Der Autor über das Buch "La Arqueta"

 

 

Ich habe hier Fragen gesammelt, die mir zu meinem Buch gestellt wurden. Ich mache daraus ein fingiertes Interview.

 

Fragesteller: Wolfram, du hast nun das Buch in den Händen. Wie geht es Dir damit?

 

Autor: Ich bin froh, dass jetzt ein langer Prozess mit viel Arbeit und manchen Rückschlägen beendet ist. Es ist ein bisschen wie bei einer Geburt. Man geht mit einer Idee schwanger, es bildet sich ein Keim, der immer weiter wächst, sukzessive Gestalt annimmt und schließlich ans Tagelicht tritt. Der Unterschied zu einem Embryo ist, dass ein Manuskript nicht von alleine wächst, sondern kreative Einfälle und kontinuierliche Arbeit des Autors benötigt. Aber es ist auch so, die die Geschichte und die Gestalten des Buches ein Eigenleben entfalten und man als Autor nicht immer weiß, worauf alles hinausläuft. Man muss dann manchmal regulierend in das Geschehen eingreifen. Gut sind auch Partner, die den Prozess kritisch begleiten und Einsprüche erheben. Da habe ich meiner Frau und anderen viel zu danken.

Das Schreiben des Manuskriptes war übrigens nicht die beschwerlichste Aufgabe, ich habe ungefähr ein Jahr bis zur Fertigstellung gebraucht und es ging relativ flott. Es hat mir immer wieder Spaß gemacht, an dem Erzählfaden zu spinnen und für die Sachpartien zu recherchieren (meiner Mitwelt mag diese ständige Inanspruchnahme manchmal auf die Nerven gegangen sein!). Als sehr viel mühsamer stellte sich die Nacharbeit heraus, das Lektorieren – ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich den Text durchgelesen und bearbeitet habe – die frustrierende Suche nach einem Verlag und schließlich die Gestaltung für das Selfpublishing. Das hat mehr als ein halbes Jahr gedauert. Ich hatte da viel mit technischen Problemen zu kämpfen.

 

Fragesteller: Kannst Du uns Teile nennen, wo deine Lesepartner Einspruch erhoben haben?

 

Autor: Ja, da sind einmal die informativen Partien. Da habe ich manches gekürzt. Ich wollte sie aber nicht herausnehmen und mich nur auf den Erzählfaden beschränken. Sie gehören zur Gestalt von Hendrik, der ja Wissenschaftler ist und auch zu Michael, der als Historiker an den Dialog zwischen den Religionen und die Gralsfrage herantritt. Das hat aber auch mit mir zu tun, ich war ja schließlich Zeit meines Lebens als Lehrer tätig.

 

Ein anderer Kritikpunkt war die Einführung des „Beobachters“ alias „Luci-fer“. Den hielten einige der Lesepartner für problematisch. Ich fand aber die Uminterpretierung der mythischen Gestalt Luzifers als Initiator der menschlichen Vernunfttätigkeit und als passiven Beobachter des Weltgeschehens interessant. Er gab mir die Gelegenheit, die Handlung im Roman sozusagen von außen, distanziert, zu begleiten. Die Rolle des „himmlischen“ Berichterstatters wie bei Hiob und im „Faust“ habe ich ihm übrigens erspart. Im Schlusskapitel hätte er gerne einem ausführlichen Kommentar zum Ende der Geschichte abgegeben. Ich habe ihm aber den Mund verboten. Den „Reim auf die Geschichte“ soll sich der Leser selber machen.

Ich konnte dem Typ auch einiges an meiner Weltsicht und Theologie in den Mund legen.

 

Fragesteller: Im Roman sagt Hendrik, er habe sich vom „Metier seines Vaters“, der „Missionierung“, abgewandt. Ist Luzifer dann das Hintertürchen, aus dem doch der Pfarrer spricht, dessen Metier die Missionierung ist?

 

Autor: Missionierung war nie mein Metier. Ich wollte immer Fragender mit Fragenden sein. Nicht umsonst ist Hendrik Skeptiker und bleibt es bis zum Schluss. Ich wende mich aber gegen die heute so verbreitete Fraglosigkeit und Oberflächlichkeit. Ich finde philosophisches und religiöses Fragen gehört zum Menschsein. Und ich habe es immer als meine Aufgabe gesehen, Verständnis für den christlichen Glauben zu wecken. In der christlichen Tradition steckt viel Potential für ein sinnvolles und menschenwürdiges Leben. Die Verirrungen der Christentumsgeschichte übersehe ich nicht, aber sie sind für mich nicht das Ausschlaggebende. Mir ging es aber auch in dem Buch darum, Seiten im Islam zu zeigen, die in der heute verbreiteten Sichtweise unterzugehen drohen.

Fragesteller: Du hast einige Sachbücher veröffentlicht. Wie kamst Du denn dazu, einen Roman zu schreiben?

 

Autor: In meinen Büchern über „Okkultismus“ und „Wahrsagen“ gibt es schon erzählende Partien. Ich habe als Unterrichtender gerne erzählt und bei meinen Führungen in Katalonien erzähle ich viel. Es hat mich gereizt, das Erzählen einmal in den Mittelpunkt eines Werkes zu stellen.

Fragesteller: Daraus ist nun ein Kriminalroman geworden, allerdings einer, der in seiner Gestaltung und Thematik etwas aus der Rolle dieses Genres fällt. Warum sollte es denn ein Kriminalroman sein?

 

Autor: In einem Kriminalroman geht es um die Aufklärung eines Verbrechens und die Suche nach dem Urheber. Da gibt es eine Verwandtschaft zu religiöser Suche und der Suche nach dem Gral. Dieses Genre gab mir die Möglichkeit, beide Motive zu verbinden. Ein „Thriller“ konnte dabei allerdings nicht herauskommen, den wollte ich auch nicht schreiben. Was mich an vielen heutigen Kriminalromanen stört, ist die reine Fokussierung auf Aktion, Spannung und Nervenkitzel. Außerdem stößt mich die oft primitive Sprache ab. Literatur bleibt dabei auf der Strecke.

 

Fragesteller: Man hat den Eindruck, dass es biographische Hintergründe zu dir in dem Roman gibt. Stimmt das?

 

Autor: Bedingt. Der Roman spielt an Schauplätzen, die ich kenne oder an denen ich gelebt habe, im Rheinland, in Katalonien, in Australien. Ich war aber nie in der Heimat Marisols, in Uruguay. Das Land kenne ich nur aus Erzählungen und Reiseschilderungen. Ich würde aber gerne einmal dahin fahren.

Was die Personen betrifft, haben sie manches mit Menschen zu tun, die ich kennen gelernt habe, als ganze Persönlichkeiten sind sie aber Fiktion. Das schließt nicht aus, dass sie Anteile von mir tragen, allerdings eher in Übertreibung oder Gegensätzlichkeit zu meiner Person, wie ich sie sehe und andere mich einschätzen. Und natürlich haben die Thematiken des Romans mit meinen Interessen und Arbeitsgebieten zu tun.

 

Übrigens: Anstoß zu der Idee des Romans war ein nie ganz aufgeklärter Mord an einem Obdachlosen im Stadtwald einer rheinischen Kleinstadt, in der ich damals lebte.

 

Fragesteller: Beim ersten Blick auf das Buch fällt einem der Titel und das Titelbild auf und lässt den potentiellen Käufer vielleicht etwas ratlos werden. Was sagst du denn dazu?

Autor: Ich hoffe, dass Titel und Titelbild neugierig machen. Wenn man die Rückseite des Covers liest, erfährt man ja, was mit der "Arqueta" (sprich: Arketta) gemeint ist.

Um das Titelbild zu verstehen, muss man ein wenig in dem Buch blättern. Dann stößt man auf eine Zeichnung, aus der hervorgeht, woher die Figur stammt. Sie stellt eine der Christusfiguren dar, die einen im Kunstmuseum zu Girona aufbewahrten Tragealtar in Form eines  Kästchen bedecken.  

Um Genaueres über das Kästchen, seine Figuren, und die Rolle, die es im Roman spielt, zu erfahren, muss man allerdings das Buch lesen.

Fragesteller: Ist das nicht ein bisschen anspruchsvoll für einen Leser, der nach dem Buch greift?

Autor: Ich habe das Buch für Leser geschrieben, die eine literarische und geistige Herausforderung suchen.

 Fragesteller: Ich danke dir, Wolfram, für deine Auskünfte.

Als Belege für den Realbezug der Beschreibungen, Diskussionen und Zeichnungen im Buch gebe ich hier Fotographien des in Sant Pere de Roda gemachten Fundes mit dem Kästchen/Tragealtar wieder. Die Objekte sind im Kunstmuseum (Museu d´Art) in Girona ausgestellt. Im Roman ist das Altärchen Vorbild für das von Michael, Sandovan und Hendrik gesuchte Gralskästchen.                                                                                         (Beim Anklicken öffnen sich die Bilder und es erscheinen Erklärungen.)

Dass es auch andere und größere Tragealtar-Kästchen mit Steineinlage - in diesem Fall Marmor - gab, zeigt ein ebenfalls aus Sant Pere de Roda stammendes Exemplar. Es wird im Museu  d´Empordà in Figueres gezeigt.

Eine Reise zu den Schauplätzen des Romans - Bildergalerie

Zu einigen Orten Kataloniens im Roman gibt es bebilderte Artikel. Die Lektüre der Artikel gibt einen Einblick in die "literarische Werkstatt" des Autors. In dem Roman ist vieles an früheren Studien, Entwürfen und Veröffentlichungen eingearbeitet. Manches an den Erzählungen und Berichten in den Artikeln wird den Lesern des Romans bekannt vorkommen. Sie werden aber zusätzlich Bilder und weitere Informationen finden.

 

Auf der Suche nach dem Gral - ein Wanderung zum Kloster Sant Pere de Rodes und zur Burg Sant Salvador

Historisches und Informatives zum Kloster, zur Burg und zum Gral 

 

Lesen

 

Der Gral, das Kloster Sant Pere de Rodes und die Burg Sant Salvador

Eine historische Erzählung

 

 

Lesen

 

 

Ein Pilgerweg von der Steinzeit bis ins Mittelalter - von Vilajuïga nach Sant Pere de Rodes

Auf dem Weg stößt man auf Dolmen und findet Kreuzzeichen auf Felsen und Steinen. Stammen sie von christlichen Pilgern oder gab es hier schon einen jungsteinzeitlichen Pilgerweg? Führte der Weg einst zu einem antiken Venustempel, der an der Stelle des Klosters Sant Pere de Rodes stand? Eine Wanderung durch die Zeiten.

 

Lesen

 

Grafenfestung und Zauberburg – El Castell de Quermançó

Geschichte und Legenden einer empordanesischen Festung

 

Lesen

 

 

Vom "Pla de Tudela" zur "Cala Culip" 

Ein geologisch-künstlerisch-literarischer Spaziergang am Cap de Creus 

 

Lesen (zum Artikel hinunterscrollen)  

  Bilder und Beschreibungen von Orten in Barcelona, zu denen Marisol       Hendrik im Roman führt, finden sich indem Artikel: 

  Ein Spaziergang durch den Parc de la Ciutadela in Barcelona - und   

  eine   Reise durch die Evolution des Lebens im Museu Blau

 

  Lesen (zum Artikel hinunterscrollen)

 

 

  Der Hof der "Comunitat Sant Joan", die Art des dortigen Weinbaus und   die Schilderung der umliegenden Landschaft ist von Besuchen in dem     Weinbaubetrieb "La Gutina/Can Torres" inspiriert. Ich weise aber aus-

  drücklich darauf hin, das meine "Ansiedlung" einer Kommunität dort   

  Fiktion ist.

 

  Lesen (zum Artikel hinunterscrollen)