.facebook.com/museucuriapreso/

 

https://www.facebook.com/CarlesFagesDeCliment/